Kategorie: Berichte

Hemdglonker verabschieden die Fasnet

Aulendorfer Narren ziehen nochmals durch die Stadt – Narrenbaum ist gefällt

Die Stimmung beim Abschied von der Fasnet? „Wie sagt man: ‚S goht drgega.“ Es geht schon wieder auf die Fasnet zu. Das sagt zumindest Corinna Scheffold, die mit zahlreichen anderen gut gelaunt beim Hemdglonker-Umzug in Aulendorf am frühen Dienstagsabend dabei gewesen ist. Ganz der Abschied ist es zu diesem Zeitpunkt auch noch nicht gewesen, folgten dem Umzug doch der letzte Tanz um den Narrenbaum, bevor die Fasnet verbrannt und der Baum gefällt wurde.

Elisabeth Weißenrieder (links) und Corinna Scheffold sind mit ihren Enkelinnen Lena und Emmi zum Hemdglonkerumzug gegangen.

Mit Laternen, Fackeln, Nachthemd, Schlafhose und -mütze – wenn nicht in weiß, dann passend zum Schal in den bunten Farben des Aulendorfer Eckhexentuchs – so sind die Hemdglonker durch Aulendorf gezogen. Unter ihnen auch Corinna Scheffold und Elisabeth Weißenrieder mit ihren Enkelinnen Emmi und Lena. Neben Bettfedern im Haar und aufgemalten Tränen auf dem weiß geschminkten Gesicht haben sie auch allerlei „Geräuschmacher“ mitgebracht, von Rasseln und Rätschen bis zum kleinen Handschellenbaum – den ein gewitztes Kind passenderweise als „Schellenzweig quasi“ vorstellt. Das Aulendorfer Fasnetsleben an die Enkel weiter zu geben, das sei schön und ihnen wichtig betonen diebeiden Omas.

 

Die Narrenrichter verlesen die Fehltritte der Fasnet. Das Urteil ist eindeutig: „Die Fasnet ist an allem schuld.“

Am Schlossplatz angekommen dauert es nicht lange, bis dort das Spiel beginnt. Die Narrenrichter erscheinen mit den Henkern. Aufgezählt werden allerlei Vergehen von laut lästern, aus der Flasche trinken, Mädchen anlügen, Männer vernaschen und mancher soll sich gar nicht mehr gewaschen haben. Das Urteil ist eindeutig: „Die Fasnet ist an allem schuld, drum wird das Seil jetzt abgespult.“ Zum Spiel dazu gehört nun auch, dass die Fasnet in Form einer menschengroßen Puppe aufgehängt und verbrannt wird – ein eindrücklich-schauriges Bild für das Ende der Fasnet. Und während die Puppe heuer erst beim zweiten Anlauf, dann aber unter lautem Geknalle von Feuerwerkskörpern in Flammen aufgeht, tanzen die Narren noch einmal um ihren Narrenbaum, dem es im Anschluss an den Kragen geht.

Während Bauhofmitarbeiter die Fällung vorbereiten, spannen ein paar Eckhexen die starken Seile und verhelfen dem Baum auch in diesem Jahr zu einem schnellen und sicheren Fall auf den Schlossplatz. Kaum liegt der Baum, stürmen die ersten Zuschauer herbei und schnappen sich ihren Teil vom Baum. Besonders beliebt sind Äste mit bunten Bändeln. Einen davon ergattert auch Klaus Schmid, der ihn seinen Kindern als Andenken an die Fasnet mitbringt: „Ein Zweig, damit die Fasnet wieder wachsen kann.“

Bericht: Schwäbische Zeitung Lokalausgabe Bad Waldsee 26.02.2020
Text und Fotos: Paulina Stumm

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Premiere mit dem inklusiven Umzug in Aulendorf

Tausende Narren und Ulkgruppen strömen zwei Stunden lang durch die Stadt

Stürmisches Wetter zog am Sonntagnachmittag über Aulendorf hinweg. Dies hatte den Vorteil, dass es von oben her trocken blieb und so konnte sich die Aulendorfer Narrenzunft auch dieses Jahr wieder über einen sehr starken Zuschauerzustrom freuen. Ein Grund dürfte sicherlich der barrierefreie und inklusive Umzug sein, der schon im Vorfeld der Fasnetsveranstaltung für Schlagzeilen gesorgt hatte.

Zu Gast aus Tettnang: die Hopfennarren

Zum bunten Treiben in der Stadt gehörten auch die rund 30 Gehörlosen die aus ganz Oberschwaben zusammen gekommen waren, um gemeinsam einen Umzug anzuschauen. Wie all die Jahre zuvor wurde das Umzugsgeschehen von Michael Weißenrieder moderiert – eine kurzweilige und informative Moderation, die jetzt zum ersten Mal simultan in die Gebärdensprache übersetzt wurde.

