Kategorie: Berichte

Fasnetsschal wärmt seit 45 Jahren Aulendorfer Narren

Die „Roten“ warten nach dem Narrensprung in Bad Waldsee an der Ampel auf Grün (Aulendorfer Zunfträte am 11.02.2013)

Wer kennt ihn nicht, den Aulendorfer Fasnetsschal in den Farben der geringelten Eckhexenstrümpfe? Hier die Entstehungsgeschichte: Punktgenau zum Fasnetsauftakt am 11. November 1975 bekam der damalige Zunftmeister Waldemar Münst, liebevoll Zunfti genannt, das erste Exemplar samt passendem Gedicht überreicht. Die Idee dazu hatten der damalige Hofnarr Helga Wekenmann und Ehemann Klaus (ein Vierteljahrhundert später selbst Zunftmeister). Eine dicke Erkältung von Münst während der Fasnet war der Auslöser und so endete das Gedicht bei der Übergabe denn auch mit der Strophe „Bleib g‘sund, gang nie ohne Schal aus em Haus, des wünschet mit „was saischt au“, Dir Helga und Klaus. Das Beispiel machte Schule und auch die Zunfträte erkannten die Vorteile eines solchen „Halswärmers“ und einer nach dem anderen wünschte sich einen solchen Schal. Bald gehörte er zur Zunftratsausstattung. Wie viele Schals Helga strickte, lässt sich nicht mehr feststellen, auf jeden Fall wurde auch Minister Rudi Köberle und weiteren Promis die Ehre zuteil, einen solchen zu bekommen. Dass die Resonanz bei allen Aulendorfer Narrenfreunden so groß sein würde, hätte am Martinstag 1975 niemand erwartet. Heute gehört er quasi zum närrischen Outfit bei Zuschauern und Mäschkerle – Hoffen wir, dass er bald wieder zum Einsatz kommt, der Narrenschal. Das Foto zeigt die „Roten“ die nach dem Narrensprung in Bad Waldsee am 11. Februar 2013 an der Ampel stehen und auf Grün warten.

Bericht: Schwäbische Zeitung Lokalausgabe Bad Waldsee 11.11.2020
Text und Foto: Buchmüller

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Aulendorfer Fasnet: Zunft plant ohne Umzüge und Bälle

Brauchtumsveranstaltungen wie Maskenbeschwörung sollen nach Möglichkeit in abgespeckter Form stattfinden

 Mit der Absage des närrischen Frühschoppens am 11.11. hat die Narrenzunft auf die aktuellen Umstände reagiert, die traditionsreiche Zusammenkunft (gleichzeitig Geburtsstunde des Vereins) zum Start in die Fasnetssaison fällt in diesem von der Corona-Pandemie geprägten Jahr aus (SZ berichtete). Das wird nicht der einzige Einschnitt in das gewohnte Fasnetstreiben in Aulendorf bleiben. Wie steht es um die weiteren Planungen für die anstehende Fasnet? Die SZ hat bei Zunftmeister Rolf Reitzel nachgefragt.

Eckhexe auf Schmusekurs: Umzüge wird es in Aulendorf zur Fasnet im nächsten Jahr nach jetzigem Stand nicht geben. ARCHIVFOTO: DPA/FELIX KÄSTLE

Demnach will die Zunft versuchen, die Brauchtumsveranstaltungen wie die Maskenbefreiung am Hexeneck oder das Narrenbaumstellen gemäß den geltenden Regelungen in abgespeckter Form umzusetzen. Umzüge am Gumpigen Donnerstag sowie am Fasnetssonntag soll es jedoch nicht geben. Außerdem gestrichen werden Bälle in der Stadthalle und sonstige Partys. Sollte sich das Infektionsgeschehen überraschenderweise bis zur Hochfasnet wieder beruhigen und entsprechende Menschenansammlungen erlaubt werden, will die Zunft die Fasnet wie gewohnt feiern.

Davon geht Zunftmeister Reitzel zum derzeitigen Stand jedoch nicht aus. Jedoch wolle die Narrenzunft Aulendorf die Fasnet nicht komplett streichen, denn schließlich sei Brauchtum gerade auch Krisenzeiten wichtig und es handele sich um fest in der Bevölkerung verankerte Traditionen. „Die Fasnet ist auch wegen des Coronavirus nicht totzukriegen“, so Reitzel, zur Not werde eben im kleinen Familienkreis eine Hausfasnet gefeiert. „Dann kann man immerhin den Narrenmarsch gemeinsam singen.“

Auch wenn die Narrenzunft davon überzeugt ist, dass die Fasnet in irgendeinem möglichen Rahmen stattfinden soll, betont Reitzel, dass der Infektionsschutz und die Gesundheit der Menschen Priorität habe. Daher wolle die Zunft im Narrenboten auch an die Vernunft aller Mitglieder appellieren, sich gemäß der geltenden Regeln zu verhalten und das Infektionsrisiko stets im Blick zu behalten. Darüber hinaus bleibe abzuwarten, wie sich das Pandemiegeschehen entwickle und welche weiteren Maßnahmen die Politik ergreife, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen. „Was dann zur Fasnetszeit sein wird, kann man jetzt noch nicht sagen. Es ist viel einfacher, eine normale Fasnet zu planen, als in der derzeitigen Situation.“ Reitzel verwies in diesem Zusammenhang auf die Telefonkonferenz zwischen Kanzlerin Angela Merkel und den Ministerpräsidenten am Mittwoch (es wird eine drastische Verschärfung der Corona-Maßnahmen erwartet).

