Das Fetzle

 

Aulendorfer Fetzle

Aulendorfer Fetzle

Nach dem Ende des letzten Krieges, als wieder etwas Lebensfreude aufkam und Hoffnung  auf eine bessere Zukunft keimte entstanden in Aulendorf die beiden Fasnetsfiguren „Fetzle“ und „Schnörkele“.

Das Aulendorfer „Fetzle“ ist ein typischer Schwabe. Ein Fetz ist ein Spitzbube, ein Fetzle die schwäbische Verkleinerung, also ist es nicht mehr so schlimm! Fetzen sind Lumpen, Stoffreste – Fetzle sind kleine Stoffreste die keinen Wert mehr haben und mit solchen ist das Häs aus Sackleinwand geschmückt Dem Fetzle sitzt der Schalk im Nacken und man kann ihm trotz allem Unfug nicht böse sein.

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 Maskenbeschreibung

Das Fetzle

Das Aulendorfer “Fetzle” ist eine Maske, die nach dem 2. Weltkrieg entstand. Es erinnert an die wiedergewonnene Lebensfreude und Lebensbejahung, an den großen Aufbauwillen unserer Eltern und Großeltern. Eine der ersten Beschreibungen dieser Maske bezeichnet das “Fetzle” (und auch das Schnörkele) als Dokumentation des damaligen Willens zum Guten und Wahren, als Absage an das Böse und Schreckliche, als geglückten Versuch, Niedergeschlagenheit und Verzweiflung unbeirrbar zu überwinden.

Der Name Fetzle ist doppelsinnig. “Fetzle” ist einmal eine liebevoll – schwäbische Verkleinerung von Fetz, einem Spitzbuben der etwas liebenswertes an sich hat, zum anderen der Name für die kleinen, farbigen Stoffstückchen,  die in großer Zahl und in den verschiedensten Formen und Farben auf das Kostüm genäht sind.

Der Burggraf begrüßt die “Fetzle” bei der Maskenbeschwörung mit den Worten:

“ Voll bunter Fetzle ist das Kleid,

Darinnen steckt seit alter Zeit

Ein Fetz, ein Spitzbub mit lust´gen Streichen

All düst´ren Griesgram will verscheuchen !”

Alfons Braun definierte die Aufgabe des “Fetzle”: “…… die “Fetzle” sollen durch Hüpfen und Springen in fröhlichem Tollen und Umtreiben, allerhand lustige Streiche verübend, der wiedergewonnenen Lebensfreude Ausdruck geben  und die Zuschauer in das fröhliche Treiben hineinziehen.

Die Maske:

Die Maske aus Lindenholz darf nur von einem von der Narrenzunft Aulendorf e.V. anerkannten Maskenschnitzer gefertigt werden.

Der Hut:

Der Hut wird aus dunkelgrünem Wollfilz gearbeitet. Die rechte Seite der Hutkrempe ist hochgeschlagen. Die linke Hut-Seite ist in zwei Zungen gespalten und ebenfalls hochgeschlagen. Den Huthinterkopf ziert ein schöner Schopf aus geschwungenen Gockel- und Hennenfedern. Zwischen den Federn sind drei lange, mit rotem Filz überzogene Wülste eingearbeitet. Am hinteren Hutrand werden so viele farbige Bänder befestigt, dass das grüne Baumwollkopftuch überdeckt wird. Die Bänder bestehen aus verschiedenfarbigen Filzquadraten (3×3 cm), die an den Ecken aufeinander gekurbelt (enger Zickzackstich) werden, so dass Rauten entstehen. Die Bänder haben unterschiedliche Längen, die längsten reichen bis zur Schultermitte. Auf der Hut-Oberseite werden 3 – 5 kleine (rund, geschlossen) Glöckchen, quasi Schellen, aufgenäht. Weiterhin wird die Oberfläche nach Belieben mit kleinen Filzrauten und Flaum-Federchen bestückt.

Ein dunkelgrünes Kopftuch, welches eine Länge von etwa 35 cm besitzt, wird an Hut und den Seiten der Maske angenäht. Dieses Kopftuch wird vorne am Hals mit zwei großen Druckknöpfen geschlossen und ringsum in die Bluse gesteckt. Der Hut wird von einem 5 cm breiten, hochroten Taftband gehalten, welches auf beiden Seiten kurz hinter dem Maskenrand am Hut befestigt ist. Es wird über dem Kopftuch herabgeführt, um unter dem Kinn mit einer großen Schleife gebunden zu werden.

Die Bluse:

Als Stoff wird grobes, ungebleichtes, naturbelassenes Leinen verwendet. Der Stoff muss aufgrund der Einlaufgefahr vor dem Verarbeiten unbedingt gewaschen werden.