Walter Karg, selber schwerhörig, leitet einen Gehörlosenverein in Friedrichshafen. „Als wir von dem Simultandolmetschen erfahren haben, war das für uns ein willkommenes Angebot, einmal gemeinsam auf einen Fasnetsumzug zu gehen“ erklärt er. Gegenüber der Gruppe stehen auf dem Tribühnenwagen Isolde Drössel und Elli Schob die während des knapp zweistündigen Umzugs unentwegt das Gehörte in die Genärdensprache übersetzen. „Das war ziemlich anstrengend“ erklärt Schob im Gespräch mit der „Schwäbischen Zeitung“, „denn man muss schnell sein, damit die Gehörlosen zusammen mit den anderen Leuten lachen können, oder rechtzeitig Applaus spenden können“. Für die Narrensprüche und den Aulendorfer Narrenmarsch war etwas Vorbereitung nötig, aber neue Gebärden mussten für die Fasnet nicht erfunden werden. Eine Übersetzung der Narrensprüche brauchte es nicht nur für die heimischen Eckhexen, Fetzle, Schnörkele, Tschore und Rätschen, sondern natürlich auch für die neun Gastzünfte die im Umzugsverlauf für Abwechslung sorgten.

Gäste von überall her kamen nach Aulendorf.

Aus der Nachbarstadt Bad Waldsee grüßten die Narrenzunft mit einem kräftigen AHA, die Altshauser klangen ähnlich aber doch anders, nämlich O-HAAA. Eher als Zungenbrecher gilt das „Schelle, schelle – Schell – au“ aus Wangen und auch beim Stoinabacher „Bobbele, Bobbele – Stoninabach“ gilt es aufzupassen. Ein kurzes knackiges „Kügele – Hoi“ ruft man in Ehingen und mit „Montfort – Jehu“ grüßen die Tettnanger Narren. Die Marbacher Narrenzunft grüßt mit „Fell – Lädsche“, die Bomser rufen „Kellergoischdr“ und in Zollenreute heißt es „Zolli Zolli – Rugg Rugg“. Dem stehen die rund 30 Ulkgruppen in nichts nach, die sich speziell für den Umzug sinnvolle und sinnlose Sprüche einfallen lassen.

Farbenfrohe Kostüme.

Um den närrischen Bandwurm nicht nur zu hören, sondern auch zu sehen bedarf es natürlich einer freien Sicht auf das Umzugsgeschehen. Doch als Rollstuhlfahrer in der zweiten Reihe geht das eben nicht mehr, erklärt Franz Kemper am eigens geschaffenen Rolliplatz. Damit das mit der ersten Reihe klappt, dafür sorgt Eric Buraty von der Narrenzunft. Doch die Resonanz auf das Angebot ist verhalten. Fünf Rollifahrer, die überwiegend aus der benachbarten Senioren-WG am Schlossplatz gekommen sind, freuen sich am Angebot, erklärt ihr Begleiter Andreas. Die Zünfte haben es aber sehr wohl registriert, denn die Gutzle und Geschenkeausbeute bei den Rollifahrern ist enorm.

Die Premiere der integrativen Fasnet ist vor allem bei den Gehörlosen sehr gut gelungen. Das Angebot für die Rollifahrer war noch nicht überall bekannt, wie man anhand der vielen Rollstühle zwischen den Zuschauerreihen sehen konnte.

Bericht: Schwäbische Zeitung Lokalausgabe Bad Waldsee 24.02.2020
Text und Fotos: Dietmar Hermanutz

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Narren befreien Schüler und stellen ihren Baum

In den Schulen und auf dem Schlossplatz ging es hoch her

Die Narren haben in Aulendorf vollständig die Macht übernommen. Fröhlich, bunt, fetzig und friedlich – so wurde am Vormittag der Gumpige gefeiert. Los ging es am Morgen mit der Befreiung der Schüler in der Grundschule und am Schulzentrum, bevor auf dem Schlossplatz der Narrenbaum gestellt wurde. Pünktlich zu diesem Ereignis kam die Sonne hervor.

Schülerbefreiung am Aulendorfer Schulzentrum.

Kurz vor 10 Uhr läuteten Kanonenschläge auf dem Schulhof des Schulzentrums den Sturm der Narren ein. Silke Hubig, Leiterin des Gymnasiums, und Claudia Kösler, stellvertretende Leiterin der Schule am Schlosspark, hatten keine Chance. Sie wurden gefangen genommen und entmachtet. Schulleiter Christof Lang hatte Glück, ihm ging es nicht so schlimm an den Kragen, da er mit der Schülerband „Starke Töne“ während der Befreiung in der Aula für Stimmung sorgte. Anschließend ging es in einem kleinen Umzug zum Schlossplatz.

 

Schwellköpfe am Umzugsweg

Die ebenfalls befreiten Grundschüler waren da noch auf dem Weg und genossen den Gutsleumzug zum Schlossplatz. Für Begeisterung bei den Kindern sorgten auf dem Umzugsweg wieder die Schwellköpfe, die aus den 50er-Jahren stammen und bereits seit 2018 wieder mit dabei sind. Sie verteilten entlang der Straße und aus geöffneten Fenstern Gutsle, Brezeln und Würstle an die Kinder – auch von Hausdächern und vom Schlossbalkon herunter schmissen sie ihre begehrten Spezialitäten. Auf dem Schlossplatz angekommen bewachten Eckhexen die gefangene Grundschul- Konrektorin Petra Guddat (im Weihnachtsmann-Häs).

 

Narrenlochsucher am Werk.

Höhepunkt des Vormittags war das Narrenbaumstellen, das wieder süffisant moderiert vom stellvertretenden Zunftmeister Florian Angele ein lustiges Spektakel war. Ohne die Narrenlochsucher – und mit Guido samt seinem Narrenlochbohrer – ein unmögliches Unterfangen. Doch nach einer Weile gelang es den Suchern unter Anfeuern der Kinder und zum Erstaunen von Angele dann doch noch, das Narrenbaumloch zu finden.