Aktuell sehen die bisherigen Überlegungen der Aulendorfer Narrenzunft so aus: Das Häsrichten soll (wenn überhaupt) später stattfinden und zeitlich näher an die Hochfasnet rücken. In der Stadthalle wird es nach Angaben von Reitzel „sicher nicht“ stattfinden, eventuell im Kursaal. Aber die Entscheidung werde erst Anfang Januar gefällt, abhängig vom Infektionsgeschehen und den zu dem Zeitpunkt geltenden Regeln. Was die Brauchtumsveranstaltungen betrifft: Hier sucht die Zunft laut Reitzel „massiv nach Lösungen“,wie und in welchem Rahmen sie stattfinden können. So soll in der Idealvorstellung der Zunft die Maskenbeschwörung am Hexeneck stattfinden und auch „die Amtsund Schlüsselgewalt wollen wir haben“. Weiterhin habe die Zunft vor, die Grundschulkinder sowie die Schüler der fünften und sechsten Klassen des Schulzentrums zu befreien und mit den Kindern den Narrenbaum zu stellen. Ob dies klappt, ist jedoch angesichts der derzeitigen Pandemielage mehr als ungewiss. Am Fasnetsdienstag solle nach dem Hemdglonkerumzug direkt die Amts- und Schlüsselgewalt zurückgegeben und die Masken verbannt werden. Alle diese Veranstaltungen sollen nach Wunsch der Zunft in abgespeckter Form und pandemiegerecht stattfinden. Wie das aussehen könnte und ob das überhaupt möglich ist – das steht nach Angaben von Reitzel noch alles in den Sternen. „Wenn für Veranstaltungen 100 Leute oder weniger im Freien erlaubt sind, müssen wir es sein lassen, dann sehe ich schwarz.“ Schon alleine der Zunftrat besteht aus 53 Narren.

Daher zieht die Zunft auch kreative Lösungen in Betracht und überlegt in alle Richtungen, wie der Zunftmeister weiter erläutert. So sei auch ein Gedanke eine Video- Live-Übertragung, falls keine Zuschauer erlaubt seien. Das hänge jedoch vor allem davon ab, wie teuer so etwas werde. Laut Reitzel laufen diesbezüglich bereits Anfragen. Allerdings geht er davon aus, dass es bezüglich der Fasnet ohnehin noch „klare Ansagen“ vom Land geben werde und eventuell sogar auch gar nichts erlaubt sein könnte.

Das Fasnetsmotto für 2020 steht in jedem Fall jedoch bereits fest: „Du musch nix kaufa und nix baschtla –nimm’s Beschte aus em Fasnetskaschta“ (gab es schon einmal 2016). Denn egal, ob eine Fasnet gefeiert werden kann oder nicht, abschaffen könne man sie ohnehin nicht ganz, wie Reitzel ausführt. Denn die Narren tragen die Fasnet im Herzen und das auch, wenn nicht außerhalb der vier Wände der fünften Jahreszeit gefrönt werden kann. Reitzel vermutet, dass am Gumpigen trotz der Absage des Umzug dennoch Mäschkerle auf der Straße unterwegs sein werden. „Einsperren kann man sie nicht. Aber wir als Zunft werden nichts organisieren.“

Für Reitzel selbst ist es die letzte Fasnet als Zunftmeister, danach gibt er sein Amt ab. Aber nicht nur deswegen ist es ihm wichtig, dass die Fasnet „trotz Pandemie in irgendeiner abgeänderten Form“ stattfindet. „Einmal Sparflamme ist ok, aber über vier bis fünf Jahre ist ein Problem.“ Schon jetzt sei es für alle Vereine schwer, Nachwuchs zu finden und Jugendliche für Ehrenamt oder Brauchtum zu gewinnen. „Heute zählt nur das Smartphone“, kritisiert Reitzel. Damit das Vereinsleben und auch Brauchtum erhalten bleiben und nicht aus der Gesellschaft wegbricht, könne nicht einfach alles abgesagt oder auf alles dauerhaft verzichtet werden.

Bericht: Schwäbische Zeitung Lokalausgabe Bad Waldsee 29.10.2020
Text: Karin Kiesel
Bild: DPA/Felix Kästle

 

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Narrenzunft sagt Närrischen Frühschoppen am 11.11. ab

Grund dafür sind die steigenden Fallzahlen der Corona-Infektionen sowie die derzeit geltenden Abstands- und Hygienevorschriften

 Der Närrische Frühschoppen der Narrenzunft Aulendorf am 11.11. im Ritterkeller findet nicht statt. Grund sind die steigenden Zahlen der Corona-Infektionen, die wachsende Unsicherheit in der Bevölkerung und die aktuelle Gesetzeslage, wie die Narrenzunft am Dienstag in einem Schreiben mitteilte.

Aufgrund dieser Tatsachen sehe sich die Narrenzunft Aulendorf nicht in der Lage, den Närrischen Frühschoppen am 11.11., gleichzeitig die Geburtsstunde des Vereins, so zu feiern, wie es die Aulendorfer Narren gewohnt seien. „Ohne Musik und Gesang, auf festen Sitzplätzen und mit 1,5 Metern Abstand zueinander“ könne kein fröhlicher Frühschoppen gefeiert werden, teilte Zunftmeister Rolf Reitzel in dem Schreiben mit. „Das hat keinen Sinn und macht auch keinen Spaß“, betonte der Zunftmeister auf SZ-Nachfrage. Die Absage sei bedauerlich, aber derzeit unumgänglich. Vor allem, da besonders das Singen des Narrenmarschs fester Bestandteil der Veranstaltung sei und dies bei den Aulendorfer Narren auch „im Blut liegt“, sei der Närrische Frühschoppen unter den derzeit geltenden Regeln (aktuell ist gemeinschaftliches Singen verboten) keine gute Idee.

