„Wir stehen als Zunft voll hinter einer barrierefreien Fasnet“

Aulendorfs Zunftmeister lobt die Ideen des Behindertenbeauftragten –
Nach der Fasnet 2021 will Rolf Reitzel sein Amt niederlegen

Die Fasnet steht in den Startlöchern, spätestens mit der Maskenbeschwörung und der Übernahme der Amts- und Schlüsselgewalt am Mittwoch, 19. Februar, startet offiziell die Hochfasnet. Für die 1600 Hästräger der Aulendorfer Narrenzunft beginnt damit wieder die schönste Jahreszeit. Karin Kiesel hat mit Zunftmeister Rolf Reitzel über die diesjährige fünfte Jahreszeit, die neue barrierefreie Ortsfasnet sowie über das große Landschaftstreffen 2021 und seine geplante Amtsniederlegung nach diesem Großereignis gesprochen.

Herr Reitzel, wie laufen die Vorbereitungen für die diesjährige Fasnet?
Auf Hochtouren. Bislang läuft alles gut und wir sind voll im Plan. Jetzt kommt noch der Feinschliff, sodass wir eine schöne Fasnet haben können.

Noch wähnt sich die Stadtführung in Sicherheit, doch am 19. Februar werden die Aulendorfer Eckhexen trotz guter Bewachung das Schloss stürmen und die Narren wieder die Macht übernehmen. ARCHIVFOTO: PAULINA STUMM

In diesem Jahr gibt es erstmals eine barrierefreie Fasnet, damit nimmt Aulendorf eine Vorreiterrolle im Land ein. Wie sehr erfreut Sie das und welche besonderen Aufgaben bringt das in der Vorbereitung mit sich?
Es freut mich riesig, dass Herr Kemper als Behindertenbeauftragter der Stadt mit seinen Ideen auf uns zugekommen ist. Wir stehen als Zunft voll hinter einer barrierefreien Fasnet und versuchen, alles möglich zu machen. Es sind zwei Gebärdendolmetscher engagiert worden und für Rollstuhlfahrer soll es rund um die Zufahrt zum Schlossplatz gute Plätze für freie Sicht geben. Es wird spannend werden, wie viele Menschen die Angebote nutzen werden, das lässt sich jetzt natürlich noch nicht sagen.

„Fabelwelten der Magie – eine Fasnet in Auladorf voll Zauber und Fantasie“: Das Motto der diesjährigen Fasnet lässt den Besuchern wieder viel Raum für Kreativität. Was erwarten Sie alles an Ideenreichtum zu sehen?
Da lasse ich mich am Gumpigen wieder überraschen, wie die Leute alle aussehen. Das wird wie jedes Jahr sicher wieder bunt und lustig. Unsere ulkigen Gruppen sind da sehr kreativ und wir haben jedes Jahr eine große Freude daran. Da ich selbst als Zunft meister unterwegs bin und früher bereits als Burggraf, muss ich mir keine Gedanken zu einer Verkleidung machen, das mache ich dann zur Fasnet 2022.

Aulendorfs Zunftmeister Rolf Reitzel will nach dem großen Landschaftstreffen 2021 sein Amt niederlegen.

Heißt das, dass Sie als Zunftmeister aufhören wollen?
Ja, nach der Fasnet und dem Landschaftstreffen 2021 werde ich das Amt niederlegen, danach finden die Wahlen statt. Im Jahr 2012 wurde ich als Nachfolger von Klaus Wekenmann zum Zunftmeister gewählt, auch er hatte damals nach dem großen Landschaftstreffen aufgehört. Doch davor stehen erst noch zwei schöne und interessante Fasnetszeiten bevor.

Das Landschaftstreffen ist ein gutes Stichwort. Es findet am 30. und 31. Januar nächstes Jahr statt. Wie intensiv sind bereits die Vorbereitungen?
Wir sind seit einem halben Jahr bereits mit den Planungen und den Vorbereitungen beschäftigt. Von allen 34 eingeladenen Zünften haben wir mittlerweile die Zusagen erhalten. Nun haben wir auch die Genehmigung für die Freinacht erhalten, also Stück um Stück fügt sich eines zum anderen. Aktuell warten wir noch auf eine Zusage vom SWRFernsehen. Was wir beim Landschaftstreffen, das alle neun Jahre in Aulendorf stattfindet, auf jeden Fall auch anbieten werden, sind die inklusiven Angebote für eine barrierefreie Fasnet, die wir dieses Jahr neu haben und erstmals ausprobieren.

Zurück zum diesjährigen Motto: Stammt das wieder vom stellvertretenden Zunftmeister Flo Angele?
Die Vorschläge für das jeweilige Motto kommen auch teilweise aus den Reihen unserer Hästräger und ulkigen Gruppen. Flo Angele nimmt die Ideen auf und ist sehr kreativ dabei, daraus ein Motto vorzuschlagen. Das letztjährige Motto Zoo ging auch auf die Idee eines Hästrägers zurück. Gespannt bin ich in diesem Jahr auch wieder, wie die Kinder das Motto umsetzen, welche Fabelwesen sie malen werden und am Wochenende bei ihrer Ausstellung im Zunftheim präsentieren.

Ein Höhepunkt wird erneut der Narrensprung am Fasnetssonntag sein. Mit wie vielen Zünften und Besuchern rechnen Sie?
Es sind neun Zünfte mit rund 1000 bis 1500 Hästrägern dabei. Auch die Waldseer Zunft ist im wechselnden Turnus in diesem Jahr wieder in Aulendorf mit dabei, vielleicht kommen sie ja schon mit 1000 (lacht). Besucher waren es in den vergangenen Jahren in der Regel zwischen 1500 und 2000.

Bericht: Schwäbische Zeitung Lokalausgabe Bad Waldsee 04.02.2020
Text: Karin Kiesel
Foto: Paulina Stumm

 

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