Category: Berichte

Vorreiter: Aulendorf plant behindertengerechte Fasnet

Behindertenbeauftragter und Aulendorfer Narrenzunft arbeiten an drei Projekten

Eine Umzugsmoderation in Gebärdensprache, das Aulendorfer Fasnetsheft in Blindenschrift und ein für Rollstuhlfahrer reservierter Zuschauerplatz beim Großen Narrensprung am Fasnetssonntag: Bei der Aulendorfer Fasnet wird in diesem Jahr erstmals explizit auf die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung geschaut und sich auf die Suche nach Lösungen gemacht.

Franz-Erwin Kemper (links), Behindertenbeauftragter der Stadt, hat das Infoheft zur Aulendorfer Fasnet in Blindenschrift übersetzt, der stellvertretende Zunftmeister Florian Angele hat die passende Gebärde für den Aulendorfer Narrenruf: „Ha, ha, ha – jo was saischt au!“

Aufgebracht hat die Idee der neue Behindertenbeauftragte der Stadt Aulendorf, Franz-Erwin Kemper – und rannte damit bei Florian Angele offene Türen ein. Nicht nur, weil der stellvertretende Zunftmeister der Aulendorfer Narrenzunft selbst ein behindertes Kind hat, sondern „weil es ein Acker ist, der noch nicht bestellt ist; es hat sich einfach noch keiner darum gekümmert. Aber die Fasnet ist für alle da“, sagt Angele.

Diesen Eindruck bestätigt auch ein kurzer Anruf beim Pressereferent der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte (VSAN). Er kann sich abgesehen von barrierefrei umgebauten Zunftstuben und dem barrierefrei zugänglichen Fastnachtsmuseum des VSAN in Bad Dürrheim spontan an kein Projekt erinnern, eine Art Behindertenbeauftragten gebe es bei der Vereinigung bislang nicht. Die Aulendorfer Narrenzunft gehört mit ihren rund 1600 Maskenträgern zu den Zünften der VSAN. Auch eine kurze Google-Suche – ohne Anspruch auf Vollständigkeit – bestätigt den Eindruck: Eine barrierefreie Fasnet scheint in der Region bislang kaum ein Thema zu sein.

Hinter den feinen punktuellen Erhebungen auf dem Papier ergibt sich für Blinde aus dem Muster der Blindenschrift ein Informationsheft über die bunte Aulendorfer Fasnet.

Der Aulendorfer Behindertenbeauftragte Kemper schildert, dass er auf seiner Suche nach Vorbildern nur sehr wenig gefunden habe: „Wir haben recherchiert und finden kein einziges Beispiel in Deutschland – nur in Köln gibt es eine Tribüne, auf der das Geschehen speziell für Blinde beschrieben wird.“ Abschrecken lassen haben sich Kemper und Angele davon nicht: „Ich habe auch gedacht: Wie machen wir das? Aber nichts zu machen ist das Blödeste“, sagt Angele. „Wir wollen zeigen, dass es geht, und dafür sorgen, dass es selbstverständlich wird“, sagt Kemper, der ursprünglich aus dem Rheinland kommt, und hofft, dass die Aktionen Nachahmer finden. Die beiden sammelten Ideen, drehten Gedankenrunden und haben sich für die diesjährige Fasnet drei erste Schritte vorgenommen. Eines davon ist ein Projekt, mit dem Kemper bereits vor einem Jahr angefangen hat und dessen Ergebnis er nun in Händen hält: Er, der er selbst erblindet ist, hat das Fasnetsheft der Narrenzunft in Blindenschrift übersetzt. Herausgekommen ist eine für Sehende unspektakulär aussehende Bindung schlicht weißer Papierbögen, aus denen sich dicht an dicht die feinen Punkte der Blindenschrift abheben. Blinden bietet dieses Heft jedoch ertastbaren Einblick in die bunte Tradition der Aulendorfer Fasnet, deren Figuren und das Geschehen während der närrischen Tage. Im Wesentlichen, beschreibt Kemper, habe er 1:1 übersetzt, „nur, wenn der Text auf ein Bild hinweist und ich davon ausgegangen bin, dass es ohne Bild nicht zu verstehen ist, habe ich Erläuterungen gemacht“. Etwa 20 der Hefte will er, der eine entsprechende Druckmaschine zu Hause hat, herstellen und im Bürgerbüro auslegen.

Beim Großen Narrensprung wird die Moderation für Hörbehinderte in Gebärdensprache übersetzt.

Als zweiten Schritt, der es Behinderten erleichtern soll, die Aulendorfer Fasnet mitzuerleben, wird die Moderation beim diesjährigen Umzug am Fasnetssonntag für hörbehinderte Besucher in Gebärdensprache übersetzt. Eine Dolmetscherin, die in der Gemeinde lebt und mit der Fasnet vertrautist, wird dafür gut sichtbar auf der Ehrentribüne bei der Volksbank stehen und Informationen zu den Hästrägern und den Zünften vermitteln. Dabei werde sie nicht 1:1 die Moderation für das sehende Publikum übersetzen, sondern müsse überlegen, was sie von dem, was sie höre, übersetzten könne, berichten die beiden. Eine Stunde in Gebärden zu dolmetschen sei daher recht anstrengend, weitere Gebärdendolmetscher hätten sie für diesen Tag aber nicht gefunden. Den Einsatz der Dolmetscherin bezahlt dabei die Stadt Aulendorf über das Budget, das dem Behindertenbeauftragten zur Verfügung steht.

Dass sie mit diesem Angebot nicht alle hörbehinderten Menschen erreichen, zeigte sich im Lauf der Vorbereitungen, als sie mit der Zieglerschen Behindertenhilfe in Aulendorf Kontakt aufnahmen, berichtet Angele: „Die nutzen gar nicht die normale Gebärdensprache, sondern eine vereinfachte Lösung.“ Aber es sei eben ein Anfang, es werde sich zeigen, wo Grenzen seien und wo man in Zukunft ansetzen müsse, sagen die beiden.