Der 11.11. gehört zum traditionellen Jahresablauf der Aulendorfer Narren. Schon Ende des 19.  Jahrhunderts sei nach Angaben der Narrenzunft der Närrische Frühschoppen an Martini um 11 Uhr 11 gefeiert worden. Genau am 11.11. wurde 1949 zudem auch der Verein „Narrenzunft Aulendorf e.V.“ gegründet, die Zunft feiert 2020 also ihren 71. Geburtstag. Zudem wird beim Närrischen Frühschoppen normalerweise der Hofstaat inthronisiert und das offizielle Fasnetsmotto für die Saison bekannt gegeben. Die kommende Fasnet wird jedoch aufgrund der Corona- Pandemie nur in abgespeckter Form stattfinden. Mehr dazu lesen Sie in den kommenden Tagen in der „Schwäbischen Zeitung“.

Bericht: Schwäbische Zeitung Lokalausgabe Bad Waldsee 28.10.2020
Text: Karin Kiesel

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„Aulendorf wird kein Ischgl II“

Zunftmeister Rolf Reitzel erklärt die Absage des Landschaftstreffens 2021

 Die Narrenzunft Aulendorf hat das Landschaftstreffen Oberschwaben/Allgäu abgesagt. Das große Narrentreffen hätte vom 30. bis 31. Januar 2021 in Aulendorf mit bis zu 15 000 Besuchern, darunter die Hästräger von mehr als 30 Zünften der Vereinigung Schwäbisch- Alemannischer Narrenzünfte (VSAN), stattfinden sollen. Paulina Stumm hat mit Zunftmeister Rolf Reitzel darüber gesprochen, wie es zu der Entscheidung kam, was die Absage finanziell für die Zunft bedeutet und wie er persönlich damit umgeht, dass seine Zeit als Zunftmeister ohne Landschaftstreffen endet.

Zunftmeister Rolf Reitzel

Herr Reitzel, wann und wie ist die Entscheidung gefallen?
Wir haben am 3. Juli wieder die erste Sitzung mit dem geschäftsführenden Zunftrat machen dürfen. Da hat jeder seine Einschätzung abgegeben, ob er das Landschaftstreffen 2021 für durchführbar hält. Es kamen ganz kontroverse Statements, aber am Ende war klar, es bleibt uns wohl nichts anderes übrig, als es abzusagen. Die Entscheidung ist letztendlich aber erst bei der Zunftratssitzung jetzt am Montagabend gefallen. Die überwältigende Mehrheit hat für die Absage gestimmt. Von den Anwesenden waren nur drei dagegen, und zwar, weil ihnen der Zeitpunkt zu früh war, sie hätten gerne noch ein paar Wochen gewartet.

Offiziell gibt es noch keine Vorgaben zu Großveranstaltungen im Januar. Warum die Absage zum jetzigen
Zeitpunkt?
Wir kommen jetzt in die Phase, wo wir richtig Geld hätten in die Hand nehmen müssen. Wir hatten den Hoteliers, die ja ihre Unterkünfte für unsere Gäste reserviert haben, versprochen, ihnen Ende Juli Bescheid zu sagen, welche Zünfte mit wie vielen Leuten anreisen. Die wollten wir nicht länger hinhalten. Oder beispielsweise auch Pins und Orden: Es macht keinen Sinn, für 8000 Euro welche zu bestellen, die man dann nicht braucht. Und dann ist es auch nicht die Zeit, irgendeinen Geschäftsmann für ein Sponsoring anzusprechen, die wissen ja selber gerade nicht, wie es weitergeht. Aber Geld war auch nicht die Hauptfrage.

Sondern?
Wie können wir die Abstandsregelung und Hygienevorgaben umsetzen, sodass die Besucher hinterher sagen: Das war schön. Stand heute sind Großveranstaltungen bis mindestens Ende Oktober verboten. Und selbst, wenn sie danach in irgendeiner Form wieder erlaubt sind, gibt so viele Dinge, bei denen wir nicht wissen, wie die Vorgaben sehen würden: Wie viele Toilettenwagen brauchen wir, wie viel Security, wie viele Menschen dürfen ins Zelt? Und dann ist es ja auch die Frage: Wer kommt dann überhaupt? Oder bekommen wir eine zweite Welle? So können wir es einfach nicht wagen. Aulendorf wird kein Ischgl II.

Wie geht es Ihnen und der Zunft mit der Absage?
Wir haben so viele Stunden, Herzblut und Mühe reingehängt. Wir sind da ja schon seit vorletztes Jahr dran. Die Stimmung ist …, ich sag mal so, die Versammlung am Montagabend hat sich schnell verabschiedet – und das hatte nicht nur mit dem Corona- Abstand zu tun. Ich persönlich fühle mich gut, dass wir es jetzt entschieden haben. So schwer es uns gefallen ist, für mich ist jetzt auch Druck weg. Aber es ist unendlich schade. Und für manchen, der sich über die Maßen reingehängt hat, ist auch ein Lebenstraum zerplatzt.

Wie weit war die Zunft denn mit der Vorbereitung?
Es war im Groben fertig geplant. Wir hatten Zusagen von allen 34 eingeladenen Zünften. Mein  stellvertretender Zunftmeister Paul Mock hatte es geschafft, Zünfte zu uns zu holen, die schon ewig nicht mehr bei uns waren. Es war klar, wer welche Brauchtumsvorführung macht, welche Musik dazukommt. Die Narrenmessen waren besprochen, die Hotels geblockt, die Ehrengäste eingeladen. Wir hatten 500 Strohballen bestellt, weil der SWR eine Live-Übertragung zugesagt hatte. Ohne Corona  aushätten wir den Feinschliff noch intensiver gemacht, aber unsere Planung war aktuell. Am Anfang von Corona dachten wir ja alle noch, bis nächstes Jahr im Januar ist das vorbei.  Für mich persönlich war die Absage des Weihnachtsmarkts in Triberg, und als Sozialminister Lucha sagte, dass er die Fasnet als extrem gefährdet sieht, der Punkt, wo mir klar wurde: Das wird sehr schwierig.

