Schmuddelwetter kann die Sprunghexen in Ettenheim nicht stoppen

Das Narrentreffen in Ettenheim ist am Sonntagvormittag per Narrensprung eröffnet worden.
Viele Neugierige beobachteten das durchchoreographierte Treiben der Aulendorfer Hexen.

„Jo was saischt au“ skandierten rund 250 Maskierte kurz nach elf am Sonntagmorgen am Oberen Tor, und das närrische Volk am Straßenrand hatte handkehrum auch die Antwort drauf: „Eckhex hui“. Mit diesem verbalen Ritual, Fanfarenklänge und dem Einzug der Narrenzunft Aulendorf durchs Obere Tor in die Altstadt wurde die Ettenheimer Straßenfasent eröffnet.

Die Aulendorfer Hexen beim Narrensprung

Schmuddelwetter, eine Mischung zwischen Schneegraupel und Nieselregen, lag über der Stadt als sich eine Hundertschaft Neugieriger nahe dem Oberen Stadttor zum Spalier formierte, um den Auftakt des Narrentreffens mitzubekommen. Zum fünften Mal in Folge wurde die Straßenfasent mit dem Narrensprung einer Gastzunft von der Baar oder dem Bodenseeraum eröffnet.

Menschenpyramiden und akrobatische Einlagen

Während sich vor dem Tor die gewaltige Schar Maskenträger der Narrenzunft Aulendorf – Fetzle und Schnörkele in ihrem hellen Sackleinen Gewand und aufgereihten Laugenteilen am Brezelstab, Tschorre und Rätsch und die Eckhexen mit Besen, buntem Gewand und Kopftuch bestickt mit Tierkreiszeichenen – ihre Formation suchte oder sich mit Weinschorle auf den Einzug in die Stadt einstimmte, spekulierten die Menschen im Spalier noch über das Spektakel, das ihnen angekündigt war. Denn den Sprunghexen eilte der Ruf voraus, mit mächtigen Menschenpyramiden und akrobatischen Einlagen das Publikum am Straßenrand zu faszinieren.

 

Aulendorfer Fetzle beim Großen Umzug

Seit September ist die Gruppe von 20 bis 25 Sprunghexen in der Zunft im Training für die spektakulären Auftritte auf offener Straße. „Jedes Jahr studieren wir eine neue Choreografie ein,“ sagt Christian Scheffold, Chef der Truppe. Nicht alles, was im Herbst in der Turnhalle einstudiert wird, kann auf der Straße dann auch gezeigt werden. „Klar müssen wir uns auf die Witterungsverhältnisse einstellen. Wenn wir auf Eisplatten kommen, dann gehen hohen Pyramiden natürlich nicht. Und auch bei Regen ist unsere Choreografie weniger spektakulär“, erklärt Scheffold.

Seit Mitte der 1970er-Jahre gibt es die Gruppe der Sprunghexen als Teil der Eckhexen-Hästräger, die mit Handstandüberschlägen oder Kreuz- oder Schultersprüngen über von Hexen gebildeten Mauern setzen oder sich eben zu Menschenpyramiden auftürmen. Wenige Meter nach dem Einzug durchs Stadttor gibt die Truppe dann auch gleich eine erste Kostprobe: Eine sich auftürmende Mauer aus Hexenleiber wird mit Handstandüberschlag überwunden. Das Publikum am Straßenrand johlt und applaudiert und skandiert „Jo was saischt au – Eckhex hui“.

Aulendorf: 10 000 Einwohner und 2200 Hästräger

„Das wir unser Ritual hier als Narrensprung zeigen dürfen, ehrt uns sehr“, sagt derweil Paul Mock, stellvertretender Zunftmeister der Aulendorfer Zunft, die mit fünf Bussen angereist war. Aulendorf gilt als eine der Narrenhochburgen zwischen Ravensburg und Biberach. Das Städtchen hat knapp 10 000 Einwohner und 2200 Hästräger.

Paul Mock, stellv. Zunftmeister, der Narrenzunft Aulendorf

Mock selbst hatte übrigens den Kontakt zur Narrengesellschaft Hoorig gesucht, als er vor zwei Jahren die SWR-Übetragung vom Narrentreffen gesehen hatte. „Die Atmosphäre in der Altstadt hat uns so gut gefallen. Hier wird Brauchtum noch gelebt, da wollten wir gerne dabei sein“, sagt Mock. Bloß dabei sein, war dann aber nicht, die Zunft wurde von der Narrengesellschaft gleich für den Narrensprung beim Narrentreffen mit fast 4000 Hästrägern angeheuert.

 

Bericht: Badische Zeitung Lokalausgabe Ortenau 04.02.2019
Text: Klaus Fischer
 Fotos: Olaf  Michel

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