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Zunft bekommt einzige Schnörkel-Maske als Leihgabe

Aulendorfer Narrenzunft feiert 70. Vereinsjubiläum – Fürs Fasnetsmotto 2020 geht’s in „Fabelwelten der Magie“

Eine Fasnet „voll Zauber und Fantasie“ soll die Aulendorfer Hallen- und Straßenfasnet 2020 werden – jedenfalls, wenn es nach dem diesjährigen Motto geht, das am Montag beim Martini-Frühschoppen bekannt gegeben wurde. Dort, im gut gefüllten Ritterkeller des Hotels Arthus, bekam die Zunft anlässlich ihres 70-jährigen Bestehens als Verein auch ein ganz besonderes Geburtstagsgeschenk überreicht: einen Schnörkel. Die Maske war in der 1950er-Jahren mitgesprungen.

Hedi Kaiser überreichte Zunftmeister Rolf Reitzel die Schnörkel-Maske als Dauerleihgabe für das Archiv der Narrenzunft. (Foto: Paulina Stumm)

„Mein Vater war 1949 Gründungsmitglied der Aulendorfer Narrenzunft“, mit diesen Worten leitete Hedi Kaiser ihre Erklärung zu dem einzigartigen Geburtstagsgeschenk ein. Denn eben diesem, Ignaz Efinger, ist es mit zu verdanken, dass die Aulendorfer Narrenzunft eine Maske mehr als Dauerleihgabe im Archiv aufbewahren kann: einen Schnörkel, quasi ein männliches Schnörkele. Diese Maske gibt es nur ein einziges Mal, ausgearbeitet hat sie der Saulgauer Bildhauer Alfons Scheck. Auf alten Schwarz-Weiß-Fotografien, von denen einige Abzüge unter den Festgästen herumgereicht wurden, ist sie – oder besser gesagt er – zu sehen: mit charakteristischem Spitzhut und Stickereien auf dem Häs klar an das Schnörkele angelehnt. Durchgesetzt hat sich der Schnörkel, der seinerzeit dem Schnörkele zur Seite gestellt werden sollte, nicht. Auch heute darf das Schnörkele – mit einer Ausnahme – ausschließlich von Frauen getragen werden.

In den 50er-Jahren sprang ein Schnörkel mit. (Foto: Narrenzunft)

Für die Narrenzunft nahm Zunftmeister Rolf Reitzel die Holzmaske entgegen. Eine Rarität an einem seltenen Jubiläumstag, denn die Zunft feierte nicht nur ihre Vereinsgründung am 11.11.1949, sondern auch zwei weitere Jubiläen. Nämlich, dass vor 340 Jahren, im Jahr 1679, Aulendorf ein narrenfreier Tag gewährt wurde und dass vor 80 Jahren der erste Umzug in Aulendorf stattfand.

Nicht alle Gäste hatten indes solch große Geschenke dabei. Bürgermeister Matthias Burth, der obligatorische Gruß- und Dankesworte verteilte und sich mit Zunftmeister Reitzel scherzhaft neckte, hatte „koi G’schenk dabei“ – Reitzel: „Nix anderes haben wir erwartet“ – dafür lieferte das Stadtoberhaupt auch gleich eine Erklärung. Ihm sei im Vorfeld zu verstehen gegeben worden, dass seine Geschenke der Vorjahre weniger gut angekommen seien. Stattdessen legte er der Zunft eine andere Errungenschaft nahe: „Wir haben eine neue Vereinsförderrichtlinie – das ist kein ’symbolischer Scheiß‘.“ Ein Hinweis, der bei Reitzel auf offene Ohren traf, sollen doch die Hofpagen zum Landschaftstreffen 2021 in neuem Stoff auftreten, „den Antrag bereiten wir gerade vor“. Ansonsten scheute Burth nicht den Oldtimer-Vergleich und attestierte der Zunft: „Reich an Kilometern, leichte Gebrauchsspuren, aber immer noch gut in Schuss.“