Was bedeutet die Absage für die Narrenzunft finanziell?
Wir haben noch nicht viel Geld in die Hand nehmen müssen. Riesenverluste werden wir wegen der Absage nicht haben. Wir hatten mit Kosten von rund 40 000 Euro gerechnet. Mit den Corona-Auflagen wäre das gar nicht abschätzbar gewesen. Es hätte viel Geld gekostet, aber wir haben natürlich gehofft, dass wir auch etwas damit verdienen. Wir haben etwas Rücklagen angelegt für das Landschaftstreffen, sodass wir bei einem Totalausfall keine 40 000 Euro Kredit hätten aufnehmen müssen.

Wie geht es denn jetzt in der Sache weiter?
Wir schreiben jetzt gerade die eingeladenen Zünfte an und informieren sie über die Absage. Dann werden wir auch alle anderen, die wir eingeladen haben, informieren. Und mit der Brauerei, die uns das Bier geliefert
hätte, müssen wir sprechen. Sonst gibt es eigentlich nichts mehr zu erledigen, wir haben noch keine Verträge abgeschlossen, die wir kündigen müssten.

Kann Aulendorf hoffen, in 2022 dasLandschaftstreffen ausrichten zu dürfen?
Das ist jetzt schon ausgeschlossen. Es wird sicher nicht 2022, 23 und 24 sein. 2022 richtet die Saulgauer Narrenzunft das Landschaftstreffen aus – sie hatten das Jahr mit uns getauscht, ursprünglich wären sie 2021 an der Reihe gewesen. Und auch für das Jahr 2023 ist die ausrichtende Zunft bereits in den Vorbereitungen. 2024 wird dann 100 Jahre Schwäbisch- Alemannische Vereinigung gefeiert, voraussichtlich in Weingarten. Ob wir danach tauschen könnten, weiß ich nicht. Planmäßig sind wir erst 2031 wieder dran.

Bedeutet die Absage des Landschaftstreffensauch, dass es 2021gar keine Fasnet in Aulendorf geben wird?
Nein, die sagen wir damit nicht ab. Da sind wir ganz klar: Wenn nicht jeder daheimbleiben muss, weil Aulendorf unter Quarantäne steht, dann wollen wir auf jeden Fall unsere Brauchtumsveranstaltungen machen.  Wir sprechen auch noch nicht von einer Absage von Bällen, da müssen wir schauen, was wir dann dürfen. Ich will nicht als Zunftmeister aufhören, und dann war nicht mal Fasnet.

Für Sie hätte das Landschaftstreffen auch der Abschluss ihrer aktiven Zunftzeit sein sollen …
Ich gebe trotz allem nach der Fasnet 2021 an einen Nachfolger, der dann zu wählen ist, ab. Es gibt jemand, der Zunftmeister werden will. Ich bin jetzt seit 1973 ununterbrochen bei der Fasnet dabei, das sind 47 Jahre, irgendwann darf man auch sagen: Jetzt ist es gut.

Bericht: Schwäbische Zeitung Lokalausgabe Bad Waldsee 30.07.2020
Text: Paulina Stumm

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Hemdglonker verabschieden die Fasnet

Aulendorfer Narren ziehen nochmals durch die Stadt – Narrenbaum ist gefällt

Die Stimmung beim Abschied von der Fasnet? „Wie sagt man: ‚S goht drgega.“ Es geht schon wieder auf die Fasnet zu. Das sagt zumindest Corinna Scheffold, die mit zahlreichen anderen gut gelaunt beim Hemdglonker-Umzug in Aulendorf am frühen Dienstagsabend dabei gewesen ist. Ganz der Abschied ist es zu diesem Zeitpunkt auch noch nicht gewesen, folgten dem Umzug doch der letzte Tanz um den Narrenbaum, bevor die Fasnet verbrannt und der Baum gefällt wurde.

Elisabeth Weißenrieder (links) und Corinna Scheffold sind mit ihren Enkelinnen Lena und Emmi zum Hemdglonkerumzug gegangen.

Mit Laternen, Fackeln, Nachthemd, Schlafhose und -mütze – wenn nicht in weiß, dann passend zum Schal in den bunten Farben des Aulendorfer Eckhexentuchs – so sind die Hemdglonker durch Aulendorf gezogen. Unter ihnen auch Corinna Scheffold und Elisabeth Weißenrieder mit ihren Enkelinnen Emmi und Lena. Neben Bettfedern im Haar und aufgemalten Tränen auf dem weiß geschminkten Gesicht haben sie auch allerlei „Geräuschmacher“ mitgebracht, von Rasseln und Rätschen bis zum kleinen Handschellenbaum – den ein gewitztes Kind passenderweise als „Schellenzweig quasi“ vorstellt. Das Aulendorfer Fasnetsleben an die Enkel weiter zu geben, das sei schön und ihnen wichtig betonen diebeiden Omas.

 

Die Narrenrichter verlesen die Fehltritte der Fasnet. Das Urteil ist eindeutig: „Die Fasnet ist an allem schuld.“

Am Schlossplatz angekommen dauert es nicht lange, bis dort das Spiel beginnt. Die Narrenrichter erscheinen mit den Henkern. Aufgezählt werden allerlei Vergehen von laut lästern, aus der Flasche trinken, Mädchen anlügen, Männer vernaschen und mancher soll sich gar nicht mehr gewaschen haben. Das Urteil ist eindeutig: „Die Fasnet ist an allem schuld, drum wird das Seil jetzt abgespult.“ Zum Spiel dazu gehört nun auch, dass die Fasnet in Form einer menschengroßen Puppe aufgehängt und verbrannt wird – ein eindrücklich-schauriges Bild für das Ende der Fasnet. Und während die Puppe heuer erst beim zweiten Anlauf, dann aber unter lautem Geknalle von Feuerwerkskörpern in Flammen aufgeht, tanzen die Narren noch einmal um ihren Narrenbaum, dem es im Anschluss an den Kragen geht.

