Narren verabschieden die Fasnet

Hemdglonker ziehen wehklagend zum Schloßplatz – Narrenbaum gefällt

Unter Wehklagen haben die Aulendorfer Narren am Dienstagabend die Fasnet verabschiedet. Als Hemdglonker verkleidet zogen die Fasnetsfreunde durch das Städtchen zum Schloßplatz, wo die Fasnet in Form einer Strohpuppe symbolisch gerichtet und verbrannt wurde. Unter den Blicken der Besucher fiel dann auch der Narrenbaum.

So sieht sie aus, kurz bevor sie in Flammen aufgeht, die Fasnet, die laut Narrenrichter „an allem Schuld“ ist.

Mit Fackeln und Laternen zogen die blass geschminkten Hemdglonker in ihren weißen Nachtgewändern und mit Schlafmützen und -hauben ausgestattet auf dem Schloßplatz ein. Für viele Aulendorfer gehört der Umzug und das anschließende Spiel um die Fasnet und den Narrenbaum fest dazu. „Wir sind jedes Jahr dabei“, sagte etwa Andrea Thaler, „das gehört als Abschluss einfach dazu, sonst begreift man morgen gar nicht, dass es vorbei ist.“ Noch am Nachmittag war Thaler beim Umzug in Tettnang mitgesprungen, nach dem Hemdglonkerumzug, so hoffte sie, werde sie noch ein Stück vom dann gefällten Narrenbaum abbekommen, „und einen Bändel, das ist ein Highlight.“

Doch bevor der Baum fiel, galt es noch, die Fasnet zu richten. Dazu rief Burggraf Andreas I. den Narrenrichter herbei, der alsbald die Verfehlungen der Fasnet verlas und ihr verschiedenstes zur Last legte: laut lästern, Kirche schwänzen, Mädchen anlügen, „Männer vernascha, und so machner hot sich nemme gwascha“. Unter dem Wehklagen der Narren verkündetet er sein Urteil: „Die Fasnet ist an allem schuld, drum wird das Seil jetzt abgespult“. Und während die Fasnet in Form einer Strohpuppe am Narrenbaum baumelnd unter Funken und Knallen in Flammen aufging, tanzten die Narren noch letztes Mal gemeinsam zum Aulendorfer Narrenmarsch um den Baum.

Auch dieser durfte, trotz des ein oder anderen Wunschs aus den Reihen der Zuschauer, nicht stehen bleiben, sondern wurde rasch gefällt. Kaum war der lange Baum auf dem Schlossplatz aufgeschlagen, rannten viele Narren zum Baum, um sich etwas Reisig, einen Bändel oder auch eine abgesägte Scheibe vom Narrenbaum 2018 als Andenken zu schnappen. „Der erinnert uns daran, dass wir eine schöne Fasnet hatten“, sagte etwa Ingrid Reitzel über ihren kleinen Zweig. Ab jetzt „goht’s dagega“.

Bericht: Schwäbische Zeitung Lokalausgabe Bad Waldsee 13.02.2018
Text und Foto: Paulina Stumm

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