In Etappen stellten die Zimmermänner den prächtigen Baum. Für musikalische Unterhaltung sorgten zwischendrin die Schalmaien, die Schülerkapelle „Starke Töne“, die Krachkapelle und die Lumpenkapelle Schindelbach-Zollenreute. Und dann, siehe da, war es geschafft. Der Baumstamm passte prima ins Loch. Zur Freude tanzten kleine und große Narren ausgelassen um den Baum.

Burgraf Andreas I. (Andreas Herkommer) wurde mit Haribo aufgewogen.

Ein süß-närrisches Treiben bot sich gleich im Anschluss, als Burggraf Andreas I. in seinem Polstersessel mit Gummibärchen aufgewogen wurde. Eine amüsante und wohlschmeckende Angelegenheit für die Kinder.

So war der Vormittag wieder rundum gelungen, und passend zum Fasnetsmotto „Fabelwelten der Magie“ gab es viele bunte Häser zu bestaunen – Feen, Zauberer, Wikinger, Hexen, aber auch Clowns und alle möglichen Tiergestalten säumten die Schulen und den Schlossplatz.

 

 

Bericht: Schwäbische Zeitung Lokalausgabe Bad Waldsee 21.02.2020
Text und Fotos: Karin Kiesel

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FASNET IN AULENDORF-Voller Zauber und Fantasie

Beeindruckende „Fanta“-sie-Flaschen

Mystische Gestalten und allerlei buntes Fabelgetier sind unter einem strahlenden Himmel des „Gumpigen“ Donnerstagnachmittags durch Aulendorfs Straßen gezogen. Damit haben es die Ulkgruppen beim Kinderumzug einmal mehr geschafft, das jährlich wechselnde Fasnetsmotto umzusetzen, welches da heuer lautet: „Fabelwelten der Magie – eine Fasnet in Auladorf voll Zauber und Fantasie“.

Wie viele Stunden Arbeit wohl in so manch einem aufwendig gestalteten Kostüm stecken mögen? Man weiß es nicht. Eines steht indes jedoch sicherlich fest: Die Aulendorfer haben wieder fleißig gebastelt, geklebt, genäht und darüber hinaus vor allem auch schon bei den Ideen für die Kostüme ihre „Fantasie“ spielen lassen.

Magxie-Köche auf der Walz.

Allerlei Magisches, Zauberhaftes und auch so manch lustiges Geschöpf tummelten sich auf der Hauptstraße über die Mocken- und Allewindenstraße hinab bis in die altehrwürdige Stadthalle. Von schillernden Feuervögeln und gefährlich anmutenden Drachen über mystische Medusen und schaurige Waldwesen bis hin zu großartig gestalteten „Fanta-“sie-Flaschen und ulkig lustigen „Mag(g)ie“-Köchen war wahrlich alles vertreten. Musikalisch begleitet wurde der heiter springende Tross teils durch eigene Musikboxen auf selbst gezimmerten Wagen sowie von so mancher „Guggenmusik-Kapelle“ und letztlich natürlich durch die zahllosen jubelnden Zuschauer am Straßenrand.

 

Die Schlossdrachen lassen es beim Umzug in Aulendorf richtig krachen.

Passend zum Thema hatten sich die anwesenden Ulkgruppen natürlich auch in diesem Jahr wieder Schlachtrufe einfallen lassen wie etwa „Schlossdracha-losset’s kracha!“ oder Wortspielereien wie „Shreklass nach“. Dem Zug voran ging auch in diesem Jahr wieder eine Schar von bunten, ausgelassenen Clowns. Das Umzugsende bildeten traditionell Burggraf und Zunftmeister nebst Hofstaat sowie die bekannten Aulendorfer Masken.

Dass dann auch noch das Wetter mitspielte, welches so trocken und warm daherkam, scheint hierbei beinahe gerechter Lohn. Und letzten Endes natürlich die freudigen Gesichter der großen und vor allem auch kleinen Umzugsbesucher.

 

Bericht: Schwäbische Zeitung Lokalausgabe Bad Waldsee 21.02.2020
Text und Fotos: Julia Kramer

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Masken sind vom Bann befreit

Spiel am Hexeneck wird in Gebärden übersetzt – Narren übernehmen die Macht

Aulendorf ist in Narrenhand: Mit der mystischen Maskenbeschwörung am Hexeneck und dem anschließenden Sturm aufs Rathaus samt Übernahme der Amtsund Schlüsselgewalt und der närrischen Regierungserklärung ist Aulendorf in die hochnärrischen Tage gestartet. Das traditionelle Spiel am Hexeneck hatte in diesem Jahr einen besonderen Gast. Eine Gebärdensprachdolmetscherin übersetzte das Gesagte für Gehörlose.

Die Kirchturmglocken haben das 19 Uhr-Läuten gerade hinter sich gebracht, da nähern sich die getragenen Laute der Fanfaren. Der Fanfarenzug zieht einmal im Dunkel des frühen Abends über den Platz unterhalb des Schlosses, um den sich die Zuschauer drängen. Den Musikern folgt Burggraf Andreas I (Andreas Herkommer) mit seinem Hofstaat: das Spiel beginnt.