Während Bauhofmitarbeiter die Fällung vorbereiten, spannen ein paar Eckhexen die starken Seile und verhelfen dem Baum auch in diesem Jahr zu einem schnellen und sicheren Fall auf den Schlossplatz. Kaum liegt der Baum, stürmen die ersten Zuschauer herbei und schnappen sich ihren Teil vom Baum. Besonders beliebt sind Äste mit bunten Bändeln. Einen davon ergattert auch Klaus Schmid, der ihn seinen Kindern als Andenken an die Fasnet mitbringt: „Ein Zweig, damit die Fasnet wieder wachsen kann.“

Bericht: Schwäbische Zeitung Lokalausgabe Bad Waldsee 26.02.2020
Text und Fotos: Paulina Stumm

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Premiere mit dem inklusiven Umzug in Aulendorf

Tausende Narren und Ulkgruppen strömen zwei Stunden lang durch die Stadt

Stürmisches Wetter zog am Sonntagnachmittag über Aulendorf hinweg. Dies hatte den Vorteil, dass es von oben her trocken blieb und so konnte sich die Aulendorfer Narrenzunft auch dieses Jahr wieder über einen sehr starken Zuschauerzustrom freuen. Ein Grund dürfte sicherlich der barrierefreie und inklusive Umzug sein, der schon im Vorfeld der Fasnetsveranstaltung für Schlagzeilen gesorgt hatte.

Zu Gast aus Tettnang: die Hopfennarren

Zum bunten Treiben in der Stadt gehörten auch die rund 30 Gehörlosen die aus ganz Oberschwaben zusammen gekommen waren, um gemeinsam einen Umzug anzuschauen. Wie all die Jahre zuvor wurde das Umzugsgeschehen von Michael Weißenrieder moderiert – eine kurzweilige und informative Moderation, die jetzt zum ersten Mal simultan in die Gebärdensprache übersetzt wurde.

Walter Karg, selber schwerhörig, leitet einen Gehörlosenverein in Friedrichshafen. „Als wir von dem Simultandolmetschen erfahren haben, war das für uns ein willkommenes Angebot, einmal gemeinsam auf einen Fasnetsumzug zu gehen“ erklärt er. Gegenüber der Gruppe stehen auf dem Tribühnenwagen Isolde Drössel und Elli Schob die während des knapp zweistündigen Umzugs unentwegt das Gehörte in die Genärdensprache übersetzen. „Das war ziemlich anstrengend“ erklärt Schob im Gespräch mit der „Schwäbischen Zeitung“, „denn man muss schnell sein, damit die Gehörlosen zusammen mit den anderen Leuten lachen können, oder rechtzeitig Applaus spenden können“. Für die Narrensprüche und den Aulendorfer Narrenmarsch war etwas Vorbereitung nötig, aber neue Gebärden mussten für die Fasnet nicht erfunden werden. Eine Übersetzung der Narrensprüche brauchte es nicht nur für die heimischen Eckhexen, Fetzle, Schnörkele, Tschore und Rätschen, sondern natürlich auch für die neun Gastzünfte die im Umzugsverlauf für Abwechslung sorgten.

Gäste von überall her kamen nach Aulendorf.

Aus der Nachbarstadt Bad Waldsee grüßten die Narrenzunft mit einem kräftigen AHA, die Altshauser klangen ähnlich aber doch anders, nämlich O-HAAA. Eher als Zungenbrecher gilt das „Schelle, schelle – Schell – au“ aus Wangen und auch beim Stoinabacher „Bobbele, Bobbele – Stoninabach“ gilt es aufzupassen. Ein kurzes knackiges „Kügele – Hoi“ ruft man in Ehingen und mit „Montfort – Jehu“ grüßen die Tettnanger Narren. Die Marbacher Narrenzunft grüßt mit „Fell – Lädsche“, die Bomser rufen „Kellergoischdr“ und in Zollenreute heißt es „Zolli Zolli – Rugg Rugg“. Dem stehen die rund 30 Ulkgruppen in nichts nach, die sich speziell für den Umzug sinnvolle und sinnlose Sprüche einfallen lassen.

Farbenfrohe Kostüme.

Um den närrischen Bandwurm nicht nur zu hören, sondern auch zu sehen bedarf es natürlich einer freien Sicht auf das Umzugsgeschehen. Doch als Rollstuhlfahrer in der zweiten Reihe geht das eben nicht mehr, erklärt Franz Kemper am eigens geschaffenen Rolliplatz. Damit das mit der ersten Reihe klappt, dafür sorgt Eric Buraty von der Narrenzunft. Doch die Resonanz auf das Angebot ist verhalten. Fünf Rollifahrer, die überwiegend aus der benachbarten Senioren-WG am Schlossplatz gekommen sind, freuen sich am Angebot, erklärt ihr Begleiter Andreas. Die Zünfte haben es aber sehr wohl registriert, denn die Gutzle und Geschenkeausbeute bei den Rollifahrern ist enorm.

Die Premiere der integrativen Fasnet ist vor allem bei den Gehörlosen sehr gut gelungen. Das Angebot für die Rollifahrer war noch nicht überall bekannt, wie man anhand der vielen Rollstühle zwischen den Zuschauerreihen sehen konnte.