Beim dritten Ansatz sind Rollstuhlfahrer im Blick; sie sollen beim Fasnetsumzug am Sonntag, 23. Februar, bessere Sicht bekommen. Oder wie Kemper sagt: „Ordner werden dafür sorgen, dass Rollifahrer nicht nur Ärsche sehen.“ Und zwar auf einem speziellen Platz an der Umzugsstrecke, der für Rollstuhlfahrer reserviert sein wird: auf der Zufahrt zum Schlossplatz, schräg gegenüber des Schlosses. Dick oder dünn, arm oder reich, sehend oder blind, bei der Fasnet gehe es auch darum, die Grenzen des „Normalen“ einmal aufzuweichen. „Schön wäre, es wäre das ganze Jahr so, aber zumindest bei der Fasnet sind alle gleich“, sagt Angele und hat dabei auch die Ursprünge des fasnächtlichen Treibens im Blick, damals, als die Obrigkeit den Untergebenen einen narrenfreien Tag gewährte und es gestattet war, auch der Obrigkeit einmal den Spiegel vorzuhalten – quasi eine Urform dieser Grenzverschiebung. Auch deshalb sagt Angele zum Thema Barrierefreiheit: „Wenn nicht an der Fasnet, wann dann?“

Bericht: Schwäbische Zeitung Lokalausgabe Bad Waldsee 18.01.2020
Text und Fotos: Paulina Stumm

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Narrenzunft Aulendorf ehrt Mitglieder

Verdiente Narren bekommen Abzeichen, Verdienstorden und Ehrennadeln

Traditionell lädt die Narrenzunft Aulendorf am 5. Januar verdiente Narren zum Ehrenabend ins Zunftheim ein. Zunftmeister Rolf Reitzel und seine Stellvertreter Florian Angele und Paul Mock nahmen die Ehrungen vor. Der Landschaftsvertreter der Landschaft Oberschwaben-Allgäu Franz Mosch überreichte die Ehrennadeln für herausragende Verdienste im Sinne der „Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte“ (VSAN). Das VSAN-Abzeichen in Gold tragen zukünftig Hartmut Theoboldt, Alfred Ohlinger und Markus Schwarz. Andreas Herkommer und Joachim Zimmermann in Silber und Steffi Fischer, Stefan Weinfurter und Florian Angele in Bronze am Häs.

Verdiente Narren der Aulendorfer Narrenzunft. Von links nach rechts: Rolf Reitzel, Paul Mock, Hartmut Theoboldt, Franz Mosch, Alfred Ohlinger, Stefan Weinfurter, Andreas Herkommer, Steffi Fischer, Markus Schwarz, Joachim Zimmermann, Ehrenzunftrat Franz Hack und Florian Angele.

Bei den hauseigenen Ehrungen verlieh die Zunft den Großen Verdienstorden in Bronze an vier Mitglieder es geschäftsführenden Zunftrates. Zahllose Stunden haben Florian Angele, stellvertretender Zunftmeister,  Paul Mock ebenfalls stellvertretender Zunftmeister, Michael Weißenrieder, Mitgliedswart, und Christian Ramsperger, jahrelanger Säckelmeister, im Zeichen der Fasnet verbracht. Der kleine Verdienstorden wurde an zwei Würdenträger in Abwesenheit verliehen. Markus Metzler, Hexenmeister von 2005 bis 2020, und Dieter Hörburger, der seit 1967 das Amt des Maskengruppenführers innehat.

Der Hausorden ging an Beate und Jürgen Schmid, die seit vielen Jahren die Narrenzunft bei den Besuchen der Kindergärten musikalisch begleiten, Hedwig Hörburger, Maskengruppenführerin seit 1970 (in Abwesenheit), Helmut Müller, Helmut und Reinhold Geng als verdiente Hexenwagenhexen und Thomas Henkel, als langjährige und treue Sprunghexe. Ebenfalls mit einem Hausorden wurde Helmut Heydt für seine Unterstützung der Zunft in allen Fragen zu Absperrung, Müllentsorgung oder auch wenn mal für ungewöhnliche Programmpunkte größere Gerätschaften benötigt werden, geehrt.

Über einen Sternorden freuen sich der stellvertretende Maskenwart Kai Bebendorf, die sportlichen Sprunghexen Benjamin Raisch und Armin Schulze, für kilometerlange, in unfassbar vielen Stunden genähte Fasnetsbändel Hildegard und Herbert Herkommer, für tatkräftige und närrische Unterstützung aus dem Rathaus durch Tanja Nolte vom Hauptamt und Dirk Gundel von der Kämmerei (beide in Abwesenheit) sowie Claudia und Michael Heydt (beide in Abwesenheit), für zehn Jahre Fanfarenzug Jonas Beutinger, für tatkräftige Unterstützung überall, wo Bedarf besteht, Lorenz Egle, Uli Tampert und Sandra Sonntag (in Abwesenheit) von den Schussentäler Schalmeien und Wolfgang Unger für seinen Einsatz um die Fanartikel und den Zunftball (ebenfalls in Abwesenheit). Für ihre erfolgreiche Teilnahme mit ihrem Fasnetshit „Auladorf zur Fasnetszeit“ beim „Närrischen Ohrwurm“ des SWR erhielten die Mitglieder der EinMannBand2 feat. „Die Aulendorfer“ ebenfalls den Sternorden.

Außerdem verlieh das Ordenteam den zahlreichen, langjährigen Maskentragenden Ehrungen für unermüdliche Einsätze bei Auswärtstreffen und der Gestaltung der Aulendorfer Hausfasnet. Entsprechend mit einer Ehrennadel und einer Urkunde ausgezeichnet wurden für 60 Jahre Zunftmitglied Hedwig Hörburger (in Abwesenheit) und August Schmid. Für 50 Jahre Zunftmitglied (teilweise in Abwesenheit) Maria Baur, Josef Brauchle, Axel Enz, Gabriele Gossger, Zita Günther, Siegfried Hügler, Marianne Karman, Birgit Kienhöfer, Edgar Kümmerle, Gaby Lochmüller, Lothar Maucher, Susanne Maucher, Margret Mühleisen, Hans Rautenberg, Rudi Saal, Raimund Thoma und Helmut Wild.