Die Jacke ist bis zur Taille geschnitten, mit Abnähern wird sie auf Figur gebracht. Der Ärmel ist gerade geschnitten.
An das Jackenoberteil kommt das so genannte „Schößchen“. Es ist als Kreis geschnitten und fällt somit glockig.
Das Schößchen ist am Rückenteil je nach Größe etwa 35 cm lang und verjüngt sich zur vorderen Mitte auf ca. 25 cm. Die Kanten am Vorderteil sind leicht abgerundet. Von der hinteren Mitte wird oben am Taillenrand links und rechts bei je 8 cm eine 12 cm tiefe Kellerfalte in Richtung Seitennaht gelegt, die sich nach unten auf 15 cm verbreitert. Auf diese Falte kommt ein maskiertes Gesicht aus Filz mit Hut und Haaren. Als Haar sollte Perückenhaar oder Langhaarfell Verwendung finden, bei Echthaar besteht die Gefahr des Mottenbefalls.

Die Ärmelkanten, sowie der Schößchenabschluss werden mit hochrotem Schrägband eingefasst. Auf der Mitte des Rückenoberteiles wird ein großes gespiegeltes Fragezeichen (S) aus rotem Filz aufgenäht. Die ganze Jacke ist mit aufgekurbelten Filzmotiven nach persönlicher Vorstellung bedeckt. Diese „Fetzle“ beinhalten etwa Dreiecke, Kreise, Rechtecke und Motive in verschiedenen Farben, Formen und Größen. Wichtig ist, dass diese „Fetzle“ nicht überwiegend z.B. Fische, Pilze, in sich geschlossene Bilder oder ähnliches darstellen. Es soll schön bunt mit vielen Farben an Filz gearbeitet werden.

Die Jacke ist hochgeschlossen und wird von einem Stehkragen geziert.

Der Stehkragen (Mao-Kragen) hat eine Breite von 3 cm und wird aus dunkelgrünem Filz geschnitten, die Innenseite aus rotem Filz. Beim Nähen lässt man den roten Filz 0,5 cm aus dem grünen Filzkragen blitzen (Paspel). Die Jacke schließt man in der vorderen Mitte mit einem teilbaren Reißverschluss der auch in den Kragen reicht. Die Jacke wird ganz abgefüttert, wobei das Futter des Schößchens in naturfarbenem uni gehalten sein soll. Im Vorderteil haben
sich Innen-Taschen mit  Reißverschluss gut bewährt.

Die Hose:

Als Stoff wird das gleiche Material verwendet wie bei der Jacke. Die Hose hat gerade geschnittene Beine (kein Schlag, keine Karottenform) und wird in der Taille getragen (keine Hüfthose). Auf den vorderen Hosenbeinen werden große, spitzdreieckige Taschen aufgenäht. Die unteren Spitzen der ca. 30 cm langen Taschen enden in Kniehöhe und befinden sich, wie die inneren, oberen Spitzen, entlang der Bügelfalte. Die äußeren, oberen Spitzen führen über die Seitennaht. Auf die Taschen werden in Analogie zur Jacke verschiedene Filzapplikationen, die „Fetzle“ aufgekurbelt. Die Tascheneingriffe sind in einem leichten Bogen geschnitten und werden mit hochrotem Schrägband eingefasst.

Die Hosenbeine sind im unteren Teil mit zwei waagerecht angebrachten Streifen aus hochrotem Nahtband verziert. Das Band ist jeweils 3 cm breit und wird in einem Abstand von 10 cm aufgenäht. Das untere Band wird 4 cm ab der fertigen Hosenlänge aufgenäht. Zwischen den Bändern werden mittig verschiedenfarbige Filzquadrate angebracht. Die Quadrate stehen auf dem Eck, sodass sich wie beim Hut Rauten bilden.

Der Schellengurt:

Über der Jacke wird in der Taille ein 4 cm breiter grüner Gürtel getragen. Der Gürtel ist aus grünem Leder oder bevorzugt mit grünem Wollfilz überzogen. Dieser  ist im Abstand von 10 cm mit silberfarbenen, geschlossenen Schellen besetzt. Die Schellen haben einen hellen Klang. Sie sind im Durchmesser nicht größer als der Gürtel breit ist. Der Gürtel wird vorne in der Taillenmitte geschlossen.

Der Schellenstab:

Der Schellenstab ist ein etwa 50 cm langer, 2 cm dicker, gedrechselter naturfarbener Holzstab, der oben in einem silbern bemalten Knauf endet. Unterhalb des Knaufes ist ein Lederring befestigt, an  dem verschiedenfarbige, 1 cm breite Filzstreifen befestigt sind, deren Länge etwa 3/4 der Stablänge entspricht. Die Farben sind die gleichen, wie bei den Bändern am Hut und am Kostüm. Außerdem sind an diesem Lederring drei Schellen angebracht, welche die gleiche Größe wie die Schellen des Gürtels haben.

Die Handschuhe:

Wie zu jeder Originalmaske gehören auch zum Fetzle Handschuhe. Die Handschuhe müssen dunkel sein. Nicht zugelassen sind Skihandschuhe.

Die Schuhe:

Die Schuhe müssen dunkel sein.

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