Hemdglonker verabschieden die Fasnet

Aulendorfer Narren ziehen nochmals durch die Stadt – Narrenbaum ist gefällt

Die Stimmung beim Abschied von der Fasnet? „Wie sagt man: ‚S goht drgega.“ Es geht schon wieder auf die Fasnet zu. Das sagt zumindest Corinna Scheffold, die mit zahlreichen anderen gut gelaunt beim Hemdglonker-Umzug in Aulendorf am frühen Dienstagsabend dabei gewesen ist. Ganz der Abschied ist es zu diesem Zeitpunkt auch noch nicht gewesen, folgten dem Umzug doch der letzte Tanz um den Narrenbaum, bevor die Fasnet verbrannt und der Baum gefällt wurde.

Elisabeth Weißenrieder (links) und Corinna Scheffold sind mit ihren Enkelinnen Lena und Emmi zum Hemdglonkerumzug gegangen.

Mit Laternen, Fackeln, Nachthemd, Schlafhose und -mütze – wenn nicht in weiß, dann passend zum Schal in den bunten Farben des Aulendorfer Eckhexentuchs – so sind die Hemdglonker durch Aulendorf gezogen. Unter ihnen auch Corinna Scheffold und Elisabeth Weißenrieder mit ihren Enkelinnen Emmi und Lena. Neben Bettfedern im Haar und aufgemalten Tränen auf dem weiß geschminkten Gesicht haben sie auch allerlei „Geräuschmacher“ mitgebracht, von Rasseln und Rätschen bis zum kleinen Handschellenbaum – den ein gewitztes Kind passenderweise als „Schellenzweig quasi“ vorstellt. Das Aulendorfer Fasnetsleben an die Enkel weiter zu geben, das sei schön und ihnen wichtig betonen diebeiden Omas.

 

Die Narrenrichter verlesen die Fehltritte der Fasnet. Das Urteil ist eindeutig: „Die Fasnet ist an allem schuld.“

Am Schlossplatz angekommen dauert es nicht lange, bis dort das Spiel beginnt. Die Narrenrichter erscheinen mit den Henkern. Aufgezählt werden allerlei Vergehen von laut lästern, aus der Flasche trinken, Mädchen anlügen, Männer vernaschen und mancher soll sich gar nicht mehr gewaschen haben. Das Urteil ist eindeutig: „Die Fasnet ist an allem schuld, drum wird das Seil jetzt abgespult.“ Zum Spiel dazu gehört nun auch, dass die Fasnet in Form einer menschengroßen Puppe aufgehängt und verbrannt wird – ein eindrücklich-schauriges Bild für das Ende der Fasnet. Und während die Puppe heuer erst beim zweiten Anlauf, dann aber unter lautem Geknalle von Feuerwerkskörpern in Flammen aufgeht, tanzen die Narren noch einmal um ihren Narrenbaum, dem es im Anschluss an den Kragen geht.

Während Bauhofmitarbeiter die Fällung vorbereiten, spannen ein paar Eckhexen die starken Seile und verhelfen dem Baum auch in diesem Jahr zu einem schnellen und sicheren Fall auf den Schlossplatz. Kaum liegt der Baum, stürmen die ersten Zuschauer herbei und schnappen sich ihren Teil vom Baum. Besonders beliebt sind Äste mit bunten Bändeln. Einen davon ergattert auch Klaus Schmid, der ihn seinen Kindern als Andenken an die Fasnet mitbringt: „Ein Zweig, damit die Fasnet wieder wachsen kann.“

Bericht: Schwäbische Zeitung Lokalausgabe Bad Waldsee 26.02.2020
Text und Fotos: Paulina Stumm

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