Die Maskenbeschwörung ist ein, wenn nicht gar das Kernstück, in den Traditionselementen der Aulendorfer Fasnet. Unter den Augen der Zuschauer ruft der Burggraf den Maskenmeister herbei, der die Masken vom Bann befreit und damit das närrische Treiben in der Stadt einläutet. Das Schauspiel, das so manchem Fasnetsfreund Tränen der Freude und Rührung in die Augen treibt, lebt dabei auch von dem großen Feuer, um das Eckhexen, dann Tschore und Rätsch, Schnörkele und zuletzt die Fetzle zunächst langsam schleichen und später ausgelassen tanzen.

Gebärdensprachdolmetscherin Elli Schob war bei der Maskenbefreiung am Hexeneck im Einsatz. MIt einer Kollegin wird sie am Sonntag beim Großen Narrensprung erneut dolmetschen. FOTO: DPA/FELIX KÄSTLE

In diesem Jahr war die Geschichte indes erstmals nicht nur zu sehen und aus den Lautsprechern zu hören. Am Rand des Platzes hatte sich vor einem der dortigen Gebäude auf einem kleinen, vom Licht der hohen Lampen angestrahlten Podest Elli Schob eingefunden. Die Gebärdensprachdolmetscherin übersetzte das Schauspiel simultan in Gebärden. Es ist einer der Bausteine, mit dem Stadt und Narrenzunft die Aulendorfer Fasnet für Menschen mit Behinderung zugänglicher machen wollen. Am Hexeneck ließ Schob in schnellen Begegnungen der Hände und Arme die gesprochenen Texte des Spektakels für ein paar gehörlose Besucher, die sich in ihrer Näher versammelt hatten, sichtbar werden. Und so erfuhren auch sie, wie der Maskenmeister der Aufforderung des Burggrafen nachkommt, die Masken zu rufen:

 

Der Maskenmeister entzündet das Feuer und ruft nach und nach die Masken zu sich. Dann löst er ihren Bann. FOTOS: PAULINA STUMM

„Ha, ha, ha, das mach’ ich gern, für meinen Burggraf, meinen Herrn! Gleich nimmt der Zauber seinen Lauf – ich befehl’, Nacht, tu dich auf!“ In schwarzem Umhang und mit spitzem Hut tritt der Maskenmeister (Michael Weißenrieder) auf und entzündet in der Mitte des Platzes ein loderndes Feuer, bevor er nach und nach die Masken mit Beschwörungsformeln zu sich ruft, zuletzt die Fetzle: „Kommt herbei, froh und lustig alles sei!“ Sehr zur Freude des Burggrafen, seines Hofnarrs (Britta Wekenmann) und des Zeremonienmeisters (Jürgen Müller) tummeln sich alsbald zahlreiche Masken in Kreis umdas Feuer. Noch aber ist die Stimmung gedrückt, verhalten. Doch gleich wird es sich wandeln. Es ist der Moment, den nicht nur die Maskenträger sondern auch das Publikum herbeisehnen: „Ihr Masken alle miteinand’ gelöst ist wieder euer Bann!“ Und begleitet vom Klatschen der Zuschauer, dem Rhythmus des Aulendorfer Narrenmarschs und dem sich langsam steigernden Schellen der Glocken und Glöckchen der Narrengewänder bricht sich Freude Bahn und es beginnt der erste Tanz der frisch befreiten Masken.

 

 

 

 

Eckhexen belagern das Schloss, die Bürgerwehr verwehrt den Zugang.

Bürgermeister Matthias I. rückt den Schlüssel der Stadt heraus. FOTO: K. KIESEL

Dabei allein bleibt es indes nicht, denn den Burggrafen reizt die „Macht des Regierens“, und so zieht er in Begleitung der Masken und seines Gefolges sodann zum Sturm aufs Rathaus. Dort allerdings verwehrt die Bürgerwehr den Zugang, denn Bürgermeister und Stadtrat zeigen sich wenig willig, ihren Platz zu räumen. „Der Schultes lässt sagen: er denkt nicht dran, weil er das Regieren viel besser kann“, verlautet es aus dem Schloss. Letztlich aber geben die Mannen der Bürgerwehr der Belagerung durch die Eckhexen nach, bevor noch Narrenblut vergossen wird, und lassen die Narren herein. Alsbald erscheinen sie mit Bürgermeister Matthias I. (Matthias Burth) auf dem Balkon, der die Amts- und Schlüsselgewalt  einschließlich des Narrenrechts unter den Augen der zahlreichen Besucher an den Burggrafen übergibt. Und so bleibt dem Zeremonienmeister die Proklamation: „Von dieser Stund’ an bis Aschermittwoch gilt die Narrenfreiheit in Aulendorf!“  Der Zunftmeister und seine Räte gestalten die Tage, wachen aber auch darüber, „dass nichts Unehrenhaftes und Schlechtes, Anstößiges und Sittenwidriges geschehen wird“. Es folgt die erste Amtshandlung, das Verlesen der närrischen Regierungserklärung.

Bericht: Schwäbische Zeitung Lokalausgabe Bad Waldsee 20.02.2020
Text: Paulina Stumm
Fotos: Paulina Stumm, K. Kiesel, DPA/Felix  Kästle

 

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„Wir haben eine sechs Meter lange Messlatte gebastelt“

Peter Baumann erklärt die seit 1965 zum Gumpigen gehörende Aulendorfer Tradition des Narrenlochsuchens

Peter Baumann

Sie gehören zwar nicht zum Brauchtum der Schwäbisch- Alemannischen Fasnet, aber trotzdem haben die Narrenlochsucher in Aulendorf eine lange Tradition. Paulina Stumm hat sich mit dem Leiter der Narrenlochsucher- Gruppe, Zunftrat PeterBaumann, unterhalten.  Im Interview verrät der 46-Jährige, wo das Narrenlochsuch- Spiel seinen Ursprung hat.

