Proben bis der Boden bebt

Bei der Hauptprobe für den Aulendorfer Zunftball gibt es Saitenwürstle, Kommandos und Geschwafel

In der noch unbestuhlten Stadthalle herrscht ein gemütliches Durcheinander. Draußen im Foyer warten bereits die Hofpagen in ihren schwarz-roten Kostümen. Es ist Donnerstagabend, die Hauptprobe für den Zunftball, bei der alle Mitwirkenden erstmals gemeinsam den Programmablauf üben, ist für 19 Uhr angesetzt.

Die Veranstaltungstechniker haben alle Hände voll zu tun bei der Hauptprobe zum Zunftball.

Mitten drin in der Halle steht ein Mischpult, mehrere Meter Spiegelwände, die noch beiseite geräumt werden müssen, wie Hallenmeister Markus Schwarz erklärt, stehen an der Seitenwand, weiter vorne sind Matten und Sportgeräte zu sehen. Von Hektik keine Spur. Vizezunftmeister Florian Angele, bei dem die Fäden zusammen laufen, ruft durch den Raum: „Wer macht den Burggraf? Und einen Zere (Zeremonienmeister) brauchen wir auch noch.“ Schnell sind zwei Kandidaten gefunden. Joachim Zimmermann als Zere hält statt dem Zeremonienstab einen Besenstiel in der Hand. Improvisation ist alles. Dann geht es los.

„Ohne Bla bla und weiteres Geschwätz“

Der Fanfarenzug marschiert ein, heute sind alle in Zivil, ein völlig ungewohntes Bild. Dafür ist die Musik gewohnt mitreißend und so klatschen etliche der Anwesenden auch gleich mit. Wobei die heutigen Zuschauer allesamt aus Mitwirkenden bestehen. Der Hofpagentanz wird zweimal geübt, dann ist Leiterin Sabrina Käser mit ihren Mädels zufrieden. Angele gibt die Anweisung „sobald der Fanfarenzug draußen ist, kommt ohne Bla bla und weiteres Geschwätz gleich der Narrenmarsch“. Links vor der Bühne ist ein Tisch aufgebaut, an dem Zimmermann und Jochen Albrecht Orden auspacken und Gutscheine für die Mitwirkenden bereit halten. Und während der Probe gibt es für alle Getränke und Saitenwürstle.

Aus den riesigen Boxen dröhnt plötzlich überaus laute Musik, der Bass bringt sogar den Boden zum Vibrieren. Derweil hüpfen zum Takt des Musikstücks hintereinander 16 Mädels Richtung Bühne. Zwei Mal wird das geübt, erst dann ist es „on Point“, wie eine der drei Trainerinnen erklärt. Auf der Bühne zeigt die Gruppe dann tolle Kunststücke, sowohl auf dem Pferd als auch am Boden. Danach teilt Angele mit, dass das Programm kurzfristig geändert wird, damit Musik- und Tanzeinlagen sich besser mischen. „Wir leben von den Änderungen“, sagt Hallenmeister Schwarz dazu völlig gelassen.

Völlig entspannt bleiben auch alle, als die Aufbauphase der nächsten Gruppe etwas länger dauert. Da wird hier ein Sportgerät zur Seite gerückt, dort noch eine Schraube angezogen. Aber dann geht die Post ab und die Halle bebt nicht nur vom Bass sondern auch vom Temperament der Mädels auf der Bühne, die passend zum diesjährigen Motto „Lasst uns eine grandiose Fasnet starten – in Aulendorfs Zoologischem Garten!“ ein köstliches Musikstück ausgewählt haben. Pssst, mehr wird nicht verraten, es wurde ja schließlich um größtmögliche Geheimhaltung gebeten.

Eigenkompositionen ansingen für den Mikrofontest

Apropos Musik, da gibt es mehrere Interpreten, die mit Eigenkompositionen schwäbisch unterwegs sind, die Titel in der Probe jedoch größtenteils nur ansingen, damit die Mikrofone eingerichtet werden können. So wie etwa bei „Bolly-Stop“, die auch wieder die Kappe dabei haben, und mehrmals zugerufen bekommen: „Kappa ra!“ Wohl nur was für Insider oder wird dies beim Zunftball aufgeklärt?

„Ich höre den Kai nicht“, ruft Michael Weißenrieder Björn von der Technik zu und ein Scherzkeks aus dem Saal erwidert lautstark, dass das vielleicht auch besser so sei. Großes Gelächter. Bei den „Aulendorfern“ und dem närrischen Ohrwurm haben die Tontechniker länger Arbeit, erst will das Mikrofon für Saxophon eins nicht, dann das für Saxophon zwei. Aber letztendlich ist das für die erfahrenen Veranstaltungstechniker kein Problem, auch wenn ein Pfeifton während des Abends zwischendurch einem beinahe das Trommelfell platzen lässt.

Fasnetslader schauen auch kurz vorbei

Die Fasnetslader erfreuen die Probenden zwischendurch mit einem Ständchen.

Zwischendurch kommen die Fasnetslader in voller Montur, spielen ein paar Lieder und sorgen damit für eine unfreiwillige Pause der Übenden. Alle freuen sich darüber. „Des isch scheee, wenn ihr zur Prob kommet, dann kriaget ihr glei no dr Jahresorden“, sagt Angele. Ein weiterer Auftritt sorgt zunächst für Irritation: saufende Giraffen, schwangere Elefanten und weiteres Getier, dazwischen der Moderator der Gruppe, der, vorsichtig ausgedrückt, totalen Unsinn ins Mikrofon schwafelt. Allerdings, die Gesichter der Umstehenden zeigen sich wenig erstaunte. Ob es wohl tatsächlich Leute gibt, denen diese seltsame Art von Humor gefällt? Die Aufklärung kommt prompt kurz vor Schluss: es war nur eine Sound- und Lichtprobe, der richtige Text wird erst beim Zunftball preisgegeben.

Bericht: Schwäbische Zeitung Lokalausgabe Bad Waldsee 23.02.2019
Text und Fotos: Claudia Buchmüller

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