Das 2021 in Aulendorf anstehende Landschaftstreffen der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte war gleich mehrfach Thema. So verlas Reitzel etwa den offiziellen Antrag an die Stadt, vom 30. auf den 31. Januar eine Freinacht in Aulendorf mit entsprechender Aufhebung der Sperrstunde zu bekommen. „Ich weiß nicht, was es da zu genehmigen gibt – Freinacht haben wir in Aulendorf an der Fasnet doch immer“, zeigte sich Bürgermeister Burth unbeeindruckt, auch ob des Reitzel’schen Verweises auf die zahlreichen „Zeugen“ im Raum. Der Zunftmeister gab einen kurzen Einblick in die Planungen zum Landschaftstreffen und einen Überblick über dessen Ablauf. Offen ist indes noch eine gewünschte Live-Übertragung durch das Südwest-Fernsehen.

Für die an Dreikönig beginnende Fasnet 2020 bleibt in Sachen Burggraf und Hofstaat indes alles wie gehabt. Zunftmeister Reitzel überreichte das närrische Zepter an Burggraf Andreas I. Andeas Herkommer stellt sich für diese Aufgabe, nachdem es sich beruflich einrichten lässt, für weitere zwei Jahre zur Verfügung. Den Burggrafen an den närrischen Tagen begleiten werden die ebenfalls inthronisierten Hofnarren Ramona Angele und Britta Wekenmann sowie Zeremonienmeister Jürgen Müller. Herkommer, der mit der EinMannBand² und unterstützt von der Band „Die Aulendorfer“ den Närrischen Ohrwurm 2019 gewonnen hatte, kündigte an, dass es bei der diesjährigen Fasnet einen zugehörigen Videodreh geben wird. „Am Fasnetssonntag?“, schallte eine scherzhafte Frage aus dem Publikum, wohl in Anspielung auf Herkommers Ausfall als Burggraf beim Umzug im Vorjahr – der SWR zeichnete zeitgleich den Närrische Ohrwurm auf.

Mit dem von Florian Angele, stellvertretender Zunftmeister, in schwäbischen Reimen vorgetragenen Fasnetsmotto neigte sich der offizielle Teil des Frühschoppens dem Ende entgegen: „Fabelwelten der Magie – eine Fasnet in Auladorf voll Zauber und Fantasie“. Was man sich darunter vorstellen kann, lieferte Angele gleich mit: „Hexa, Magier und alles Fabelgetier, lasset eich verzaubra von dr Fasnet hier. Von Troll und Centauer bis Einhorn und Dracha, bei uns hend alle was zum Lacha.“

Bericht: Schwäbische Zeitung Lokalausgabe Bad Waldsee 12.11.2019
Text: Paulina Stumm
Foto: Paulina Stumm, Narrenzunft Aulendorf

 

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Narrenzunft Aulendorf feiert 2019 mehrere runde Geburtstage

1679, also vor  genau 340 Jahren, wurde Aulendorf bereits, durch die Grafen zu Königsegg-Aulendorf, ein narrenfreier Tag gewährt. Es ist zwar nicht belegt, aber auch nicht auszuschließen, dass sich zu dieser Zeit nicht nur z.B. Handwerker, Musikanten und Gaukler zu Zünften zusammen schlossen, sondern auch Fasnetsnarren. Der Narrengeist war also in Aulendorf seit Jahrhunderten nicht nur zu Hause, sondern brach bereits 1939, also vor 80 Jahren, „zu überwältigendem, die ganze Bevölkerung erfassendem Leben aus. Sie war, ohne feste, organisatorische Grundlage, durch den Einsatz von Herrmann Siller, Gotthilf Aisenbrey, Ignaz Efinger und Brauereidirektor Eisele zu Stande gekommen“ Der erste Narrenzug, unter Mitwirkung der Aulendorfer Musikapelle, der ersten Hexe und zahlreichen Clowns, wurde auf den Weg gebracht. Selbst der Bürgermeister wurde damals schon abgesetzt. Dann beendete der 2. Weltkrieg allerdings das närrische Treiben jäh, doch schon zehn Jahre später, war die wunderbare Fasnetszeit nicht vergessen. Nach der Absetzung des Bürgermeisters wurden die weiteren Masken, Schnörkele, Fetzle, Tschore und Rätsch, der Bevölkerung vorgestellt. Am 5.11.1949 wurde die zwischenzeitlich erarbeitete Satzung angenommen und am 11.11.1949, also vor 70 Jahren, feierlich die Narrenzunft Aulendorf gegründet. Der erste Zunftmeister war kein geringerer als Erwin Glonegger, Bereits 1 Jahr später, also 1950 zählte die Narrenzunft Aulendorf 300 Mitglieder.