Von den insgesamt 170 eingeladenen Ehrennadeltragenden fielen noch weitere 45 auf 40 Jahre Zunftmitglied, 35 auf 30 Jahre Zunftmitglied, 50 auf 20 Jahre Zunftmitglied und 21 auf 10 Jahre Zunftmitglied.

Bericht: Schwäbische Zeitung Lokalausgabe Bad Waldsee 08.01.2020
Text: Britta Wekenmann
Foto: peter Herbst

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Vom Fasnetsmuffel zum Zunftmeister

Klaus und Helga Wekenmann blicken auf die Geschichte der Narrenzunft Aulendorf zurück

Klaus und Helga Wekenmann erzählen, weshalb er ohne sie wohl niemals Ehrenzunftmeister der Aulendorfer Narrenzunft geworden wäre.

 Mit dem Jahresende geht auch das Jubiläumsjahr der Aulendorfer Narrenzunft zu Ende, die heuer gleich dreifach zu feiern hatte: Vor 340 Jahren, im Jahr 1679, gewährten die Grafen zu Königsegg-Aulendorf den Aulendorfern einen narrenfreien Tag, vor 80 Jahren, 1939, gab es den ersten Narrenzug in der Stadt und vor 70 Jahren, 1949, gründete sich die Aulendorfer Narrenzunft als Verein. Wer wissen will,  was in diesen 70 Jahren so alles geschehen ist, kann in Archiven und Chroniken nachlesen – oder sich mit Klaus und Helga Wekenmann unterhalten und dabei ganz persönliche Erinnerungen, aber auch fast vergessene Erklärungen erzählt bekommen. Bei der Gründung der Zunft waren die beiden freilich nicht dabei, waren sie doch noch Kinder. Klaus Wekenmann als gebürtiger Ravensburger kam ohnehin erst 1965 als Postler nach Aulendorf und hatte seinerzeit noch „gar keine Ahnung von der Fasnet“. Dass er später Zunftmeister, 38 Jahre lang Maskenmeister und zwischendurch sogar einmal Burggraf sein würde – damals unvorstellbar, er wollte eigentlich gar nicht lange bleiben. Und auch die erste Begegnung mit der Aulendorfer Fasnet stellt noch keine Weichen; 1966 ist er in der Stadthalle dabei. „Ich habe damit nichts anfangen können“, erinnert sich der 76-Jährige. Im Jahr darauf allerdings lädt ihn Helga zum Zunftball ein, „das war gleich was ganz anderes“, sagt Wekenmann und lacht.

Helga Wekenmann kam schon als Kind zur Aulendorfer Zunft und bekam mit 14 Jahren, dem Mindestalter, eine Fetzles-Maske. Sie bewahrt sie noch heute auf. „Damals gab es von der Volksbank noch einen Maskenkredit“, erinnert sich die 81-Jährige. Die abzustotternden fünf Euro im Monat ermöglichten es auch jungen Leuten, sich eine Maske leisten zu können. Als sie ihren Mann kennenlernt, ist sie Hofnärrin und bringt ihm das Brauchtum näher. Klaus Wekenmann wird schon auf die Fasnet 1968 hin schnell Zunftrat, „weil man mich als Hofnärrin halten wollte“, sagt sie. Weil der Jungzunftrat im selben Jahr im Zunftrat aufging, sagt er. Sicher ist, seither ist Klaus Wekenmann in der Zunft aktiv.

Über die Jahre haben sich eineinhalb Meter DIN-A5-Ringbuchordner angesammelt, in denen Wekenmanns Fotos und Erinnerungen aufbewahren. Etwa die Speisekarte zur Feier von 333-Jahren narrenfreier Tag. Das Thema gab das historische Original vor: In der Erlaubnis habe es 1679 schon geheißen, „ein Hafen Linsen und ettliche bereite Hühner lassen ganz wohl leben“, erzählt Klaus Wekenmann. Aber auch Bilder von Ausflügen der Aulendorfer Narren nach Bad Waldsee finden sich dort.

2012 feierte die Narrenzunft 333 Jahre Narrenfreiheit in Aulendorf – die Torte wurde nach einigem zögern dann doch aufgeschnitten.

2007 feierte die Narrenzunft 55 Jahre Narrenmarsch. Erfunden hat ihn 1952 Franz Bauer, der, wie viele Zunfträte, Lehrer war.

„Wir haben uns in den letzten 50 Jahren bemüht, eine gute Verbindung herzustellen. Das ist uns, glaube ich, auch gelungen“, sagt Wekenmann und freut sich, dass die nächste Generation das übernommen habe; Jungzunftrat und der Waldseer Jungelferrat würden beispielsweise einmal im Jahr gemeinsam feiern. Immerhin würden die beiden Zünfte zusammengerechnet rund zehn Prozent der Maskenträger in der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte vertreten. Der Ursprung der Verbindung liegt indes in Bad Canstatt. 1968 weilten Wekenmanns dort zum großen Narrentreffen, als sie nachts Musik zu einer Gaststätte lockte, die sie zwecks „geschlossener Gesellschaft“ aber nicht betreten durften. Der damalige Waldseer Zunftmeister Gebhard Graf von Waldburg zu Wolfegg und Waldsee habe die Szene mitbekommen
und ihnen Einlass verschafft, dann habe man die ganze Nacht mit den Waldseern zusammen gefeiert.

