Aulendorf startet in die Hallenfasnet

Die Masken sind wieder frei – Wenn Mystik auf Wortwitz trifft und Urschwäbisch auf Fränkisch

Mit dem „Häsrichten“ ist die Narrenzunft Aulendorf am Samstagabend traditionell in die Hallenfasnet 2020 gestartet. Der stellvertretende Zunftmeister Florian Angele freute sich über die vielen Gäste in der „altehrwürdigen und ach so wunderbaren Stadthalle“ und begrüßte gewohnt humorvoll Ehrengäste und Narrenfreunde aus Baienfurt, Weingarten, Tettnang und Bad Waldsee. In die jeweiligen Narrenrufe und das Tatü-Tata als Dank für die Anwesenheit des DRK stimmten die Besucher lautstark mit ein.

Der Aulendorfer Maskenmeister Michael Weißenrieder besucht die Originalmasken am Verbannungsort und verspricht, den ausgesprochenen Bann in Bälde zu brechen.

Mit dem Klang von elf Glockenschlägen begann einer der mystischen Momente der Aulendorfer Fasnet mit Gänsehautfaktor. Begleitet von düsteren Musikklängen nahm Maskenmeister Michael Weißenrieder die Anwesenden bei Schummerlicht mit an den geheimen Verbannungsort der ungeduldig wartenden Aulendorfer Originalmasken. „He da, schließt auf des Zauberberges großes Tor“ forderte er die Öffnung des Verbannungsortes. Dann versprach er, in Bälde den Bann zu brechen, damit der Maskenspuk wieder beginnen könne.

Im Anschluss ehrte Zunftmeister Rolf Reitzel für 60-jährige Mitgliedschaft Hedwig Hörburger und Dieter Hörburger, der seit 1967 Maskengruppenführer ist, bevor er Sarah Landthaler für das Jugendrotkreuz einen Scheck in Höhe von 555,55 Euro übergab. Die Gewinnerband des „Närrischen Ohrwurm 2019“ durfte natürlich nicht fehlen und so wurde zu „Auladorf zur Fasnetszeit“ ausgiebig geschunkelt und gesungen. Das Häsrichterteam Maria Arnold alias Draudl Brosecco, Carina Baur als Frau Bäuerle, Sandra Daiber als S‘Daiberle, Tina Heinemann als die Stuagertere, Irene Steinhauser als Frau Stoi und Britta Wekenmann alias Hausmeister Bruno startete vor dem geschlossenen Bühnenvorhang mit dem Häsrichterlied auf die Melodie von „Country roads“.

Die Häsrichter auf dem Wertstoffhof (von links): Britta Wekenmann, Maria Arnold, Irene Steinhauser, Sandra Daiber, Tina Heinemann und Carina Baur.

Der alljährlich mit Spannung erwartete Spielort entpuppte sich als Recyclinghof „GschHeydt“, passend zu etlichen Geschichten über verlorene Schlüssel, vergessene Geldbeutel und vermisste Hexenmasken. Viele Begebenheiten, welche das Team mit Sprachwitz und schauspielerischem Talent vorbrachte, wurden durch umgedichtete Liedtexte, live gesungen wohlgemerkt, ergänzt. Passend zu den Missgeschicken, die den Häsrichtern zugetragen worden sind, hat Ansgar Wekenmann, ein Meister am Zeichenbrett, Karikaturen gefertigt.

Allein schon der fränkische Dialekt der Draudl und das Urschwäbisch des bruddligen Bruno brachte die Zuschauer in der Halle ein ums andere Mal zum Lachen und manchmal trafen auch fragende Blicke den Nebenmann am Tisch.

So reihte sich Gschichtle an Gschichtle, Auftritte des Bürgermeisters mit fehlendem Brillenbügel kamen ebenso zur Sprache wie die Bußgelder, die im Nachbarstädtle nach dem dortigen Altstadtfest verhängt wurden. Sonderapplaus bekam die Samstagsdemonstrantin S‘Daiberle, die mit dem Plakat „Fasnet für Alle“ und ihrem „Ich bin hier, ich bin laut, dass niemand mir dia Fasnet klaut“, wohl voll den Nerv des Publikums traf. Viele amüsante Geschichten, 14 Lieder und 24 Karikaturen später, erhielten die Häsrichter hochverdienten Schlussapplaus und die Gäste tanzten noch lange zur Musik von „Einmannband²“.

Bericht: Schwäbische Zeitung Lokalausgabe Bad Waldsee 27.01.2020
Text und Fotos: Claudia Buchmüller

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