Die Eckhexe

Aulendorfer Eckhexe

Aulendorfer Eckhexe

Heimisch im oberschwäbischen ist die Figur der Hexe. Die Heimat der  „Eckhexe“ ist Aulendorf’s älteste Wohnstraße, die Eckstraße (Eggstraße),  wo vor langer Zeit eine als Hexe verschriene Frau gewohnt haben soll. Ganz geheuer war die Eggstraße den Aulendorfern wohl nie, sagt doch ein alter Spruch:

„Wer über d’Egg kommt ohne Schand und Spott, der hot e b’sond’re G’nad von Gott!“

Unsere „Eckhexe“ erinnert aber nicht an die Hexenprozesse, die auch in Aulendorf stattgefunden haben. Farbenfroh gekleidet, mit einem Kopftuch, das mit den Tierkreiszeichen bestickt ist hat sie die Aufgabe, alles Störende, allen Hass, allen trüben Sinn während der Fasnet und möglichst auch darüber hinaus hinwegzufegen.

 

 

 


Maskenbeschreibung

Die  Eckhexe


Der Ursprung dieser Aulendorfer Originalmaske geht nicht auf die auch in Aulendorf nachgewiesenen Hexenprozesse zurück. Der Name hat Bezug auf die älteste Wohnstraße in Aulendorf, die Eckstraße. Unsere “Eckhexe” symbolisiert nicht die unglücklichen Opfer einer schrecklichen Justiz, sondern sie hat die Aufgabe, neben dem Winter auch allen Hass, alles Störende während der Fasnet (und möglichst auch darüber hinaus), hinwegzufegen. Mit tollen Sprüngen und unbändigem Übermut will sie die Einwohnerschaft ergötzen.

Der Sinn der Aulendorfer “Eckhexe” kommt auch zum Ausdruck im Text der Maskenbeschwörung am Mittwoch vor dem Gumpigen Donnerstag, wenn der Burggraf die vom Banne befreiten Hexen auffordert “Fegt wie die Windsbraut durch die Lüfte,…Fegt weg den kalten Winter, fegt weg all trüben Sinn …”!

Die Maske:

Die Maske aus Lindenholz darf nur von einem von der Narrenzunft Aulendorf e.V. anerkannten Maskenschnitzer gefertigt werden.

Das Kopftuch:

Das Kopftuch unserer “Eckhexe” ist wohl einmalig und prägt das Erscheinungsbild dieser Originalmaske.

Es besteht aus verschiedenfarbigen Seiden- bzw. Satinquadraten, die teilweise mit Tierkreiszeichen bestickt sind.
Die Tierkreiszeichen symbolisieren den Jahresablauf. Es werden die Farben Schwarz, rot, gelb, grün, blau und violett verwendet. Das Kopftuch ist schwarz unterfüttert und an den Kanten schwarz eingefasst.

Die Anordnung ist wie bei einem Schachbrett. Das Kopftuch besteht aus 8 x 8 = 64 Quadraten mit einer Seitenlänge von 13 cm bis 14 cm je nach Körpergröße des Maskenträgers. Für die Anordnung der Farben gibt es bei der Narrenzunft Vorlagen. Das Kopftuch wird mit einem “Dächle” auf die Maske aufgenäht. Zur Stabilisierung dieses Dächle empfehlen wir, einen Papp- oder Lederstreifen an die Innenseite des Tuches anzunähen.

Der Maskenbändel wird an der linken Seite in der Höhe der Schläfe angenäht.

Die Bluse:  

Die Bluse unserer „Eckhexe“ wird aus einem tief weinroten, gleichmäßig grob gewobenen Baumwollstoff in Leinenstruktur gearbeitet. Die Bluse wird im Folgenden in Oberteil und Schößle unterschieden.

Das Oberteil ist bis 5 cm unter die Taille geschnitten und wird mit Abnähern im Vorder- und Rückenteil in Form gebracht. Im Rückenteil ist in der Mittelnaht ein runder Buckel in Höhe der Schulterblätter ausgearbeitet. Zur Stabilisierung und  Formung dieses Buckels kann in das Futterrückenteil eine Tasche  genäht werden, somit kann
das mit Füllwatte gefüllte Formkissen bequem getragen werden.

An die untere Oberteilkante kommt das so genannte Schößle. Die Länge soll im Verhältnis zur Blusengröße stehen
(ca. 12 – 16 cm lang). Das Schößle wird in 1,5 cm breite, festgebügelte Falten gelegt, 5 cm von der vorderen Mitte beginnend in Richtung  Rücken und endet mit einer 6 cm tiefen Kellerfalte in der rückwärtigen Mitte.

Auf die Naht vom Blusenoberteil und Schößle wird als Abschluss eine 2 cm breite sichtbare Stoffblende aufgenäht.
An den Halsausschnitt kommt ein 3 cm breiter Formstehkragen.

In der vorderen Mitte wird die Bluse mit einem teilbaren Reißverschluss, der bis in den Stehkragen reicht, geschlossen.

Das gesamte Blusenoberteil (ohne Schößle) wird abgefüttert. Es hat sich als praktisch erwiesen, wenn in das Futtervorderteil zwei Reißverschlusstaschen eingearbeitet werden.