Was auf sehr vielen Bildern auftaucht und aus dem heutigen Bild der Aulendorfer Fasnet auch bei den Zuschauern nicht mehr wegzudenken ist, ist der bunte Schal in den Farben des Kopftuchs der Eckhexen der Aulendorfer. Den ersten dieser Schals indes strickte Helga Wekenmann 1975, das Jahr, in dem der damalige Zunftmeister Waldemar Münst so erkältet war, „dass er nur noch gekrächzt hat“, erinnert sie sich, weshalb sie ihm zum 11.11. den Schal schenkte. Ein paar Jahre später strickte sie auch dem damaligen stellvertretenden Zunftmeister Hartmut Sczech solch einen bunten Halswärmer, und weil das so geschickt gewesen sei, hätten auch andere Zunfträte sich einen gewünscht. „Am Schluss wollte jeder einen Schal“, erklärt Wekenmann, wie die bunte Schalstrickerei in Aulendorf um sich griff – und spätestens seit so ziemlich jeder Aulendorfer einen solchen Schal habe, sei er akzeptiert, auch wenn er ursprünglich nicht zum Häs gehöre.

Dass die Fasnet nicht nur entstehungsgeschichtlich– als letzte Möglichkeit, vor der nach Aschermittwoch beginnenden Fastenzeit zu feiern – eng mit der katholischen Kirche verbunden ist, sondern auch heute noch Bezüge herstellt, auch davon zeugt Wekenmanns Sammlung. Etwa das Bild, das ihn 2009 zusammen mit Margit Angele an einem Fasnetssonntag bei der Narrenmesse tanzend in der Pfarrkirche St. Martin zeigt; er habe zuvor beim Pfarrball aus dem Alten Testament zitiert, eine lebensfreudige Stelle, in der David die Bundeslade in den Tempel bringt, tanzt und Musik ihn begleitet. Wekenmann äußerte den Wunsch, mehr von solcher Stimmung in der Kirche haben zu wollen, „da sagte Pfarrer Utz: ja, dann tanzt doch“, erinnert er sich und setzte das in der folgenden Narrenmesse prompt um.

Mittlerweile hat Klaus Wekenmann sich darangemacht, einige der Erinnerungen, aber auch Erzählungen älterer Narren aufzuschreiben für die Enkelgeneration. Damit Wissen und Erinnerung zur Geschichte der Aulendorfer Fasnet erhalten bleiben.

Bericht: Schwäbische Zeitung Lokalausgabe Bad Waldsee 31.12.2019
Text: Paulina Stumm
Foto: Paulina Stumm, Narrenzunft Aulendorf

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Zunft bekommt einzige Schnörkel-Maske als Leihgabe

Aulendorfer Narrenzunft feiert 70. Vereinsjubiläum – Fürs Fasnetsmotto 2020 geht’s in „Fabelwelten der Magie“

Eine Fasnet „voll Zauber und Fantasie“ soll die Aulendorfer Hallen- und Straßenfasnet 2020 werden – jedenfalls, wenn es nach dem diesjährigen Motto geht, das am Montag beim Martini-Frühschoppen bekannt gegeben wurde. Dort, im gut gefüllten Ritterkeller des Hotels Arthus, bekam die Zunft anlässlich ihres 70-jährigen Bestehens als Verein auch ein ganz besonderes Geburtstagsgeschenk überreicht: einen Schnörkel. Die Maske war in der 1950er-Jahren mitgesprungen.

Hedi Kaiser überreichte Zunftmeister Rolf Reitzel die Schnörkel-Maske als Dauerleihgabe für das Archiv der Narrenzunft. (Foto: Paulina Stumm)

„Mein Vater war 1949 Gründungsmitglied der Aulendorfer Narrenzunft“, mit diesen Worten leitete Hedi Kaiser ihre Erklärung zu dem einzigartigen Geburtstagsgeschenk ein. Denn eben diesem, Ignaz Efinger, ist es mit zu verdanken, dass die Aulendorfer Narrenzunft eine Maske mehr als Dauerleihgabe im Archiv aufbewahren kann: einen Schnörkel, quasi ein männliches Schnörkele. Diese Maske gibt es nur ein einziges Mal, ausgearbeitet hat sie der Saulgauer Bildhauer Alfons Scheck. Auf alten Schwarz-Weiß-Fotografien, von denen einige Abzüge unter den Festgästen herumgereicht wurden, ist sie – oder besser gesagt er – zu sehen: mit charakteristischem Spitzhut und Stickereien auf dem Häs klar an das Schnörkele angelehnt. Durchgesetzt hat sich der Schnörkel, der seinerzeit dem Schnörkele zur Seite gestellt werden sollte, nicht. Auch heute darf das Schnörkele – mit einer Ausnahme – ausschließlich von Frauen getragen werden.

In den 50er-Jahren sprang ein Schnörkel mit. (Foto: Narrenzunft)

Für die Narrenzunft nahm Zunftmeister Rolf Reitzel die Holzmaske entgegen. Eine Rarität an einem seltenen Jubiläumstag, denn die Zunft feierte nicht nur ihre Vereinsgründung am 11.11.1949, sondern auch zwei weitere Jubiläen. Nämlich, dass vor 340 Jahren, im Jahr 1679, Aulendorf ein narrenfreier Tag gewährt wurde und dass vor 80 Jahren der erste Umzug in Aulendorf stattfand.