Bericht: Schwäbische Zeitung Lokalausgabe Bad Waldsee 24.02.2020
Text und Fotos: Dietmar Hermanutz

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Narren befreien Schüler und stellen ihren Baum

In den Schulen und auf dem Schlossplatz ging es hoch her

Die Narren haben in Aulendorf vollständig die Macht übernommen. Fröhlich, bunt, fetzig und friedlich – so wurde am Vormittag der Gumpige gefeiert. Los ging es am Morgen mit der Befreiung der Schüler in der Grundschule und am Schulzentrum, bevor auf dem Schlossplatz der Narrenbaum gestellt wurde. Pünktlich zu diesem Ereignis kam die Sonne hervor.

Schülerbefreiung am Aulendorfer Schulzentrum.

Kurz vor 10 Uhr läuteten Kanonenschläge auf dem Schulhof des Schulzentrums den Sturm der Narren ein. Silke Hubig, Leiterin des Gymnasiums, und Claudia Kösler, stellvertretende Leiterin der Schule am Schlosspark, hatten keine Chance. Sie wurden gefangen genommen und entmachtet. Schulleiter Christof Lang hatte Glück, ihm ging es nicht so schlimm an den Kragen, da er mit der Schülerband „Starke Töne“ während der Befreiung in der Aula für Stimmung sorgte. Anschließend ging es in einem kleinen Umzug zum Schlossplatz.

 

Schwellköpfe am Umzugsweg

Die ebenfalls befreiten Grundschüler waren da noch auf dem Weg und genossen den Gutsleumzug zum Schlossplatz. Für Begeisterung bei den Kindern sorgten auf dem Umzugsweg wieder die Schwellköpfe, die aus den 50er-Jahren stammen und bereits seit 2018 wieder mit dabei sind. Sie verteilten entlang der Straße und aus geöffneten Fenstern Gutsle, Brezeln und Würstle an die Kinder – auch von Hausdächern und vom Schlossbalkon herunter schmissen sie ihre begehrten Spezialitäten. Auf dem Schlossplatz angekommen bewachten Eckhexen die gefangene Grundschul- Konrektorin Petra Guddat (im Weihnachtsmann-Häs).

 

Narrenlochsucher am Werk.

Höhepunkt des Vormittags war das Narrenbaumstellen, das wieder süffisant moderiert vom stellvertretenden Zunftmeister Florian Angele ein lustiges Spektakel war. Ohne die Narrenlochsucher – und mit Guido samt seinem Narrenlochbohrer – ein unmögliches Unterfangen. Doch nach einer Weile gelang es den Suchern unter Anfeuern der Kinder und zum Erstaunen von Angele dann doch noch, das Narrenbaumloch zu finden.

In Etappen stellten die Zimmermänner den prächtigen Baum. Für musikalische Unterhaltung sorgten zwischendrin die Schalmaien, die Schülerkapelle „Starke Töne“, die Krachkapelle und die Lumpenkapelle Schindelbach-Zollenreute. Und dann, siehe da, war es geschafft. Der Baumstamm passte prima ins Loch. Zur Freude tanzten kleine und große Narren ausgelassen um den Baum.

Burgraf Andreas I. (Andreas Herkommer) wurde mit Haribo aufgewogen.

Ein süß-närrisches Treiben bot sich gleich im Anschluss, als Burggraf Andreas I. in seinem Polstersessel mit Gummibärchen aufgewogen wurde. Eine amüsante und wohlschmeckende Angelegenheit für die Kinder.

So war der Vormittag wieder rundum gelungen, und passend zum Fasnetsmotto „Fabelwelten der Magie“ gab es viele bunte Häser zu bestaunen – Feen, Zauberer, Wikinger, Hexen, aber auch Clowns und alle möglichen Tiergestalten säumten die Schulen und den Schlossplatz.

 

 

Bericht: Schwäbische Zeitung Lokalausgabe Bad Waldsee 21.02.2020
Text und Fotos: Karin Kiesel

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FASNET IN AULENDORF-Voller Zauber und Fantasie

Beeindruckende „Fanta“-sie-Flaschen

Mystische Gestalten und allerlei buntes Fabelgetier sind unter einem strahlenden Himmel des „Gumpigen“ Donnerstagnachmittags durch Aulendorfs Straßen gezogen. Damit haben es die Ulkgruppen beim Kinderumzug einmal mehr geschafft, das jährlich wechselnde Fasnetsmotto umzusetzen, welches da heuer lautet: „Fabelwelten der Magie – eine Fasnet in Auladorf voll Zauber und Fantasie“.

Wie viele Stunden Arbeit wohl in so manch einem aufwendig gestalteten Kostüm stecken mögen? Man weiß es nicht. Eines steht indes jedoch sicherlich fest: Die Aulendorfer haben wieder fleißig gebastelt, geklebt, genäht und darüber hinaus vor allem auch schon bei den Ideen für die Kostüme ihre „Fantasie“ spielen lassen.

Magxie-Köche auf der Walz.

Allerlei Magisches, Zauberhaftes und auch so manch lustiges Geschöpf tummelten sich auf der Hauptstraße über die Mocken- und Allewindenstraße hinab bis in die altehrwürdige Stadthalle. Von schillernden Feuervögeln und gefährlich anmutenden Drachen über mystische Medusen und schaurige Waldwesen bis hin zu großartig gestalteten „Fanta-“sie-Flaschen und ulkig lustigen „Mag(g)ie“-Köchen war wahrlich alles vertreten. Musikalisch begleitet wurde der heiter springende Tross teils durch eigene Musikboxen auf selbst gezimmerten Wagen sowie von so mancher „Guggenmusik-Kapelle“ und letztlich natürlich durch die zahllosen jubelnden Zuschauer am Straßenrand.

 

Die Schlossdrachen lassen es beim Umzug in Aulendorf richtig krachen.

Passend zum Thema hatten sich die anwesenden Ulkgruppen natürlich auch in diesem Jahr wieder Schlachtrufe einfallen lassen wie etwa „Schlossdracha-losset’s kracha!“ oder Wortspielereien wie „Shreklass nach“. Dem Zug voran ging auch in diesem Jahr wieder eine Schar von bunten, ausgelassenen Clowns. Das Umzugsende bildeten traditionell Burggraf und Zunftmeister nebst Hofstaat sowie die bekannten Aulendorfer Masken.