Die Ärmel sind bei der Bluse ein besonderer Blickfang, wobei der Ärmel in Ober- und Unterärmel aufgeteilt wird.
Das obere Ärmelstück hat je nach Größe 18 – 22 festgebügelte Falten über der Oberarmmitte. Die Falten haben einen Abstand von 1 cm und werden in Richtung Rücken nach hinten gelegt. Über die Falten näht man im Abstand von 5 cm ab der oberen Armkugel viermal 1 cm breite Goldlitzen auf. Der Oberärmel reicht bis zum Ellbogen.

Der untere Teil des Ärmels ist sehr anliegend gearbeitet und wird am Handgelenk mit einem kleinen Reißverschluss (ca.10 cm) oder Druckknopf geschlossen. Der Oberärmel wird mit den geschlossenen Falten an den unteren Ärmelteil genäht. Von dem letzten Goldbortestreifen bis zum Ansatz des Unterärmels sollen je nach Größe zwischen 10 – 14 cm sein. Die Überlänge von 3 cm des Oberärmels wird mit Vliesstreifen und Futter unter den Falten festgehalten, so dass es eine Wulst gibt. Der Ärmel ist auch ganz abgefüttert.

Am linken Ärmel ist in der Mitte des Unterärmels an der Außenseite die gestickte Maskennummer anzunähen. Maskengruppenführer tragen unterhalb dieser Nummer das gestickte Emblem der Narrenzunft Aulendorf e.V.

Die Bluse wird über dem Rock getragen.

Rock:

Die „Eckhexe“ trägt einen weiten, schwarzen Rock. Aus einem kräftigen Baumwollstoff in Leinenstruktur ist der Rock gearbeitet, die Weite ist ca. 2,40 m. Die vordere Rockbahn ist ca. 90 cm breit und besitzt nur sehr schwach in Richtung Seitennaht gelegte Falten. Die Hauptweite des Rockes bildet das Rückenteil. Die Falten sind im Abstand von 4 cm tief in Richtung rückwärtiger Mitte gelegt und schließen zu einer tiefen doppelten Kellerfalte in der Mitte des Rückenteils. Alle Falten sind nicht gebügelt, sondern gelegt.

Keinesfalls darf die Länge des Rockes sich an der aktuellen Mode orientieren. Die „Eckhexen“ haben also keinen Mini-, Midi- oder Maxirock, sondern der Rock geht im Vorderteil bis etwa eine Handbreite unter das Knie. Hinten ist
der Rock ca. 5 cm länger als vorne, rundgeschnitten und eingesäumt. An der Rockoberkante wird ein 4 cm breiter Bund angenäht. Es hat sich als zweckmäßig erwiesen, in die rechte Rockseitennaht eine Tasche mit Reißverschluss einzuarbeiten. An der linken Seitennaht wird der Rock mit Reißverschluss und Knopf geschlossen.

Die Schürze:

Die Schürze der „Eckhexe“ ist aus tannengrünem Baumwollstoff in Leinenstruktur gearbeitet. Die Schürze ist seitlich eingesäumt, endet 5 cm über dem Rocksaum und reicht seitlich bis zur Rockseitennaht. An der Taillennaht ist die Schürze gekräuselt und mit einem 4 cm breiten Schürzenbund festgehalten. An den Bund werden 5 cm breite Schürzenbändel genäht, die so lang sein müssen, dass sie in der Mitte des Vorderteils mit Knoten und Schleife gebunden werden können.

Die Schürze wird über der Bluse getragen.

Die Hose:

Die „Eckhexe“ trägt unter dem Rock eine gerade geschnittene weiße Unterhose. Sie ist aus feinem Baumwollstoff (Linon) gearbeitet. Die Taille ist mit einem Gummizugband festgehalten. Als Abschluss der Hosenbeine wird eine
8 – 10 cm breite Baumwollspitze mit Lochstickerei angenäht. Über dieser ist ein Tunnel für den Durchzug eines Gummibandes vorgesehen.

Die Hose wird so getragen, dass das Gummiband unterhalb des Knies sitzt und der Spitzenabschluss unter dem Rock hervorblitzt.

Die Strümpfe:

Die “Eckhexe” trägt geringelte Strümpfe, keine “Stutzen”. In den Strümpfen wiederholen sich die Farben des Kopftuches. Die Reihenfolge der Farben ist nicht vorgeschrieben. Die Farbringe sind etwa 1 cm breit.

Die Schuhe:

Die “Eckhexe” trägt rote Lederschnabelschuhe oder rote Lederturnschuhe. Nicht zugelassen sind Sportstiefel oder sog. Basketballschuhe. Die Schuhbändel sind ebenfalls rot.

Die Handschuhe:

Die “Eckhexe” trägt grüne Fingerhandschuhe.

Der Besen:

Die “Eckhexe” hat grundsätzlich eine Besen bei sich. Es ist ein Naturreisigbesen zu verwenden, der auf einen ca. 2 Meter langen unlackierten gehobelten Besenstiel gesteckt wird. Naturbelassene Besenstiele, wie zum Beispiel Haselnussstämmchen oder gegabelte Besenstiele sind nicht zugelassen.

                 

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