Nicht alle Gäste hatten indes solch große Geschenke dabei. Bürgermeister Matthias Burth, der obligatorische Gruß- und Dankesworte verteilte und sich mit Zunftmeister Reitzel scherzhaft neckte, hatte „koi G’schenk dabei“ – Reitzel: „Nix anderes haben wir erwartet“ – dafür lieferte das Stadtoberhaupt auch gleich eine Erklärung. Ihm sei im Vorfeld zu verstehen gegeben worden, dass seine Geschenke der Vorjahre weniger gut angekommen seien. Stattdessen legte er der Zunft eine andere Errungenschaft nahe: „Wir haben eine neue Vereinsförderrichtlinie – das ist kein ’symbolischer Scheiß‘.“ Ein Hinweis, der bei Reitzel auf offene Ohren traf, sollen doch die Hofpagen zum Landschaftstreffen 2021 in neuem Stoff auftreten, „den Antrag bereiten wir gerade vor“. Ansonsten scheute Burth nicht den Oldtimer-Vergleich und attestierte der Zunft: „Reich an Kilometern, leichte Gebrauchsspuren, aber immer noch gut in Schuss.“

Das 2021 in Aulendorf anstehende Landschaftstreffen der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte war gleich mehrfach Thema. So verlas Reitzel etwa den offiziellen Antrag an die Stadt, vom 30. auf den 31. Januar eine Freinacht in Aulendorf mit entsprechender Aufhebung der Sperrstunde zu bekommen. „Ich weiß nicht, was es da zu genehmigen gibt – Freinacht haben wir in Aulendorf an der Fasnet doch immer“, zeigte sich Bürgermeister Burth unbeeindruckt, auch ob des Reitzel’schen Verweises auf die zahlreichen „Zeugen“ im Raum. Der Zunftmeister gab einen kurzen Einblick in die Planungen zum Landschaftstreffen und einen Überblick über dessen Ablauf. Offen ist indes noch eine gewünschte Live-Übertragung durch das Südwest-Fernsehen.

Für die an Dreikönig beginnende Fasnet 2020 bleibt in Sachen Burggraf und Hofstaat indes alles wie gehabt. Zunftmeister Reitzel überreichte das närrische Zepter an Burggraf Andreas I. Andeas Herkommer stellt sich für diese Aufgabe, nachdem es sich beruflich einrichten lässt, für weitere zwei Jahre zur Verfügung. Den Burggrafen an den närrischen Tagen begleiten werden die ebenfalls inthronisierten Hofnarren Ramona Angele und Britta Wekenmann sowie Zeremonienmeister Jürgen Müller. Herkommer, der mit der EinMannBand² und unterstützt von der Band „Die Aulendorfer“ den Närrischen Ohrwurm 2019 gewonnen hatte, kündigte an, dass es bei der diesjährigen Fasnet einen zugehörigen Videodreh geben wird. „Am Fasnetssonntag?“, schallte eine scherzhafte Frage aus dem Publikum, wohl in Anspielung auf Herkommers Ausfall als Burggraf beim Umzug im Vorjahr – der SWR zeichnete zeitgleich den Närrische Ohrwurm auf.

Mit dem von Florian Angele, stellvertretender Zunftmeister, in schwäbischen Reimen vorgetragenen Fasnetsmotto neigte sich der offizielle Teil des Frühschoppens dem Ende entgegen: „Fabelwelten der Magie – eine Fasnet in Auladorf voll Zauber und Fantasie“. Was man sich darunter vorstellen kann, lieferte Angele gleich mit: „Hexa, Magier und alles Fabelgetier, lasset eich verzaubra von dr Fasnet hier. Von Troll und Centauer bis Einhorn und Dracha, bei uns hend alle was zum Lacha.“

Bericht: Schwäbische Zeitung Lokalausgabe Bad Waldsee 12.11.2019
Text: Paulina Stumm
Foto: Paulina Stumm, Narrenzunft Aulendorf

 

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Narrenzunft Aulendorf feiert 2019 mehrere runde Geburtstage

1679, also vor  genau 340 Jahren, wurde Aulendorf bereits, durch die Grafen zu Königsegg-Aulendorf, ein narrenfreier Tag gewährt. Es ist zwar nicht belegt, aber auch nicht auszuschließen, dass sich zu dieser Zeit nicht nur z.B. Handwerker, Musikanten und Gaukler zu Zünften zusammen schlossen, sondern auch Fasnetsnarren. Der Narrengeist war also in Aulendorf seit Jahrhunderten nicht nur zu Hause, sondern brach bereits 1939, also vor 80 Jahren, „zu überwältigendem, die ganze Bevölkerung erfassendem Leben aus. Sie war, ohne feste, organisatorische Grundlage, durch den Einsatz von Herrmann Siller, Gotthilf Aisenbrey, Ignaz Efinger und Brauereidirektor Eisele zu Stande gekommen“ Der erste Narrenzug, unter Mitwirkung der Aulendorfer Musikapelle, der ersten Hexe und zahlreichen Clowns, wurde auf den Weg gebracht. Selbst der Bürgermeister wurde damals schon abgesetzt. Dann beendete der 2. Weltkrieg allerdings das närrische Treiben jäh, doch schon zehn Jahre später, war die wunderbare Fasnetszeit nicht vergessen. Nach der Absetzung des Bürgermeisters wurden die weiteren Masken, Schnörkele, Fetzle, Tschore und Rätsch, der Bevölkerung vorgestellt. Am 5.11.1949 wurde die zwischenzeitlich erarbeitete Satzung angenommen und am 11.11.1949, also vor 70 Jahren, feierlich die Narrenzunft Aulendorf gegründet. Der erste Zunftmeister war kein geringerer als Erwin Glonegger, Bereits 1 Jahr später, also 1950 zählte die Narrenzunft Aulendorf 300 Mitglieder.

Gründe genug, am 11.11.2019 um 11:11 Uhr im Ritterkeller zu Aulendorf Geburtstag zu feiern. Zunftmeister Rolf Reitzel lädt, stellvertretend für das Geburtstagskind, die Narrenzunft Aulendorf e.V., alle Närrinnen und Narren herzlich dazu ein. Für   für die musikalische Unterhaltung sorgt die Band „Halb so schlimm“ mit Ede Butscher und Edi Bentele.

*Quellen: Text: Fasnet in Aulendorf
Foto: Narrenzunft Aulendorf e.V.

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Reger Austausch bei den Senioren der Landschaften

60 ehemalige und aktive Zunfträte und Zunftmeister kamen zum traditionellen „Seniorenhock“ nach Aulendorf

 Im Jahr 2002 hatte Waldemar Münst, Ehrenzunftmeister der Narrenzunft Aulendorf, die Idee, ein Treffen der altgedienten Zunfträte aller Narrenzünfte der Landschaft Oberschwaben Allgäu zu organisieren. Am Samstag durfte die Narrenzunft Aulendorf nach eigenen Angaben zum dritten Mal den inzwischen traditionellen „Seniorenhock“ ausrichten.