Dass dann auch noch das Wetter mitspielte, welches so trocken und warm daherkam, scheint hierbei beinahe gerechter Lohn. Und letzten Endes natürlich die freudigen Gesichter der großen und vor allem auch kleinen Umzugsbesucher.

 

Bericht: Schwäbische Zeitung Lokalausgabe Bad Waldsee 21.02.2020
Text und Fotos: Julia Kramer

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Masken sind vom Bann befreit

Spiel am Hexeneck wird in Gebärden übersetzt – Narren übernehmen die Macht

Aulendorf ist in Narrenhand: Mit der mystischen Maskenbeschwörung am Hexeneck und dem anschließenden Sturm aufs Rathaus samt Übernahme der Amtsund Schlüsselgewalt und der närrischen Regierungserklärung ist Aulendorf in die hochnärrischen Tage gestartet. Das traditionelle Spiel am Hexeneck hatte in diesem Jahr einen besonderen Gast. Eine Gebärdensprachdolmetscherin übersetzte das Gesagte für Gehörlose.

Die Kirchturmglocken haben das 19 Uhr-Läuten gerade hinter sich gebracht, da nähern sich die getragenen Laute der Fanfaren. Der Fanfarenzug zieht einmal im Dunkel des frühen Abends über den Platz unterhalb des Schlosses, um den sich die Zuschauer drängen. Den Musikern folgt Burggraf Andreas I (Andreas Herkommer) mit seinem Hofstaat: das Spiel beginnt.

Die Maskenbeschwörung ist ein, wenn nicht gar das Kernstück, in den Traditionselementen der Aulendorfer Fasnet. Unter den Augen der Zuschauer ruft der Burggraf den Maskenmeister herbei, der die Masken vom Bann befreit und damit das närrische Treiben in der Stadt einläutet. Das Schauspiel, das so manchem Fasnetsfreund Tränen der Freude und Rührung in die Augen treibt, lebt dabei auch von dem großen Feuer, um das Eckhexen, dann Tschore und Rätsch, Schnörkele und zuletzt die Fetzle zunächst langsam schleichen und später ausgelassen tanzen.

Gebärdensprachdolmetscherin Elli Schob war bei der Maskenbefreiung am Hexeneck im Einsatz. MIt einer Kollegin wird sie am Sonntag beim Großen Narrensprung erneut dolmetschen. FOTO: DPA/FELIX KÄSTLE

In diesem Jahr war die Geschichte indes erstmals nicht nur zu sehen und aus den Lautsprechern zu hören. Am Rand des Platzes hatte sich vor einem der dortigen Gebäude auf einem kleinen, vom Licht der hohen Lampen angestrahlten Podest Elli Schob eingefunden. Die Gebärdensprachdolmetscherin übersetzte das Schauspiel simultan in Gebärden. Es ist einer der Bausteine, mit dem Stadt und Narrenzunft die Aulendorfer Fasnet für Menschen mit Behinderung zugänglicher machen wollen. Am Hexeneck ließ Schob in schnellen Begegnungen der Hände und Arme die gesprochenen Texte des Spektakels für ein paar gehörlose Besucher, die sich in ihrer Näher versammelt hatten, sichtbar werden. Und so erfuhren auch sie, wie der Maskenmeister der Aufforderung des Burggrafen nachkommt, die Masken zu rufen:

 

Der Maskenmeister entzündet das Feuer und ruft nach und nach die Masken zu sich. Dann löst er ihren Bann. FOTOS: PAULINA STUMM

„Ha, ha, ha, das mach’ ich gern, für meinen Burggraf, meinen Herrn! Gleich nimmt der Zauber seinen Lauf – ich befehl’, Nacht, tu dich auf!“ In schwarzem Umhang und mit spitzem Hut tritt der Maskenmeister (Michael Weißenrieder) auf und entzündet in der Mitte des Platzes ein loderndes Feuer, bevor er nach und nach die Masken mit Beschwörungsformeln zu sich ruft, zuletzt die Fetzle: „Kommt herbei, froh und lustig alles sei!“ Sehr zur Freude des Burggrafen, seines Hofnarrs (Britta Wekenmann) und des Zeremonienmeisters (Jürgen Müller) tummeln sich alsbald zahlreiche Masken in Kreis umdas Feuer. Noch aber ist die Stimmung gedrückt, verhalten. Doch gleich wird es sich wandeln. Es ist der Moment, den nicht nur die Maskenträger sondern auch das Publikum herbeisehnen: „Ihr Masken alle miteinand’ gelöst ist wieder euer Bann!“ Und begleitet vom Klatschen der Zuschauer, dem Rhythmus des Aulendorfer Narrenmarschs und dem sich langsam steigernden Schellen der Glocken und Glöckchen der Narrengewänder bricht sich Freude Bahn und es beginnt der erste Tanz der frisch befreiten Masken.

 

 

 

 

Eckhexen belagern das Schloss, die Bürgerwehr verwehrt den Zugang.