 

 

Das erste Narrenlochsuchen fand 1965 statt mit (von links) Kaplan Konrad Kückenweitz, Kaplan Otto Beck und Zunftrat Waldemar Münst.

Herr Baumann, wer sind die Narrenlochsucher?
Wir sind eine Gruppe der Narrenzunft, die momentan aus sechs Leuten besteht. Wir treffen uns immer so ab September/Oktober, um zu besprechen, was wir um das Spiel der Narrenlochsuche herum in diesem Jahr machen. Unsere Aufgabe ist auch, einmal im Jahr zur großen Narrenlochsucher-Sitzung zu laden. Da nehmen auch die Rektoren der Schulen, die Zimmermänner, der Bauhof, die Musiker und die Kanoniere teil – alle, die am Gumpigen und beim Narrenbaumstellen involviert sind – und wir besprechen den Ablauf und organisieren. Ich schreibe das Programm um das Narrenlochspiel und verteile es an Burggraf, Clown, Zeremonienmeister und meinen Co- Moderator Flo.

 

Früher wurde der Narrenbaum nicht wie heute auf dem Schlossplatz, sondern bei der Schule, heutige Grundschule, aufgestellt.

Für alle neu Zugezogenen, was ist die Narrenlochsuche?
Ein Spiel vor dem Narrenbaumstellen am Gumpigen (Donnerstag, 20. Februar, Anmk. d. Red.). Im Wesentlichen läuft es immer gleich ab: Wir suchen das Narrenloch und finden es dann auch. Aber wir schmücken das Geschehen etwas aus. Die Zimmermannsgilde kommt, um den Baum zu stellen, und findet das Loch nicht, dann schickt der Burggraf den Hofnarren, der holt die Narrenlochsucher zu Hilfe. Oft greifen wir in unseren Kostümen das Fasnetsmotto auf, oder wir sind in klassischer Narren lochsucher-Kleidung unterwegs. Wir bauen unser Mess-Equipment zum Einmessen des Narrenlochs auf und legen am Ende das Loch mit unserem Bohrer frei.

Ihnen ist klar, dass das für nicht Eingeweihte etwas seltsam klingt?
Ja schon, aber es geht darum, einen Anziehungspunkt für die Schüler zu schaffen und das Narrenbaumstellen mit etwas Spiel drum herum attraktiver für die Zuschauer zu machen. Seit zwei Jahren verteilen wir auch die Liedtexte, sodass alle mitsingen können.

 

 

 

Szene nach dem Narrenbaumstellen im Jahr 1965.

Lief die Narrenlochsuche denn immer schon so ab?
Nein, nicht ganz. Das Spiel wurde 1965 vom damaligen Zunftrat Waldemar Münst, Kaplan Beck und Kaplan Kückenweitz aus der Taufe gehoben. Schüler, Eltern und Lehrer fanden es sehr lustig, dass die Kapläne und Zunftoberen so lustig sein können und quasi jeden Blödsinn mitmachen. Sinn und Zweck war der gleiche, aber es lief etwas anders ab, damals wurde der Narrenbaum noch bei der Schule gestellt und das Narrenloch in Frack und Zylinder gesucht. Nachdem es gefunden war und der Baum stand, soll ein jüngerer Lehrer auf einem Baumstamm durchs Dorf geschoben worden und beim Umzug mit dabei gewesen sein. Das Ganze war wohl damals der Knaller und die Schüler fanden es toll, weil es nicht selbstverständlich war, dass es solchen Blödsinn drum herum gab. Die Narrenlochsucher, wie man sie heute kennt, im Bauanzug, mit Helm und Messlatte, gibt es erst seit den 80er-Jahren. In diesem Jahr haben wir als  Wiedererkennungszeichen übrigens eine sechs Meter lange, zusammensteckbare Messlatte gebastelt.

Bericht: Schwäbische Zeitung Lokalausgabe Bad Waldsee 18.02.2020
Text:  Paulina  Stumm
Fotos: Narrenzunft

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Magische Fabelwesen feiern in der Stadthalle

Publikum erlebt beim Aulendorfer Zunftball ein tanzfreudiges Programm und einen Filmdreh mit Hindernissen

Ganz getreu dem Motto der diesjährigen Aulendorfer Fasnet „Fabelwelten der Magie“ ist die Aulendorfer Stadthalle am Samstagabend mit Fabelwesen aller Art vollgepackt gewesen. Eröffnet wurde der dortige Zunftball durch den Fanfarenzug, der in die Halle einzog. Florian Angele von der Narrenzunft Aulendorf begrüßte die verkleideten Besucher. „Wir machen das heute so wie immer, bloß nicht ganz so gut, sonst kommen die jedes Jahr“, scherzte Angele in Bezug auf das Kamerateam des SWR Fernsehens die auf dem Zunftball drehen sollten.

