Tschore & Rätsch

Aulendorfer Tschore & Rätsch

Aulendorfer Tschore & Rätsch

Reden zu dürfen ohne missliche Folgen befürchten zu müssen – das ist auch heute noch ein Privileg der Narren und so ist es nicht verwunderlich, dass damals wie heute die „Rätschen“ (beiderlei Geschlechts!) an der Fasnet ihre große Zeit haben. Unser Maskenpaar „Tschore“ und „Rätsch“ hat seinen Ursprung im Dekret von 1679. Die „Rätsch“ ist ein spitzzüngiges Weib, das jahraus jahrein bekannte und geheime Begebenheiten sammelt, in ihrem Buch notiert und an Fasnet austratscht. Besonders gerne macht sie dies natürlich mit Vorkommnissen, die von den Betroffenen am liebsten unter den Teppich gekehrt würden. Eine großartige Hilfe dabei ist ihr Begleiter, der „Tschore“. Sollte die „Rätsch“ tatsächlich mal etwas vergessen, so wird ihr das vom „Tschore“ eingesagt und Dinge, die sich selbst die „Rätsch“ nicht zu sagen getraut bringt er in seiner gutmütigen, etwas tollpatschigen Art noch an den Mann/die Frau! Eines aber wird von beiden beherzigt: Die Rede ist nur frei, wenn sie nicht verletzt oder beleidigt.

In der fasnächtlichen Aufgabe von Tschore und Rätsch, das närrische Stadtgewissen zu spielen ist auch die Erklärung des Aulendorfer Narrenrufes „ha, ha, ha, jo was saischt au!“ zu finden. Man stelle sich vor, die beiden erzählen eine unglaubliche (aber wahre) Geschichte. Der Zuhörer lacht und sagt ungläubig „jo was saischt au!“

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Maskenbeschreibung

Der Tschore

Der männliche Begleiter der Rätsch ist der “ Tschore “,  der in seiner bewusst betonten tölpelhaften Art, ganz in diese Aufgabe hineinverstrickt und unter dem Gehabe eines sich etwas einfältig gebenden Pantoffelhelden zum Sprachrohr der Rätsch wird, und der, wenn er will, das unter dem Deckmantel seiner gespielten Dummheit weitergibt, was die Rätsch ihm zuflüstert und nicht zu sagen wagt und so doch gesagt ist, was die beiden sagen wollten. In seiner biederen Einfalt vermag er auch, wenn die Situation es erfordert, unauffällig die allzu kräftigen Spitzen seiner Begleiterin abzubiegen und ein freundliches Pflästerchen draufzukleben. So watschelt er, etwas melancholisch und durchaus nicht streitbar und steckt immer wieder seine lange Nase pfiffig in die Suppe, die seine Rätsch laufend einbrockt. Man weiß nicht, wer gefährlicher ist, oder, je nach Lage, werden kann, er oder sie, wenn die beiden, ein Komplott bildend, das Recht der Narrenfreiheit mit raffiniert zugespielten Bällen ausnützen, um jede Fasnet das, was das Jahr über “nit” gesprochen werden durfte, zu sagen und an die Richtigen zu bringen.

Wer diese Masken trägt, hat eine schwierige Rolle. Sie erfordert viel Klugheit, Gewandtheit, Takt und Fingerspitzengefühl, um bei der Durchführung ihrer Aufgabe tatsächlich ins Schwarze zu treffen, ohne aber dabei zu beleidigen und die Fasnet in Mißkredit zu bringen; denn Beleidigungen genießen nicht den Schutz der Narrenfreiheit. Leidenschaftslos, ohne persönlichen Haß aber mit Witz und närrischem Geist, müssen sie zu Werke gehen; denn es soll damit nicht nur ein Augenblickserfolg, sondern etwas tiefgreifendere Wirkung erzielt werden. “ D`Kinder und d`Narren sagen die Wahrheit !” Sie ist manchmal bitter aber heilsam. Deshalb ist es verständlich, daß die Zunft gerade das Auftreten dieser beiden Masken streng überwacht.