Gründe genug, am 11.11.2019 um 11:11 Uhr im Ritterkeller zu Aulendorf Geburtstag zu feiern. Zunftmeister Rolf Reitzel lädt, stellvertretend für das Geburtstagskind, die Narrenzunft Aulendorf e.V., alle Närrinnen und Narren herzlich dazu ein. Für   für die musikalische Unterhaltung sorgt die Band „Halb so schlimm“ mit Ede Butscher und Edi Bentele.

*Quellen: Text: Fasnet in Aulendorf
Foto: Narrenzunft Aulendorf e.V.

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Reger Austausch bei den Senioren der Landschaften

60 ehemalige und aktive Zunfträte und Zunftmeister kamen zum traditionellen „Seniorenhock“ nach Aulendorf

 Im Jahr 2002 hatte Waldemar Münst, Ehrenzunftmeister der Narrenzunft Aulendorf, die Idee, ein Treffen der altgedienten Zunfträte aller Narrenzünfte der Landschaft Oberschwaben Allgäu zu organisieren. Am Samstag durfte die Narrenzunft Aulendorf nach eigenen Angaben zum dritten Mal den inzwischen traditionellen „Seniorenhock“ ausrichten.

Im Zunftheim der Narrenzunft Aulendorf wurden viele alte und neue Geschichten rund um die Fasnet ausgetauscht.

Rund 60 ehemalige und aktive Zunfträte und Zunftmeister folgten der Einladung ins Zunftheim. Die eröffnenden Worte sprach der aktuelle „Seniorenvorstand“, Arthur Kopka von der Narrenzunft Henkerhaus Baienfurt. Er lud alle Anwesenden zum Kuchenbüfett ein. Anschließend fuhren alle Gäste zum Aulendorfer Schloss, wo sie von der Zofe Rosalie und Michael Osdoba zur historischen Schlossführung erwartet wurden.

Mit dem erlernten geschichtlichen Wissen rund um die Grafschaft Königsegg-Aulendorf ausgestattet, zog die Gruppe über die Straße in die Schlossbrauerei ein, um dort ihren Wissensdurst zu stillen. Brauer und stellvertretender Zunftmeister Flo Angele ließ es sich nicht nehmen, persönlich seine Landschaftskolleginnen und Kollegen in die Geheimnisse der Braukunst einzuweihen.

Wieder zurück im Zunftheim konnten neue Geschichten rund um die Fasnet ausgetauscht werden. Die Vorfreude auf den „Seniorenhock“ 2020 bei der Dorauszunft Saulgau habe man allen Anwesenden förmlich angesehen, heißt es.

Bericht: Schwäbische Zeitung Lokalausgabe Bad Waldsee 04.10.2019
Text und Foto: Britta Wekenmann

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Aulendorfer Masken sind verbannt

Brauchtumsmoment in der Stadthalle beendet die Fasnet 2019

Die Aulendorfer Masken sind beim Kehraus am Dienstagabend wieder verbannt worden. Das Traditionsmoment gehört zum Brauchtum der Aulendorfer Fasnet, das als Teil der schwäbisch- alemannischen Fasnacht immaterielles Kulturerbe ist.