Im Zunftheim der Narrenzunft Aulendorf wurden viele alte und neue Geschichten rund um die Fasnet ausgetauscht.

Rund 60 ehemalige und aktive Zunfträte und Zunftmeister folgten der Einladung ins Zunftheim. Die eröffnenden Worte sprach der aktuelle „Seniorenvorstand“, Arthur Kopka von der Narrenzunft Henkerhaus Baienfurt. Er lud alle Anwesenden zum Kuchenbüfett ein. Anschließend fuhren alle Gäste zum Aulendorfer Schloss, wo sie von der Zofe Rosalie und Michael Osdoba zur historischen Schlossführung erwartet wurden.

Mit dem erlernten geschichtlichen Wissen rund um die Grafschaft Königsegg-Aulendorf ausgestattet, zog die Gruppe über die Straße in die Schlossbrauerei ein, um dort ihren Wissensdurst zu stillen. Brauer und stellvertretender Zunftmeister Flo Angele ließ es sich nicht nehmen, persönlich seine Landschaftskolleginnen und Kollegen in die Geheimnisse der Braukunst einzuweihen.

Wieder zurück im Zunftheim konnten neue Geschichten rund um die Fasnet ausgetauscht werden. Die Vorfreude auf den „Seniorenhock“ 2020 bei der Dorauszunft Saulgau habe man allen Anwesenden förmlich angesehen, heißt es.

Bericht: Schwäbische Zeitung Lokalausgabe Bad Waldsee 04.10.2019
Text und Foto: Britta Wekenmann

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Aulendorfer Masken sind verbannt

Brauchtumsmoment in der Stadthalle beendet die Fasnet 2019

Die Aulendorfer Masken sind beim Kehraus am Dienstagabend wieder verbannt worden. Das Traditionsmoment gehört zum Brauchtum der Aulendorfer Fasnet, das als Teil der schwäbisch- alemannischen Fasnacht immaterielles Kulturerbe ist.

Drei Mal tritt in der Aulendorfer Fasnet die Figur des Maskenmeisters auf; beim Häsrichten, bei der Befreiung der Masken am Hexeneck sowie bei der Verbannung der Masken. Gegen 23.45 Uhr am Dienstagabend war es in der Aulendorfer Stadthalle – in der zuvor noch ausgelassen getanzt und die Auftritte der Guggenmusik Spots und der Sprunghexen verfolgt wurden – soweit: Burggraf Andreas I (Andreas Herkommer) ließ das Ende des närrischen Treibens verkünden, und Bürgermeister Matthias Burth bekam den Stadtschlüssel zurück.

Beim Kehraus in der Stadthalle verbannt der Maskenmeister die Aulendorfer Masken.

Dann schritt der herbeigerufene Maskenmeister (Michael Weißenrieder) zur Tat – der Moment, zu dem auch den umstehenden Kehrausbesuchern das Lachen aus den Gesichtern verschwand. „Ich spreche nunmehr aus den Bann – den keiner ein Jahr lösen kann!“, sprach der Maskenmeister seinen Bannspruch. Heulend und klagend beugten sich die Masken und zogen mit den Gongschlägen um Mitternacht mit ihrem Meister aus der Stadthalle davon.

Das Ende bildeten der Burggraf mit seinem Gefolge, Zunftmeister, Hohe Räte und Bürgermeister – jeder mit einer Kerze in der Hand. Am Ausgang löschte der Maskenmeister diese – sofern nicht der letzte närrische Schalk die Flamme selbst auspustete. Und tatsächlich: schlagartig, mit dem letzten Löschen der Kerze verschwand auch die fastnächtliche Stimmung in der Halle, viele Besucher machten sich direkt auf den Heimweg. „Ein bisschen schade ist es ja schon“, raunte eine Aulendorferin noch beim Hinausgehen.

Bericht: Schwäbische Zeitung Lokalausgabe Bad Waldsee 07.03.2019
Text und Foto: Paulina Stumm

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Das Urteil ist gefallen: Die Fasnet ist an allem schuld

Aulendorfer Narren ziehen zum Abschied als Hemdglonker durch die Stadt und fällen ihren Narrenbaum

Unter dem Wehklagen der Hemdglonker und mit dem Verbrennen der Fasnet haben sich die Aulendorfer Narren am Dienstagabend von den närrischen Tagen verabschiedet. Auch der Narrenbaum ist gefallen.

In weißen Nachthemden ziehen die Hemdglonker zum Abschluss der Fasnet als letzter Umzug durch die Stadt.

In weiße Nachthemden und Schlafmütze – mal als Zipfel, mal als Haube – gekleidet, blass geschminkten Gesichtern und aufgemalten Tränen sind die Hemdglonker mit Laternen, Rätschen und Fackeln durch die Stadt gezogen. „Das ist immer ein schöner Abschluss, ein bewusster Schlusspunkt“, findet Rita Dittrich, für den lohne es sich auch die Kostümierung hervorzukramen, die mit einigen anderen Fasnetsklamotten ab Aschermittwoch in die Wäsche kommen. Auch für Umzugsorganisator Manfred Hügler gehören die Hemdglonker einfach dazu, „weil ich das schon seit… ja wie lang eigentlich, 28 Jahren vielleicht, mache.“ So ähnlich hört man das noch öfter am Abend. „Ich gehe mit, weil ich das schon als Kind gemacht habe, wenn auch nicht in Aulendorf“, sagt Herbert Dobner, der aus Isny zu Gast ist und sich ebenfalls in altes Schlafkleid gewandet hat. Für Brigitte Raisch sind die Hemdglonker in ihrer Blässe auch ein Zeichen für eine gewisses Abgekämpftsein zum Ende der Fasnet. „Jetzt tragen wir sie zu Grabe, darum heulen wir und haben Tränen auf den Wangen.“