Mit dem Einzug von Burggraf Andreas dem Ersten und seinen Hofpagen ging es dann richtig los. Die Hofpagen machten den Anfang mit einem von ihnen einstudierten Tanz. Für die Musik zwischen den Programmpunkten sorgte die Band „KAU-boyz“, die auch nach dem Programm noch für Partystimmung sorgte. Der nächste Auftritt waren die „Tanzbären“ aus Oggelshausen. Die sechs Männer im Schottenrock führten ihren Auftritt im Jumping vor, eine Sportart auf kleinen Trampolinen, bei der eine Choreografie zu schneller Musik einstudiert wird. Das begeisterte Publikum forderte auch sofort eine Zugabe, der die „Tanzbären“ gerne nachkamen.

Moderator Andreas Stöckler.

Der nächste Programmpunkt hatte schon eine lange Tradition. Seit 1983 gibt es laut Moderator Andreas Stöckler schon das „Männerballett“. Bei ihrem Theaterstück in dem verschiedene Fabelwesen vorkamen, erzählten sie „Geschichten mit und ohne wahren Hintergrund“ über die Ereignisse, die in und um Aulendorf im vergangenen Jahr stattgefunden haben. So wurden beispielsweise Anekdoten über das Eisenbahnfest oder das Hubertusfest erzählt. Auch die Aufregung um den Hundebadetag im Steegersee wurde in der Geschichte verpackt und natürlich gab es auch wieder kleine Anspielungen auf die Waldseer AHA-Zunft.

Zum letzten Mal waren dieses Jahr die „Hot Steps“ beim Zunftball dabei, die eine Tanznummer aufführten. Auch hier wollte das Publikum eine Zugabe.

Der Höhepunkt des Programms beim diesjährigen Zunftball war aber wohl der Auftritt der EinMannBand², zu dem auch das SWR-Fernsehen da war. Die Band hatte mit dem Lied „Auladorf zur Fasnetszeit“ bei dem Wettbewerb um den Närrischen Ohrwurm 2019 mitgemacht und gewonnen. Die Band gab bei ihrem Auftritt alles und auch das Publikum war in bester Stimmung und sang begeistert mit. Leider wurde dem Fernsehteam erst nach dem Auftritt bewusst, dass ihre Kameras keinen Akku hatten – also alles wieder auf Anfang. Doch die kleine Panne trübte die Stimmung nicht, so dass sowohl die Band als auch das Publikum beim zweiten Mal mindestens genau so viel Spaß hatten.

Auch die Aulendorfer Fasnetsband „Bollystop“ hatte einen Auftritt, bei dem sie zwei Lieder sangen, in denen es ebenfalls um die Fasnet und um alles, was in Aulendorf im zurückliegenden Jahr so passiert ist, ging.

Bei der Kostümprämierung landeten die „Feuervögel“ auf dem ersten Platz.

Als letzten Programmpunkt führten die „Celtic Boys“ einen Tanz und ein Lied auf. Verkleidet als irische Kobolde hatten sie einen aktuellen bekannten Hit umgedichtet und sangen nun „Aule, ich kann nicht mehr denken, ich glaub es ist Fasnet“.

Nach diesem Auftritt stand noch die jährliche Kostümprämierung auf dem Programm, bei dem die „Feuervögel“ mit ihrem aufwändigen Kostüm aus vielen Federn und mit großen Flügeln eindeutig gewannen.
Die „KAU-boyz“ sorgten dann mit ihrer Musik für die richtige Partystimmung, so dass alle auf dem Zunftball auch noch richtig tanzten und feierten.

Bericht: Schwäbische Zeitung Lokalausgabe Bad Waldsee 17.02.2020
Text und Fotos: Anna Markert

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Filmteam dreht Musikvideo in Aulendorf

Gewinner des Närrischen Ohrwurms 2019 lösen ihren Preis ein – Stadthalle ist Drehort

Rund ein Jahr ist es her, dass Aulendorfer Musiker mit dem Fasnetsschunkler „Auladorf zur Fasnetszeit“ den Närrischen Ohrwurm, einen Fastnachtshit-Wettbewerb des SWR-Fernsehens, gewonnen haben. Am Freitag war es nun endlich so weit, und die Musiker von „EMB2 & Die Aulendorfer“ bekamen ihren Preis: ein professionell gedrehtes Musikvideo zu ihrem Hit.

Kamera läuft! Sänger Andreas Herkommer stand mit der Band „Die Aulendorfer“ für ein Musikvideo auf der Stadthallenbühne.

Am Freitagnachmittag gegen 14.30 Uhr steht Andreas Herkommer – Sänger und zusammen mit Teil zwei der EinMannBand2, Peter Baurmann, Erfinder des neuen Aulendorfer Fasnetsschunklers – in der bunt geschmückten Aulendofer Stadthalle auf der Bühne und schmettert zum wiederholten Mal Liedzeilen aus „Auladorf zur Fasnetszeit“. Auf seinen Bandkollegen Baurmann müssen an diesem Tag allerdings alle verzichten, er fällt krankheitsbedingt aus und der Drehtermin, der an das närrische Treiben in der Stadthalle gebunden ist, war nicht verschiebbar. „Ein Wermutstropfen“ zwar, wie Herkommer sagt, trotzdem ist die Stimmung am Set fröhlich. Und auch die Kollegen der Band „Die Aulendorfer“ machen konzentriert mit – zumindest dann, wenn die Kamera mal läuft, denn neben Wiederholungen gehören auch Wartepausen zu einem solchen Drehtag dazu. Jetzt bekommt Schlagzeuger Dieter Langlouis erst mal eine Minikamera direkt
vor die Nase gebaut, dann noch einmal eine Runde Puder in Herkommers Gesicht, ein paar zusätzliche Anweisungen für die Kamerafrau von der Regie und dann geht es wieder weiter. Kamera läuft.