Drei Mal tritt in der Aulendorfer Fasnet die Figur des Maskenmeisters auf; beim Häsrichten, bei der Befreiung der Masken am Hexeneck sowie bei der Verbannung der Masken. Gegen 23.45 Uhr am Dienstagabend war es in der Aulendorfer Stadthalle – in der zuvor noch ausgelassen getanzt und die Auftritte der Guggenmusik Spots und der Sprunghexen verfolgt wurden – soweit: Burggraf Andreas I (Andreas Herkommer) ließ das Ende des närrischen Treibens verkünden, und Bürgermeister Matthias Burth bekam den Stadtschlüssel zurück.

Beim Kehraus in der Stadthalle verbannt der Maskenmeister die Aulendorfer Masken.

Dann schritt der herbeigerufene Maskenmeister (Michael Weißenrieder) zur Tat – der Moment, zu dem auch den umstehenden Kehrausbesuchern das Lachen aus den Gesichtern verschwand. „Ich spreche nunmehr aus den Bann – den keiner ein Jahr lösen kann!“, sprach der Maskenmeister seinen Bannspruch. Heulend und klagend beugten sich die Masken und zogen mit den Gongschlägen um Mitternacht mit ihrem Meister aus der Stadthalle davon.

Das Ende bildeten der Burggraf mit seinem Gefolge, Zunftmeister, Hohe Räte und Bürgermeister – jeder mit einer Kerze in der Hand. Am Ausgang löschte der Maskenmeister diese – sofern nicht der letzte närrische Schalk die Flamme selbst auspustete. Und tatsächlich: schlagartig, mit dem letzten Löschen der Kerze verschwand auch die fastnächtliche Stimmung in der Halle, viele Besucher machten sich direkt auf den Heimweg. „Ein bisschen schade ist es ja schon“, raunte eine Aulendorferin noch beim Hinausgehen.

Bericht: Schwäbische Zeitung Lokalausgabe Bad Waldsee 07.03.2019
Text und Foto: Paulina Stumm

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Das Urteil ist gefallen: Die Fasnet ist an allem schuld

Aulendorfer Narren ziehen zum Abschied als Hemdglonker durch die Stadt und fällen ihren Narrenbaum

Unter dem Wehklagen der Hemdglonker und mit dem Verbrennen der Fasnet haben sich die Aulendorfer Narren am Dienstagabend von den närrischen Tagen verabschiedet. Auch der Narrenbaum ist gefallen.

In weißen Nachthemden ziehen die Hemdglonker zum Abschluss der Fasnet als letzter Umzug durch die Stadt.

In weiße Nachthemden und Schlafmütze – mal als Zipfel, mal als Haube – gekleidet, blass geschminkten Gesichtern und aufgemalten Tränen sind die Hemdglonker mit Laternen, Rätschen und Fackeln durch die Stadt gezogen. „Das ist immer ein schöner Abschluss, ein bewusster Schlusspunkt“, findet Rita Dittrich, für den lohne es sich auch die Kostümierung hervorzukramen, die mit einigen anderen Fasnetsklamotten ab Aschermittwoch in die Wäsche kommen. Auch für Umzugsorganisator Manfred Hügler gehören die Hemdglonker einfach dazu, „weil ich das schon seit… ja wie lang eigentlich, 28 Jahren vielleicht, mache.“ So ähnlich hört man das noch öfter am Abend. „Ich gehe mit, weil ich das schon als Kind gemacht habe, wenn auch nicht in Aulendorf“, sagt Herbert Dobner, der aus Isny zu Gast ist und sich ebenfalls in altes Schlafkleid gewandet hat. Für Brigitte Raisch sind die Hemdglonker in ihrer Blässe auch ein Zeichen für eine gewisses Abgekämpftsein zum Ende der Fasnet. „Jetzt tragen wir sie zu Grabe, darum heulen wir und haben Tränen auf den Wangen.“