Die Maske:

Die Maske aus Lindenholz darf nur von einem von der Narrenzunft Aulendorf e.V. anerkannten Maskenschnitzer gefertigt werden.

Der Hut:

Es wird ein dunkelbrauner Schlapphut mit großem Rand getragen.

Die Haare:

Die Haare sind aus Hanf und schulterlang. Der ausgekämmte Hanf wird stufenweise der Kopfform entsprechend auf ein naturfarbenes Baumwolltuch aufgenäht, wie bei einer Perücke. Diese wird so an die Maske genäht, dass weder Nacken, noch Haare des Trägers zu sehen sind.

Die Jacke:

Die Jacke wird aus reh- bis dunkelbraunen Wollstoff (Loden, Flanell) gearbeitet. Sie ist gerade geschnitten, wie ein Junker ohne vorderen Verschluss. Der Halsausschnitt bekommt einen 3 cm Stehkragen und wird mit einem Hakenverschluss geschlossen. An den vorderen Kanten, die 4 cm breit abgesteppt wird, werden jeweils 4 Holzknöpfe im Abstand von ca. 10-15 cm aufgenäht. Die Knöpfe sollen einen Durchmesser von 3,5 – 4 cm und 4 Löcher zum Annähen haben. Die Jacke ist hüftlang und verläuft nach hinten etwas länger. Der Ärmel ist ein gerader Jackenärmel.

Die Weste:

Aus königsblauen Babycord (Feincord) wird die Weste gearbeitet. Sie ist gerade geschnitten und hat einen runden Halsausschnitt. Die Weste wird auf dem Rücken mit 7 – 8 Holzknöpfen geschlossen. Die Knöpfe mit 4 Löchern haben einen Durchmesser von 2,5 cm. Auf der vorderen Mitte werden zur Zierde 4 Knöpfe mit 3 cm Durchmesser und 4 Löchern aufgenäht. Im Vorder- und Rückenteil werden Taillenabnäher genäht. Die Weste wird ca. 10 cm unterhalb der Taille getragen.

Die Hose:

Für die Hose wählt man einen Wollstoff (Trevira, Mischgewebe) mit einem großen Fensterkaro in braun-beigem Ton abgestimmt zur Jacke und Weste. Die Schnittform der Hose entspricht einer Bundfaltenhose in gerader Form und 7/8 lang.  Aus der linken Hosentasche lässt man zwei große Schnupftücher hängen. Sie werden an einer Ecke gefasst und in die Tasche genäht. Die Hose wird im Rückenteil höher geschnitten und mit einem Riegel und einer Schließe weitenreguliert.

Strümpfe:

Der Tschore trägt Wollstrümpfe mit 1cm breiten Ringeln (Streifen) in den Farben passend zu seinem Häs.

Die Schuhe:

Der Tschore trägt Strohschuhe. Ob sie als ganze Schuhe oder als Überschuhe getragen werden ist nicht festgelegt.

Die Handschuhe:

Wie zu jeder Originalmaske gehören auch zum Tschore Handschuhe. Die Handschuhe müssen dunkel sein.

Das Zubehör:

Starenrätsch, alter dunkler Stockschirm


Maskenbeschreibung

Die Rätsch

Die “ Rätsch “, die spitzzünige Weibergestalt, welche ihrem Wesen, Tun und Treiben nach an dem Narrenfreien Tag, den die Grafen von Königsegg – Aulendorf an Fastnacht der Bevölkerung erlaubten, die Hauptrolle spielte, ist für immer das “ närrische Stadtgewissen des Städtchens” und muß diese Rolle mit Geist und Witz spielen. Das ganze Jahr über horcht sie alle und alles aus, sammelt Histörchen, registriert bekannte und geheime Begebenheiten in Wort und Bild in ihrem großen Buch und an der Fasnet packt sie dann aus, zieht von Lokal zu Lokal, von Haus zu Haus als lebendes “Fasnetsblättle”, um in guter Absicht, Einzelnen oder Personengruppen, direkt oder versteckt zu sagen, was nicht richtig war, was gerügt werden muß. Spaßig oder zynisch bringt sie ihr Wissen  bei denen an, für die es vorgesehen ist. Ihr Aussehen macht ihrem Namen alle Ehre. Das überdimensionale Ohr, mit dem sie alles hört und ihr dauernd zum Schwatzen ( “Ratschen“ ) geöffneter Mund lassen ahnen, daß sie diejenigen, die ihr in der Fasnet geschickt über den Weg laufen, ein gerütteltes Maß an Naseweisheiten und manchmal bitter schmeckenden Histörchen zuzuflüstern weiß, oft zum Entsetzen wirklicher Ratschweiber, die von der Rätsch ob ihres Benehmens das Jahr über besonders scharf aufs Korn genommen werden. So verkörpern heute die Rätschen die Gestalten des Narrenfreien Tages, an dem diese einstens Schand und Spott sagen durften und ihr Herz erleichtern durften.