Der Zug zieht zum Schlossplatz, wo er den Narrenbaum umrundend, von zahlreichen Zuschauern und Zeremonienmeister begrüßt wird. Dann geht es der Fasnet an den Kragen. Die Narrenrichter erscheinen, zu richten die Fasnet ob all ihrer Vergehen – und derer weiß der Richter einige zu benennen: laut Lästern, Leute an der Nase herum führen, Kirche schwänzen, aus der Flasche trinken, Mädchen anlügen und mancher soll sich gar nicht mehr gewaschen haben. Das Urteil der Richter ist eindeutig: „Die Fasnet ist an allem schuld, drum wird das Seil jetzt abgespult.“ Und so wird die Fasnet in Form einer Strohpuppe aufgehängt und geht in Flammen auf, während die Narren begleitet vom zunächst tragenden, dann noch einmal lustig erklingenden Aulendorfer Narrenmarsch zum letzten Tanz um den Baum ansetzen, bevor auf dieser gefällt wurde.

So mancher schnappte sich ein Stück vom Narrenbaum, als Erinnerung. Isabell Köberle erwischte einen Zweig mit Bändel. Ein kleines Stück davon wird sie, wie so mancher Aulendorfer Narr, im Geldbeutel aufbewahren bis zur nächsten Fasnet.

Bericht: Schwäbische Zeitung Lokalausgabe Bad Waldsee 06.03.2019
Text und Foto: Paulina Stumm

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Aulendorf hat „eine Hymne kreiert“

Närrischer Ohrwurm 2019 geht nach Aulendorf – Fans empfangen Sieger auf dem Schlossplatz

Die EMB² &“ Die Aulendorfer“ geben beim Wettbewerbsauftritt um den Närrischen Ohrwurm alles. (Foto: SWR/Alexander Kluge).

Der Närrische Ohrwurm 2019 geht nach Aulendorf. Mit drei Punkten Vorsprung haben die „EMB² & Die Aulendorfer“ den Fastnachtshit-Wettbewerb des SWR Fernsehens am Sonntag für sich entschieden. „Es ist überwältigend“, sagt Andreas Herkommer, der das Schunkellied zusammen mit Peter Baurmann als EinMannBand² ausgedacht und komponiert hat. Als Preis bekamen die Musiker ein professionelles Musikvideo – und einen Kuss von Schneewittchen.

„Ich kann es noch gar nicht richtig einordnen“, sagt Herkommer am Tag danach, immer noch etwas überrascht, aber gut gelaunt. Am späten Sonntagnachmittag standen er und seine Mitmusiker letztlich als Sieger auf der Bühne in Singen, von wo aus der SWR den Wettbewerb live im Fernsehen übertragen hatte. „Wir hatten nicht damit gerechnet, dass wir gewinnen“, sagt Herkommer – und doch setzten sie sich gegen sieben weitere Finalisten, die am Sonntag um den Titel musiziert hatten, durch.

„Es hat super geklappt“

„Wir waren schon am Samstag zum Soundcheck dort. Da waren wir noch echt angespannt. Wir haben zwei andere Bands gehört und das klang sehr professionell. Wir dachten, das wird ein harter Brocken“, erinnert sich Herkommer. Beim Auftritt am Sonntag selbst half dann das „sensationelle Publikum“ und der Blick in die vertrauten Masken der mitgereisten Fan-Abordnung aus Aulendorf. „Wir waren nicht aufgeregt. Die Grundstimmung war so positiv dort. Es hat super geklappt“, findet Herkommer.

So sehen Sieger aus: Die Band „Die Aulendorfer“ und (vordere Reihe von rechts) Peter Baurmann und Andreas Herkommer als EinMannBand². (Foto: SWR/Alexander Kluge)

Ganz ähnlich sahen das auch die drei Juroren, die für jeden der Finalisten nach deren Auftritt eine Bewertung ab- und Punkte vergaben. „So muss Fasnet klingen, es ist das einzige Lied, zu dem man Schunkeln und Feiern kann“, lobte etwa Schlagersängerin Alexandra Hofmann und gab den Aulendorfern zehn von elf möglichen Punkten. Mitjuror und Comedian Sven Hieronymus zog ebenfalls nur einen Punkt ab, als Mainzer habe er nicht alles verstanden. Und auch von Fernsehmoderator und Entertainer Hansy Vogt gab es zehn Punkte: „Ihr habt alles richtig gemacht. Ich würde sagen: Aulendorf hat eine Hymne kreiert.“

30 Punkte von der Jury

„Als wir von der Jury 30 Punkte bekommen haben, habe ich gehofft, dass wir damit unter die letzten fünf kommen“, sagt Herkommer und gibt zu: „Wenn man bei einem Wettbewerb mitmacht, will man natürlich auch gewinnen.“ Nach den Juryurteilen teilte sich die Aulendorfer dann zwar schon den vorläufigen Platz 1 mit der Band „Die Kellerspatzen und Freunde“, die Zuschauerabstimmung via Telefon stand da aber noch aus.

Die EMB² & „Die Aulendorfer“ mit Sänger-Jury und SWR- Moderatorin Sonja Faber-Schrecklein als Schneewittchen. (Foto: SWR/Alexander Kluge).

Nach gut einer Stunde und 45 Minuten Liveshow war es dann soweit. SWR-Moderatorin Sonja Faber-Schrecklein – im Schneewittchenkostüm – beendete das Telefon-Voting und versammelte alle fünf noch im Rennen stehende Teilnehmergruppen um sich. Die Anspannung stand den Musikern da schon ins Gesicht geschrieben. „Jede Minute fühlte sich wie eine Stunde an“, beschreibt Herkommer die Minuten, als Faber-Schrecklein nach und nach die Punkte der Publikumsabstimmung bekannt gab, bis klar war: „Auladorf zur Fasnetszeit“ ist der Närrische Ohrwurm 2019. Nur der Vollständigkeit halber: auch vom Publikum gab es für die Hitschmiede aus Aulendorf am meisten Punkte, nämlich 33.