Der Zug zieht zum Schlossplatz, wo er den Narrenbaum umrundend, von zahlreichen Zuschauern und Zeremonienmeister begrüßt wird. Dann geht es der Fasnet an den Kragen. Die Narrenrichter erscheinen, zu richten die Fasnet ob all ihrer Vergehen – und derer weiß der Richter einige zu benennen: laut Lästern, Leute an der Nase herum führen, Kirche schwänzen, aus der Flasche trinken, Mädchen anlügen und mancher soll sich gar nicht mehr gewaschen haben. Das Urteil der Richter ist eindeutig: „Die Fasnet ist an allem schuld, drum wird das Seil jetzt abgespult.“ Und so wird die Fasnet in Form einer Strohpuppe aufgehängt und geht in Flammen auf, während die Narren begleitet vom zunächst tragenden, dann noch einmal lustig erklingenden Aulendorfer Narrenmarsch zum letzten Tanz um den Baum ansetzen, bevor auf dieser gefällt wurde.

So mancher schnappte sich ein Stück vom Narrenbaum, als Erinnerung. Isabell Köberle erwischte einen Zweig mit Bändel. Ein kleines Stück davon wird sie, wie so mancher Aulendorfer Narr, im Geldbeutel aufbewahren bis zur nächsten Fasnet.

Bericht: Schwäbische Zeitung Lokalausgabe Bad Waldsee 06.03.2019
Text und Foto: Paulina Stumm

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Aulendorf hat „eine Hymne kreiert“

Närrischer Ohrwurm 2019 geht nach Aulendorf – Fans empfangen Sieger auf dem Schlossplatz

Die EMB² &“ Die Aulendorfer“ geben beim Wettbewerbsauftritt um den Närrischen Ohrwurm alles. (Foto: SWR/Alexander Kluge).

Der Närrische Ohrwurm 2019 geht nach Aulendorf. Mit drei Punkten Vorsprung haben die „EMB² & Die Aulendorfer“ den Fastnachtshit-Wettbewerb des SWR Fernsehens am Sonntag für sich entschieden. „Es ist überwältigend“, sagt Andreas Herkommer, der das Schunkellied zusammen mit Peter Baurmann als EinMannBand² ausgedacht und komponiert hat. Als Preis bekamen die Musiker ein professionelles Musikvideo – und einen Kuss von Schneewittchen.

„Ich kann es noch gar nicht richtig einordnen“, sagt Herkommer am Tag danach, immer noch etwas überrascht, aber gut gelaunt. Am späten Sonntagnachmittag standen er und seine Mitmusiker letztlich als Sieger auf der Bühne in Singen, von wo aus der SWR den Wettbewerb live im Fernsehen übertragen hatte. „Wir hatten nicht damit gerechnet, dass wir gewinnen“, sagt Herkommer – und doch setzten sie sich gegen sieben weitere Finalisten, die am Sonntag um den Titel musiziert hatten, durch.

„Es hat super geklappt“

„Wir waren schon am Samstag zum Soundcheck dort. Da waren wir noch echt angespannt. Wir haben zwei andere Bands gehört und das klang sehr professionell. Wir dachten, das wird ein harter Brocken“, erinnert sich Herkommer. Beim Auftritt am Sonntag selbst half dann das „sensationelle Publikum“ und der Blick in die vertrauten Masken der mitgereisten Fan-Abordnung aus Aulendorf. „Wir waren nicht aufgeregt. Die Grundstimmung war so positiv dort. Es hat super geklappt“, findet Herkommer.

So sehen Sieger aus: Die Band „Die Aulendorfer“ und (vordere Reihe von rechts) Peter Baurmann und Andreas Herkommer als EinMannBand². (Foto: SWR/Alexander Kluge)

Ganz ähnlich sahen das auch die drei Juroren, die für jeden der Finalisten nach deren Auftritt eine Bewertung ab- und Punkte vergaben. „So muss Fasnet klingen, es ist das einzige Lied, zu dem man Schunkeln und Feiern kann“, lobte etwa Schlagersängerin Alexandra Hofmann und gab den Aulendorfern zehn von elf möglichen Punkten. Mitjuror und Comedian Sven Hieronymus zog ebenfalls nur einen Punkt ab, als Mainzer habe er nicht alles verstanden. Und auch von Fernsehmoderator und Entertainer Hansy Vogt gab es zehn Punkte: „Ihr habt alles richtig gemacht. Ich würde sagen: Aulendorf hat eine Hymne kreiert.“