Zwei Mediengestqalter im ersten Ausbildungsjahr durften beim Dreh erstmals unter Anleitung erfahrener Kameraleute selbst filmen.

Eines allerdings fällt auf: Gedreht wird mit Playback-Musik, denn die Tonaufnahmen wurden bereits Anfang Januar im SWR-Studio in Stuttgart aufgezeichnet. Was für Szenen nun genau gedreht werden, ist noch ein bisschen geheim. Nur so viel: Als Komparsen sind ein paar Aulendorfer Masken an diesem Freitagnachmittag in die Stadthalle gekommen. Für den Ton dürfen zwei Schnörkele dann auch noch mal extra ihre Schellen erklingen lassen: gar nicht so einfach, ohne dabei zu hüpfen, denn das hat der Tontechniker auf dem knarzenden Holzboden verboten. „Wir haben das Drehbuch zusammen erarbeitet“, berichtet Herkommer von den Vorbereitungen mit dem Filmteam. Dabei habe man sich am Text des Lieds orientiert, das wie der Titel schon verrät, das närrische Treiben in der Aulendorfer Hochfas- TTnet vorstellt. „Die Kunst ist jetzt, dass es am Ende so herauskommt, wie wir es uns gedacht haben – spannend wird auch, was aus den vielen Stunden Filmmaterial am Ende tatsächlich im Video landet.“ Der SWR ist mit rund zehn Teammitgliedern für den Videodreh nach Aulendorf gekommen. „Es ist auch ein Ausbildungsprojekt“, erklärt Klaus Woede vom Landessender-Marketing und an diesem Tag für die Regie zuständig. Zwei Mediengestalter-Azubis, eine junge Frau und ein junger Mann, dürfen erstmals unter Anleitung erfahrener Kameramänner selbstständig filmen.

Weitere Aufnahmen für das am Ende fünf Minuten und ein paar Sekunden lange Musikvideo werden außerdem am Samstagabend beim Zunftball entstehen – neben „EMB2& Die Aulendorfer“ auf der Bühne werden die Kameras dann auch ins Publikum schwenken. Wann es das fertige Video zu sehen geben wird, ist noch offen. Der Schnitt sei für Anfang März terminiert, sagt Herkommer. „Wenn wir es haben, wollen wir im Zunftheim ein kleines Fest machen.“

Bericht: Schwäbische Zeitung Lokalausgabe Bad Waldsee 15.02.2020
Text und Fotos: Paulina Stumm

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Eltern und Großeltern sind beeindruckt

Kindergartenkinder basteln Bilder zum Fasnetsmotto

Sehr turbulent ist es am Freitagnachmittag im Zunftheim der Narrenzunft Aulendorf zugegangen. Fand doch zum 16. Mal die Vernissage der Kunstwerke statt, welche in jüngster Zeit in den Aulendorfer Kindertageseinrichtungen angefertigt wurden. Zum diesjährigen Fasnetsmotto „Fabelwelten der Magie – eine Fasnet voll Zauber und Phantasie“ haben sich die Kinder mit ihren Erzieherinnen einiges einfallen lassen und nicht nur gemalt, sondern auch geklebt, Glitzer verstreut und sogar Fotos mit eingearbeitet.

Staunen in der Ausstellung (von links): Max (4) vom Kindergarten St. Martin und Lina (5) mit ihrem Bruder Linus (2) bei der Ausstellung im Zunftheim Aulendorf.

Eltern und Großeltern waren beeindruckt von der Vielfalt der Hexen, Drachen und weiterem Getier, das zu sehen war. Bürgermeister Matthias Burth lobte in seiner Ansprache die Narrenzunft, die sich sehr darum bemüht, schon den Kleinsten das Brauchtum nahezubringen.

Zunftmeister Rolf Reitzel und Stellvertreter Florian Angele überreichten den Erzieherinnen als Dank für ihr Engagement den Jahresorden. Die Kinder wurden für ihre Beiträge mit einem bunten Nachmittag belohnt.

Das Vorbereitungsteam unter Leitung von Vanessa Kraut und Sandra Daiber hat für viel Abwechslung gesorgt. Neben verschiedenen Bastelstationen konnten die Kids sich beim Kinderschminken in ein Fabelwesen verwandeln lassen oder beim Kasperletheater zuschauen. Kein Wunder, dass überall nur fröhliche Gesichter zu sehen waren. Am Samstag, 8. Februar, besteht von 14 bis 17 Uhr nochmals die Möglichkeit, die Kunstwerke anzuschauen und am Kinderprogramm teilzunehmen. Der Umsatz aus dem Verzehr beider Nachmittage wird unter den zehn Kindergärten verteilt, verkündete der Zunftmeister.

Bericht: Schwäbische Zeitung Lokalausgabe Bad Waldsee 08.02.2020
Text und Foto: Claudia Buchmüller

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„Wir stehen als Zunft voll hinter einer barrierefreien Fasnet“

Aulendorfs Zunftmeister lobt die Ideen des Behindertenbeauftragten –
Nach der Fasnet 2021 will Rolf Reitzel sein Amt niederlegen

Die Fasnet steht in den Startlöchern, spätestens mit der Maskenbeschwörung und der Übernahme der Amts- und Schlüsselgewalt am Mittwoch, 19. Februar, startet offiziell die Hochfasnet. Für die 1600 Hästräger der Aulendorfer Narrenzunft beginnt damit wieder die schönste Jahreszeit. Karin Kiesel hat mit Zunftmeister Rolf Reitzel über die diesjährige fünfte Jahreszeit, die neue barrierefreie Ortsfasnet sowie über das große Landschaftstreffen 2021 und seine geplante Amtsniederlegung nach diesem Großereignis gesprochen.