Die Maske:

Die Maske aus Lindenholz darf nur von einem von der Narrenzunft Aulendorf e.V. anerkannten Maskenschnitzer gefertigt werden. An der Maske ist ein grünes Kopftuch befestigt, das unter dem Kinn mit einem Druckknopf geschlossen wird und den gesamten Hinterkopf verdeckt.

Die Bluse:

Die Bluse unserer Rätsch ist mais- bis goldfarben und die Qualität des Stoffes ist ein feines Leinen oder ein kräftiger Baumwollstoff. Sie ist Rundhals geschnitten mit einem Koller, hat vorne eine verdeckte Knopfleiste und wird über dem Rock getragen. Die Ärmel werden an der Armkugel leicht gefasst eingenäht und am Handgelenk mit einer Manschette geschlossen. Auf Figur wird die Bluse gebracht, indem man die Abnäher von der Hüfte zur Taille aufspringen lässt. Beidseitig vom vorderen verdeckten Verschluss ziert in 4cm Abstand ein Shapo (Wasserfall, Volant) die Bluse. Der Volant ist oben an der Passe ca. 10cm breit und verjüngt sich bis unterhalb der Taille. Die Bluse wird mit Druckknöpfen geschlossen.

Die Jacke:

Die Jacke wird aus einem helleren weinroten Wollstoff / Gabardine, Mischgewebe gefertigt. Die Farbnuance ist dem Rock entsprechend abgestimmt. Die Jacke wird ausgestellt ohne Abnäher, das Rückenteil leicht glockig geschnitten. Das Vorderteil ist mittig ohne Verschluss und wird nur am Halsausschnitt mit einem 2cm breiten Stehkragen und mit zwei 30 cm langen verstürzten Bänder geschlossen. Die Jacke ist am Vorderteil 5-7 cm länger als die Bluse und wird nach hinten am Rückenteil ca.15 cm länger. Die Ärmel sind wie bei einer normalen Jacke. Die Jacke ist ganz gefüttert.

Der Rock:

Die Rätsch hat einen 4 Bahnenrock aus einem dunkelroten Wollstoff (Flanell, Gabardine). Die untere Weite des Rockes ist ca. 2,80 m weit. Der Rock ist vorne knöchellang, das Rückenteil wird länger geschnitten und reicht in der Mitte bis zum Schuhabsatz. Den Abschluss der Saumkante bildet eine 3 cm breite schwarze Schlingenborte aus Wolle (kann man auch häkeln). Am Taillenbund werden Schlaufen angebracht aus dem gleichem Stoff. Aus dem Jackenstoff wird ein Band von 6 cm Breite und ca.    2,50 m Länge genäht. Das Band wird durch die Schlaufen gezogen und in der vorderen Rockmitte mit einer Schlaufe gebunden. In den Seitennähten kann man Taschen einarbeiten.

Die Handschuhe:

Wie zu jeder Originalmaske gehören auch zur Rätsch Handschuhe. Die Handschuhe müssen dunkel sein.

Die Schuhe:

Als Schuhe werden dunkle Halbschuhe oder Stiefeletten empfohlen.

Das Zubehör:

Die Rätsch trägt ein großes Buch, eine Handtasche (keine modische) und evtl. einen Spiegel mit sich.

 

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