Feb 27 2017

Ein „goldenes Mikrofon“ und Gäste aus der Schweiz

Aulendorfer Narrensprung bietet abwechslungsreiche Unterhaltung für die Zuschauer

Die Akrobatik der Eckhexen sorgte für großen Applaus.

Dicht gedrängt standen die Zuschauer wieder in der Aulendorfer Hauptstraße, um den abwechslungsreichen Umzug zu genießen. Es ist der Mix aus Aulendorfer Ulkgruppen und Narrenzünften, die bei Weitem nicht nur aus der Vereinigung Schwäbisch Alemannischer Narrenzünfte (VSAN) stammen. Dennoch, nicht jede Zunft, die Lust und Laune hat, darf am Aulendorfer Sprung teilnehmen, da die Zunftoberen eine gewisse „Altersgrenze“, quasi so eine Art Volljährigkeit zur Bedingung gemacht haben. Erst wer 20 ist, ist willkommen.

Erstmals waren das dieses Jahr die Burgnarren aus Waldburg. Getreu ihrem Narrenruf „Etz goht´s rund – D´r Burgnarr kunnt“ wälzte sich eine grün-gelbe Lawine schelmisch lachender Burgnarren durch die Zuschauerspaliere. Ebenfalls Premiere in Aulendorf feierte die „Wiler Rhy Waggis Clique“. Der Name deutet schon darauf hin, es war eine Schweizer Zunft, die mit ihren Riesenköpfen und dem strohgelben Wuschelschopf einen farbenfrohen Akzent setzten. Da dürfte mancher Besucher überrascht gewesen sein, als es von den Schweizern frischen Lauch statt Bonbons gab.

Schwarzwurst, Zwiebel, Brot

Bodenständiger in der kulinarischen Zuschauerversorgung waren die Narrenzunft Schussenried mit den Rauchhäuslern Kürnbach. Die hatten nämlich körbeweise Schwarzwurst mit Zwiebel und Brot dabei – wohl bekomm’s. Es gab dann auch noch die Sattenbeurer Hurgler und die Kleinwinnaden Riedmeckeler. Die Schussenrieder Ortsteile gehören nicht nur politisch zusammen, sondern auch die Maskengruppen bilden alle gemeinsam die Narrenzunft Bad Schussenried. Alte Bekannte kommen vom Narrenverein Ebersbach-Musbach mit den Schwendedappern, den liebreizenden, maskenlosen Stöcklehexen und dem Indianerstamm, dem die Zunft auch den zungenbrecherischen Narrenruf „Ibitscha, ibitscha – tscha, tscha tscha un“ verdankt. Aus der Heimat von Bürgermeister Matthias Burth, der sich dieses Jahr übrigens wieder auf der Tribüne befand, kamen die Bachpiraten Ringgenbach, die auch gleich noch ein riesiges Piratenschiff durch die Straße steuerten.

Die „Wiler Rhy Waggis Clique“ war ein echter Hingucker.

Eine jede Zunft, selbst jede Ulkgruppe hat als Erkennungszeichen ihren ganz besonderen Narrenruf. Doch besonders geistreich rufen die Seeschrättala aus Oggelshausen den Zuschauern zu „Wia schraiat Ihr au?“ worauf diese ehrlicher- und richtigerweise antworten dürfen „I woiß doch au it gnau“. Da ist´s bei den Bomser Kellergoischtern wesentlich einfacher, allerdings führten die fidelen Geister auch noch ein paar Hexen im Gefolge, deren Strohwagen beim Publikum und bei Michael Weißenrieder gefürchtet war. Weißenrieder von der Aulendorfer Narrenzunft brachte all diese interessanten Informationen in kurzweiliger Art und Weise dem Publikum nahe. Mit dem Mikrofon direkt in der Menge und im Gespräch mit den Umzugsteilnehmern macht er seit Jahren einen super Job, weshalb er gleich zu Beginn von den Männern im Lautsprecherwagen ein „goldenes Mikrofon“ bekam.

 

Los geht’s um 14 Uhr

Michael Weißenrieder (links) bekommt das goldene Mikrofon.

Weißenrieder wusste auch, dass sich unter den Gästen der Narrenzunft Tettnang die Säckelmeisterin des VSAN, Ursula Forster, befand. Die Tettnanger Montfortnarren eröffneten den Umzug um 14 Uhr. Ganz an der Spitze der Fanfarenzug Tettnang, der mit seinen dumpfen Trommelschlägen noch einmal das Hu-Hu-Hu der Isländer Fußballfans lebendig werden ließ. Zum Beginn des Umzugs eine Zunft des VSAN und zum Abschluss auch. Nach den vielen Aulendorfer Ulkgruppen, die auch schon beim Umzug am Donnerstag an die Helden von früher erinnerten (die SZ berichtete), fehlte natürlich noch die Aulendorfer Hausmacht – Fanfarenzug, Schnörkele, Fetzle, Tschore und Rätsch und die Eckhexen. Eckhexen in großer Zahl und vor allem sehr viel junge, noch maskenlose Eckhexen. Um ihre Zukunft muss sich die Zunft mit Zunftmeister Rolf Reitzel an der Spitze keine Sorgen machen.

 

 

Bericht: Schwäbische Zeitung Lokalausgabe Bad Waldsee 27.02.2017
Text und Fotos: Dietmar Hermanutz

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