Ein Kuss von Schneewittchen

Offensichtlich noch nicht ganz verarbeitet hat Herkommer den Kuss von Schneewittchen Sonja Faber-Schrecklein. Die Moderatorin holte zum Sieger-Interview aus, unterbrach sich dann aber selbst, nahm den Musiker zur Gratulation in den Arm, fragte: „Wurdest du schon mal von Schneewittchen geküsst?“ und gab dem Aulendorfer einen Kuss auf die Wange: „Jetzt isch’s passiert“. Dabei hatte Faber-Schrecklein die Rechnung aber ohne Dieter Langlouis von den „Aulendorfern“ gemacht, der sofort scherzhaft einwarf: „He! I au it!“ Schneewittchen lies sich nicht lange bitten und kommentierte lakonisch: „So sind se die Oberschwaben.“

„Nein, von Schneewittchen wird man nun wirklich nicht alle Tage geküsst“, sagt Herkommer dazu nur und erklärt: es sei der Moment gewesen, in dem klar war, dass sie gewonnen hätten: „Alles läuft wie im Film ab, da bekommt man gar nicht alles richtig mit.“

Bei der Ankunft in Aulendorf am Abend gegen 20 Uhr wurden die Gewinner des Närrischen Ohrwurms bereits erwartet. (Foto: privat/Julia Kramer).

Ganz zu Ende war der Film nach der Live-Übertragung aber noch nicht. Im Bus ging es mit den Fans zurück nach Aulendorf, wo sich unter dem närrischen Volk die nahende Ankunft der Ohrwurm-Sieger in Windeseile verbreitete, wie eine Aulendorferin berichtet. „Das machte per Whatsapp die Runde wie ein Lauffeuer.“ Und so standen Abordnungen der Stadtkapelle und des Fanfarenzugs sowie geschätzte 200 bis 300 Aulendorfer bereit und empfingen die „EMB² & Die Aulendorfer“ am Schlossplatz. „Das war ein absolut ansteckendes Aulendorfer-Wir-Gefühl“, berichtet sie.

Feiern im „Aulendorfer-Wir-Gefühl“

„Wirklich im Kopf bleibt, dass es mit den Aulendorfern so super geklappt hat“, zieht Herkommer sein Fazit zum Närrischen Ohrwurm und lobt die Band, die sich so kurzfristig bereit erklärt habe, mitzumachen. Schließlich waren nur drei Wochen und eine richtige Probe Zeit, um das Lied entsprechend zu Arrangieren und den Auftritt vorzubereiten. „Den Spaß und die Harmonie, die wir hatten, das war echt beeindruckend.“

Bleiben wird den Musikern neben dem Titel Närrischer Ohrwurm auch die gleichnamige kleine Plastikskulptur, quasi der Oscar der Fasnetslieder. „Der steht zur Zeit bei mir daheim“, sagt Herkommer. Er soll künftig im Probelokal der „Aulendorfer“ einen Platz finden. „Dann kommen wir einmal im Monat vorbei und schauen, ob er noch da ist.“

Bericht: Schwäbische Zeitung Lokalausgabe Bad Waldsee 05.03.2019
Text: Paulina Stumm
2 Fotos: SWR/Alexander Kluge  
1 Foto: Julia Kramer

 

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Aulendorfer Band gewinnt „Närrischen Ohrwurm“

Die Band „EMB² & Die Aulendorfer“ haben den „Närrischen Ohrwurm 2019“ gewonnen. Wie der veranstaltende SWR mitteilt, belegt die heimische Band den ersten Platz beim Fastnachtshit-Wettbewerb des SWR Fernsehens.

Die Teilnehmer aus Aulendorf beim „Närrischen Ohrwurm“. (Foto: SWR/Alexander Kluge.)

Ingesamt acht Kandidaten standen am Fastnachtssonntag ab 16 Uhr zur Wahl des „Närrischen Ohrwurms 2019“. Gesiegt haben am Ende der zweistündigen Live-Sendung, die von Sonja Faber-Schrecklein moderiert wurde, „EMB² & Die Aulendorfer“ mit ihrem Song „Aulendorf zur Fasnetzeit“, heißt es in der Pressemitteilung. Auf Platz zwei landeten „Die Kellerspatzen und Freunde“ aus Engen und Platz drei belegte „Friedel Kehrer – a Bronnweiler Weib“ aus Reutlingen-Bronnweiler. Voraussetzung für die Teilnahme seien auch bei der 12. Ausgabe des „Närrischen Ohrwurms“ eingängige, fastnächtliche und handgemachte Stücke gewesen – Coversongs waren ausgeschlossen. In der Abstimmungspause gab es ein Wiedersehen mit den Vorjahressiegern, der „Peng Gang“ aus Lauchringen und ihrem Hit „Salli, Salli“.

Promi-Jury entschied erstmals mit

Zum ersten Mal in der Geschichte des „Närrischen Ohrwurms“ durfte die Promi-Jury die närrischen Hits nicht nur fachkundig kommentieren, sondern auch bewerten, geht aus der Pressemeldung hervor. Sängerin und Musikerin Alexandra Hofmann, Musiker und Comedian Sven Hieronymus und Sänger und Entertainer Hansy Vogt hätten jeweils Punkte vergeben und die Vorauswahl für das Publikum getroffen. Von den acht Bands, die am Wettbewerb teilnahmen, kamen die fünf Fastnachtsmusikanten mit den meisten Punkten in die Endrunde, in der dann das Publikums gefragt war. Via TED stimmten die Gäste in der Stadthalle Singen und die Fernsehzuschauer Zuhause ab. Die Preise für die Sieger sind ein professionell hergestelltes Musikvideo, eine CD-Produktion in den Tonstudios des SWR und ein Profi-Fotoshooting.

Bericht: Schwäbische Zeitung Lokalausgabe Bad Waldsee 04.03.2019
Text: SZ

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