Virtuelle Stubenfasnet trifft ins Schwarze

Tausende Aulendorfer Narren erleben einen amüsanten Abend

Bereits eine halbe Stunde vor Veranstaltungsbeginn war der Chat freigeschaltet, der von Maskenmeister Michael Weißenrieder vom Organisationsteam der ersten digitalen Aulendorfer Stubenfasnet moderiert wurde. Mit dem Narrenmarsch im Hintergrund nutzten viele Narren dies zur schriftlichen Begrüßung und warteten gemeinsam gespannt darauf, was der Abend bringen würde. Das Einzugsgebiet der Zuschauer, das sich weit über die Landesgrenzen erstreckte, war unerwartet groß. Neben bekannten Narrenorten der näheren Umgebung wurde der Livestream von Narren aus München, Offenburg, Freiburg, Tübingen bis ins Rheinland und die Schweiz verfolgt.

Die Moderatoren Flo Angele und Wolfgang Heyer bei der ersten Stubenfasnet der Narrenzunft Aulendorf. Beide Organisatoren waren per Schnelltest coronanegativ.

Als Studio diente die närrisch dekorierte Stube der Schlossbrauerei von Vizezunftmeister Flo Angele, der in seiner Eigenschaft als Comedian mit seinem Freund, dem Poetry- Slammer Wolfgang Heyer mit viel Wortwitz und humoristischen Einlagen durch das abwechslungsreiche Programm führte. Die Idee der Stubenfasnet kam übrigens von Heyer, wie Angele verriet. Nach den obligatorischen Grußworten, die in Form von Filmsequenzen eingespielt wurden, begrüßten die Moderatoren vor allem jene Narrenzünfte, die zum Landschaftstreffen eingeladen waren. Dessen coronabedingte Absage gab den Anlass, diese erste Stubenfasnet am vergangenen Samstag durchzuführen.

So reihte sich ein Höhepunkt an den anderen: Zum filmischen Ablauf der heimischen Fasnet, der nicht wenigen Zuschauern Tränen in die Augen trieb, wie im Chat zu lesen war, gesellten sich Brauchtumsvorführungen befreundeter Zünfte wie der Hausfasnet der Waldseer oder der Narrenzunft Obernheim. Auch der Film über den Gewinn des Närrischen Ohrwurms dürfte viele Fans der Einmannband2 gefreut und manche familiäre Schunkelrunde in der Stube eingeleitet haben. Eine schöne Geste war auch das Gastgeschenk der Dorausschreier in Form eines „Bonbon-Bomms“, der dann am Sonntagmorgen naschbereit auf dem Schlossplatz in Aulendorf stand. Den Moderatoren diente die Frage „Was macht Fasnet aus?“, die sie humorvoll ergründeten, als roter Faden durch den Abend. These 1: Fasnet ist Liebe. Dies bekräftigten sie mit mit gespielten Anmach- und Abfuhrsprüchen. Dass Fasnet sprachliche Kreativität bedeutet, belegte Slammer Heyer mit einem Bäcker-Rap.  Ergänzt wurde diese These durch ein Interview mit Schwaben- und Fasnetsfritz. Die Zuschauer in den Wohnzimmern waren per närrischen Quizfragen ins Programm mit einbezogen und mussten ein Lösungswort herausfinden. Viel Gelächter bescherten die Videoclips der Versprecher, die im Vorfeld für die Grußworte aufgezeichnet worden waren. Ein Zeichen, dass Fasnet (oder doch eher der Flo) verrückt ist, bewies Angele, als er vor laufender Kamera mit einer Sicherheitsnadel ein weiteres Ohrloch stach, Freund Wolfgang verneinte dieses Ansinnen dagegen energisch.

Zu guter Letzt zeigte die Narrenzunft ihr großes Herz (auch ein Bestandteil der Fasnet), indem sie die Übergabe von 500 Euro an die Stiftung der Krebsnachsorgeklinik Tannheim zusagte und die Zuschauer bat, nach Möglichkeit den Betrag mit Spenden aufzustocken. Dies ist online möglich unter www.tannheim.de/spenden/online-spende/ oder mit einer Bankübereisung -IBAN: DE53 6649 0000 0029 2929 22 mit dem Hinweis Narrenzunft Aulendorf. Hatte diese doch darauf verzichtet, für dieses gut zweieinhalbstündige Unterhaltungsfeuerwerk Eintritt in Form eines kostenpflichtigen Zugangscodes zu verlangen. Es sollte eine offene Veranstaltung ohne Kosten für die Zuschauer sein, erklärte Mitgliedswart Weißenrieder, der bei der Organisation von Paul Mock und Marc Michl von der Agentur Siedepunkt unterstützt wurde. Apropos Technik, bei manchen der über 3850 zugeschalteten Endgeräte, was annähernd 10 000 Zuschauer bedeuten dürfte, ruckelte ab und an der Livestream, wie zu lesen war. Dennoch gab es im Chat durchweg positive Resonanz und viele Dankesworte, wie beispielsweise „Also liabe Auladorfer Narrenzunft, ihr bringt uns ein bisle Fasnet in die Wohnzimmer, und lasst unser Herz höher schlagen. Dickes Lob für eure tolle Idee. Grüßle aus Oberndorf, Michael und Silvi“.

Bericht: Schwäbische Zeitung Lokalausgabe Bad Waldsee  01.02.2021
Text: Claudia Buchmüller

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