Herr Reitzel, wie laufen die Vorbereitungen für die diesjährige Fasnet?
Auf Hochtouren. Bislang läuft alles gut und wir sind voll im Plan. Jetzt kommt noch der Feinschliff, sodass wir eine schöne Fasnet haben können.

Noch wähnt sich die Stadtführung in Sicherheit, doch am 19. Februar werden die Aulendorfer Eckhexen trotz guter Bewachung das Schloss stürmen und die Narren wieder die Macht übernehmen. ARCHIVFOTO: PAULINA STUMM

In diesem Jahr gibt es erstmals eine barrierefreie Fasnet, damit nimmt Aulendorf eine Vorreiterrolle im Land ein. Wie sehr erfreut Sie das und welche besonderen Aufgaben bringt das in der Vorbereitung mit sich?
Es freut mich riesig, dass Herr Kemper als Behindertenbeauftragter der Stadt mit seinen Ideen auf uns zugekommen ist. Wir stehen als Zunft voll hinter einer barrierefreien Fasnet und versuchen, alles möglich zu machen. Es sind zwei Gebärdendolmetscher engagiert worden und für Rollstuhlfahrer soll es rund um die Zufahrt zum Schlossplatz gute Plätze für freie Sicht geben. Es wird spannend werden, wie viele Menschen die Angebote nutzen werden, das lässt sich jetzt natürlich noch nicht sagen.

„Fabelwelten der Magie – eine Fasnet in Auladorf voll Zauber und Fantasie“: Das Motto der diesjährigen Fasnet lässt den Besuchern wieder viel Raum für Kreativität. Was erwarten Sie alles an Ideenreichtum zu sehen?
Da lasse ich mich am Gumpigen wieder überraschen, wie die Leute alle aussehen. Das wird wie jedes Jahr sicher wieder bunt und lustig. Unsere ulkigen Gruppen sind da sehr kreativ und wir haben jedes Jahr eine große Freude daran. Da ich selbst als Zunft meister unterwegs bin und früher bereits als Burggraf, muss ich mir keine Gedanken zu einer Verkleidung machen, das mache ich dann zur Fasnet 2022.

Aulendorfs Zunftmeister Rolf Reitzel will nach dem großen Landschaftstreffen 2021 sein Amt niederlegen.

Heißt das, dass Sie als Zunftmeister aufhören wollen?
Ja, nach der Fasnet und dem Landschaftstreffen 2021 werde ich das Amt niederlegen, danach finden die Wahlen statt. Im Jahr 2012 wurde ich als Nachfolger von Klaus Wekenmann zum Zunftmeister gewählt, auch er hatte damals nach dem großen Landschaftstreffen aufgehört. Doch davor stehen erst noch zwei schöne und interessante Fasnetszeiten bevor.

Das Landschaftstreffen ist ein gutes Stichwort. Es findet am 30. und 31. Januar nächstes Jahr statt. Wie intensiv sind bereits die Vorbereitungen?
Wir sind seit einem halben Jahr bereits mit den Planungen und den Vorbereitungen beschäftigt. Von allen 34 eingeladenen Zünften haben wir mittlerweile die Zusagen erhalten. Nun haben wir auch die Genehmigung für die Freinacht erhalten, also Stück um Stück fügt sich eines zum anderen. Aktuell warten wir noch auf eine Zusage vom SWRFernsehen. Was wir beim Landschaftstreffen, das alle neun Jahre in Aulendorf stattfindet, auf jeden Fall auch anbieten werden, sind die inklusiven Angebote für eine barrierefreie Fasnet, die wir dieses Jahr neu haben und erstmals ausprobieren.

Zurück zum diesjährigen Motto: Stammt das wieder vom stellvertretenden Zunftmeister Flo Angele?
Die Vorschläge für das jeweilige Motto kommen auch teilweise aus den Reihen unserer Hästräger und ulkigen Gruppen. Flo Angele nimmt die Ideen auf und ist sehr kreativ dabei, daraus ein Motto vorzuschlagen. Das letztjährige Motto Zoo ging auch auf die Idee eines Hästrägers zurück. Gespannt bin ich in diesem Jahr auch wieder, wie die Kinder das Motto umsetzen, welche Fabelwesen sie malen werden und am Wochenende bei ihrer Ausstellung im Zunftheim präsentieren.

Ein Höhepunkt wird erneut der Narrensprung am Fasnetssonntag sein. Mit wie vielen Zünften und Besuchern rechnen Sie?
Es sind neun Zünfte mit rund 1000 bis 1500 Hästrägern dabei. Auch die Waldseer Zunft ist im wechselnden Turnus in diesem Jahr wieder in Aulendorf mit dabei, vielleicht kommen sie ja schon mit 1000 (lacht). Besucher waren es in den vergangenen Jahren in der Regel zwischen 1500 und 2000.

Bericht: Schwäbische Zeitung Lokalausgabe Bad Waldsee 04.02.2020
Text: Karin Kiesel
Foto: Paulina Stumm

 

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