Bürgermeister Matthias I. rückt den Schlüssel der Stadt heraus. FOTO: K. KIESEL

Dabei allein bleibt es indes nicht, denn den Burggrafen reizt die „Macht des Regierens“, und so zieht er in Begleitung der Masken und seines Gefolges sodann zum Sturm aufs Rathaus. Dort allerdings verwehrt die Bürgerwehr den Zugang, denn Bürgermeister und Stadtrat zeigen sich wenig willig, ihren Platz zu räumen. „Der Schultes lässt sagen: er denkt nicht dran, weil er das Regieren viel besser kann“, verlautet es aus dem Schloss. Letztlich aber geben die Mannen der Bürgerwehr der Belagerung durch die Eckhexen nach, bevor noch Narrenblut vergossen wird, und lassen die Narren herein. Alsbald erscheinen sie mit Bürgermeister Matthias I. (Matthias Burth) auf dem Balkon, der die Amts- und Schlüsselgewalt  einschließlich des Narrenrechts unter den Augen der zahlreichen Besucher an den Burggrafen übergibt. Und so bleibt dem Zeremonienmeister die Proklamation: „Von dieser Stund’ an bis Aschermittwoch gilt die Narrenfreiheit in Aulendorf!“  Der Zunftmeister und seine Räte gestalten die Tage, wachen aber auch darüber, „dass nichts Unehrenhaftes und Schlechtes, Anstößiges und Sittenwidriges geschehen wird“. Es folgt die erste Amtshandlung, das Verlesen der närrischen Regierungserklärung.

Bericht: Schwäbische Zeitung Lokalausgabe Bad Waldsee 20.02.2020
Text: Paulina Stumm
Fotos: Paulina Stumm, K. Kiesel, DPA/Felix  Kästle

 

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„Wir haben eine sechs Meter lange Messlatte gebastelt“

Peter Baumann erklärt die seit 1965 zum Gumpigen gehörende Aulendorfer Tradition des Narrenlochsuchens

Peter Baumann

Sie gehören zwar nicht zum Brauchtum der Schwäbisch- Alemannischen Fasnet, aber trotzdem haben die Narrenlochsucher in Aulendorf eine lange Tradition. Paulina Stumm hat sich mit dem Leiter der Narrenlochsucher- Gruppe, Zunftrat PeterBaumann, unterhalten.  Im Interview verrät der 46-Jährige, wo das Narrenlochsuch- Spiel seinen Ursprung hat.

 

 

Das erste Narrenlochsuchen fand 1965 statt mit (von links) Kaplan Konrad Kückenweitz, Kaplan Otto Beck und Zunftrat Waldemar Münst.

Herr Baumann, wer sind die Narrenlochsucher?
Wir sind eine Gruppe der Narrenzunft, die momentan aus sechs Leuten besteht. Wir treffen uns immer so ab September/Oktober, um zu besprechen, was wir um das Spiel der Narrenlochsuche herum in diesem Jahr machen. Unsere Aufgabe ist auch, einmal im Jahr zur großen Narrenlochsucher-Sitzung zu laden. Da nehmen auch die Rektoren der Schulen, die Zimmermänner, der Bauhof, die Musiker und die Kanoniere teil – alle, die am Gumpigen und beim Narrenbaumstellen involviert sind – und wir besprechen den Ablauf und organisieren. Ich schreibe das Programm um das Narrenlochspiel und verteile es an Burggraf, Clown, Zeremonienmeister und meinen Co- Moderator Flo.

 

Früher wurde der Narrenbaum nicht wie heute auf dem Schlossplatz, sondern bei der Schule, heutige Grundschule, aufgestellt.

Für alle neu Zugezogenen, was ist die Narrenlochsuche?
Ein Spiel vor dem Narrenbaumstellen am Gumpigen (Donnerstag, 20. Februar, Anmk. d. Red.). Im Wesentlichen läuft es immer gleich ab: Wir suchen das Narrenloch und finden es dann auch. Aber wir schmücken das Geschehen etwas aus. Die Zimmermannsgilde kommt, um den Baum zu stellen, und findet das Loch nicht, dann schickt der Burggraf den Hofnarren, der holt die Narrenlochsucher zu Hilfe. Oft greifen wir in unseren Kostümen das Fasnetsmotto auf, oder wir sind in klassischer Narren lochsucher-Kleidung unterwegs. Wir bauen unser Mess-Equipment zum Einmessen des Narrenlochs auf und legen am Ende das Loch mit unserem Bohrer frei.

Ihnen ist klar, dass das für nicht Eingeweihte etwas seltsam klingt?
Ja schon, aber es geht darum, einen Anziehungspunkt für die Schüler zu schaffen und das Narrenbaumstellen mit etwas Spiel drum herum attraktiver für die Zuschauer zu machen. Seit zwei Jahren verteilen wir auch die Liedtexte, sodass alle mitsingen können.

 

 

 

Szene nach dem Narrenbaumstellen im Jahr 1965.

Lief die Narrenlochsuche denn immer schon so ab?
Nein, nicht ganz. Das Spiel wurde 1965 vom damaligen Zunftrat Waldemar Münst, Kaplan Beck und Kaplan Kückenweitz aus der Taufe gehoben. Schüler, Eltern und Lehrer fanden es sehr lustig, dass die Kapläne und Zunftoberen so lustig sein können und quasi jeden Blödsinn mitmachen. Sinn und Zweck war der gleiche, aber es lief etwas anders ab, damals wurde der Narrenbaum noch bei der Schule gestellt und das Narrenloch in Frack und Zylinder gesucht. Nachdem es gefunden war und der Baum stand, soll ein jüngerer Lehrer auf einem Baumstamm durchs Dorf geschoben worden und beim Umzug mit dabei gewesen sein. Das Ganze war wohl damals der Knaller und die Schüler fanden es toll, weil es nicht selbstverständlich war, dass es solchen Blödsinn drum herum gab. Die Narrenlochsucher, wie man sie heute kennt, im Bauanzug, mit Helm und Messlatte, gibt es erst seit den 80er-Jahren. In diesem Jahr haben wir als  Wiedererkennungszeichen übrigens eine sechs Meter lange, zusammensteckbare Messlatte gebastelt.

Bericht: Schwäbische Zeitung Lokalausgabe Bad Waldsee 18.02.2020
Text:  Paulina  Stumm
Fotos: Narrenzunft

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