Häsrichten entwickelt sich zum Publikumsmagnet

Narrenzunft Aulendorf startete in die Ballfasnet – Häsrichter zaubern ein komödiantisches Feuerwerk

Die Narrenzunft Aulendorf startete am Samstag traditionell mit dem „Häsrichten“ in die Ballfasnet 2019. Zunftmeistervertreter Flo Angele freute sich über die volle Stadthalle und begrüßte scherzhaft „die 100 zahlenden und 300 geladenen Gäste“. Danach besuchte Maskenmeister Michael Weißenrieder die Originalmasken an ihrem Verbannungsort, dem Zauberberg. Begleitet von schauriger Musik forderte er sie auf, „ihr Häs herzurichten“ und versprach ihnen, bald den Bann zu lösen.

Maskenmeister Michael Weißenrieder besucht die Originalmasken am Verbannungsort und fordert sie auf, „ihr Häs herzurichten“.

Die Uraufführung des neuen Fasnetslieds „Auladorf zur Fasnetszeit“, getextet und komponiert von der EinMannBand2, Andreas Herkommer und Peter Baurmann, kam bei den Gästen gut an. Sie ließen sich nicht lange bitten, sondern sangen und klatschten begeistert mit. Mit Begeisterung wurde auch der Fanfarenzug empfangen, der die Ehrungen, die Angele auf der Bühne vornahm, jeweils mit einem kurzen Musikstück begleitete.

Der zweite Teil des Programms gehörte dann den Häsrichtern. „Des wär a Gschicht‘ für d‘ Häsrichter“ ist ein geflügeltes Wort in Aulendorf und wird oft mit „aber jo it“ oder noch schlimmer mit „dann bin i nemme dei Freund“ beantwortet. Dabei geht es um Begebenheiten und Missgeschicke von Aulendorfer Bürgern, die den Häsrichtern zugetragen werden. Die Häsrichter sind eine Gruppe von Narren, die aus diesen Geschichten alljährlich zum Auftakt der Ballfasnet ein komödiantisches Feuerwerk zaubern. Seit drei Jahren beweist die Gruppe um Maria Arnold und Britta Wekenmann nicht nur schauspielerisches Talent. Sie untermalen die gespielten Szenen zusätzlich mit umgetexteten, live gesungenen Liedern – Ansgar Wekenmann fertigt passende Karikaturen dazu.

Viel Applaus erhielten die Häsrichter (von links: Britta Wekenmann, Maria Arnold, Sandra Daiber, Carina Baur, Tina Heinemann und Irene Steinhauser) für ihr Feuerwerk in Wort, Gesang und Bild.

Mit Spannung wird jedes Jahr erwartet, welchen Spielort sich die Gruppe ausgesucht hat und natürlich, „wer dran kommt“. Als sich der Vorhang öffnete, blickten die Zuschauer in den Marmorsaal des Schlosses, wo in Kürze die Kostümführung mit Gräfin Paula stattfinden sollte. Wie konnte es auch anders sein, die Gräfin war verhindert und wurde von Maria Arnold vertreten. Diese Rolle war ihr auf den Leib geschneidert, nur ihr Outfit wollte nicht so recht dazu passen und bescherte schon ohne Worte die ersten Lacher.

An ihrem köstlichen fränkischen Dialekt, dem bruddligen Urschwäbisch von Hausmeister Bruno, dem Jugendsprachschatz der beiden Schlossführungsgäste und der maßregelnden Zofe Stein hätte jeder Sprachwissenschaftler seine Freude gehabt. 27 Geschichten, 16 Lieder und 25 Karikaturen später wusste das Publikum so Einiges, was die Betroffenen selbst lieber vergessen würden.Etwa über die Schnörkelesdemenz des Schultes, betreffend seines Hochzeitstages. Die Geschichten um einen falsch angeschlossenen Anrufbeantworter, der sich stets einschaltete, wenn die Türklingel betätigt wurde oder die kunstvoll mit einer 33 versehene Torte zum 34. Geburtstag. Das gelockerte Zölibat von Aulendorfs Pfarrer Anantham, entstanden durch einen Versprecher bei der Begrüßung anlässlich des Neujahrskonzertes, kam genauso aufs Tablett, wie die verfrühte Fahrt eines Marinechormitgliedes zum Konzert nach Lindau, das allerdings erst Tage später stattfand.

Die Waldseer kamen ebenfalls nicht ungeschoren davon. Hier wussten die Häsrichter von der falschen Einwechslung eines Spielers beim Relegationsspiel und dem darauf erfolgten Abstieg zu berichten. An Dramaturgie nicht mehr zu überbieten war die Schilderung einer nächtlichen Autofahrt. Hier wurde es mucksmäuschenstill im Saal, bis zur erlösenden Erklärung von Hausmeister Bruno, dass es sich beim überfahrenen Objekt um eine Plastiktüte gehandelt hat.

Zum Abschluss hatte sich die Truppe etwas Besonderes einfallen lassen. Alle Betroffenen, die durch ihre Missgeschicke mehr oder weniger freiwillig zum Programmpunkt wurden, bekamen einen Häsrichterorden und alle zusammen wohlverdienten, langanhaltenden Applaus. Den Schlusspunkt des Programms setzte Angele, der Vertretern der Aulendorfer Jugendfeuerwehr 555,55 Euro übergab. Der Betrag kam zustande, weil beim jährlichen Zunftmeisterempfang keine Gastgeschenke mehr verteilt werden.

Bericht: Schwäbische Zeitung Lokalausgabe Bad Waldsee 28.01.2019
Text und Foto: Claudia Buchmüller

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