30 Punkte von der Jury

„Als wir von der Jury 30 Punkte bekommen haben, habe ich gehofft, dass wir damit unter die letzten fünf kommen“, sagt Herkommer und gibt zu: „Wenn man bei einem Wettbewerb mitmacht, will man natürlich auch gewinnen.“ Nach den Juryurteilen teilte sich die Aulendorfer dann zwar schon den vorläufigen Platz 1 mit der Band „Die Kellerspatzen und Freunde“, die Zuschauerabstimmung via Telefon stand da aber noch aus.

Die EMB² & „Die Aulendorfer“ mit Sänger-Jury und SWR- Moderatorin Sonja Faber-Schrecklein als Schneewittchen. (Foto: SWR/Alexander Kluge).

Nach gut einer Stunde und 45 Minuten Liveshow war es dann soweit. SWR-Moderatorin Sonja Faber-Schrecklein – im Schneewittchenkostüm – beendete das Telefon-Voting und versammelte alle fünf noch im Rennen stehende Teilnehmergruppen um sich. Die Anspannung stand den Musikern da schon ins Gesicht geschrieben. „Jede Minute fühlte sich wie eine Stunde an“, beschreibt Herkommer die Minuten, als Faber-Schrecklein nach und nach die Punkte der Publikumsabstimmung bekannt gab, bis klar war: „Auladorf zur Fasnetszeit“ ist der Närrische Ohrwurm 2019. Nur der Vollständigkeit halber: auch vom Publikum gab es für die Hitschmiede aus Aulendorf am meisten Punkte, nämlich 33.

Ein Kuss von Schneewittchen

Offensichtlich noch nicht ganz verarbeitet hat Herkommer den Kuss von Schneewittchen Sonja Faber-Schrecklein. Die Moderatorin holte zum Sieger-Interview aus, unterbrach sich dann aber selbst, nahm den Musiker zur Gratulation in den Arm, fragte: „Wurdest du schon mal von Schneewittchen geküsst?“ und gab dem Aulendorfer einen Kuss auf die Wange: „Jetzt isch’s passiert“. Dabei hatte Faber-Schrecklein die Rechnung aber ohne Dieter Langlouis von den „Aulendorfern“ gemacht, der sofort scherzhaft einwarf: „He! I au it!“ Schneewittchen lies sich nicht lange bitten und kommentierte lakonisch: „So sind se die Oberschwaben.“

„Nein, von Schneewittchen wird man nun wirklich nicht alle Tage geküsst“, sagt Herkommer dazu nur und erklärt: es sei der Moment gewesen, in dem klar war, dass sie gewonnen hätten: „Alles läuft wie im Film ab, da bekommt man gar nicht alles richtig mit.“

Bei der Ankunft in Aulendorf am Abend gegen 20 Uhr wurden die Gewinner des Närrischen Ohrwurms bereits erwartet. (Foto: privat/Julia Kramer).

Ganz zu Ende war der Film nach der Live-Übertragung aber noch nicht. Im Bus ging es mit den Fans zurück nach Aulendorf, wo sich unter dem närrischen Volk die nahende Ankunft der Ohrwurm-Sieger in Windeseile verbreitete, wie eine Aulendorferin berichtet. „Das machte per Whatsapp die Runde wie ein Lauffeuer.“ Und so standen Abordnungen der Stadtkapelle und des Fanfarenzugs sowie geschätzte 200 bis 300 Aulendorfer bereit und empfingen die „EMB² & Die Aulendorfer“ am Schlossplatz. „Das war ein absolut ansteckendes Aulendorfer-Wir-Gefühl“, berichtet sie.

Feiern im „Aulendorfer-Wir-Gefühl“

„Wirklich im Kopf bleibt, dass es mit den Aulendorfern so super geklappt hat“, zieht Herkommer sein Fazit zum Närrischen Ohrwurm und lobt die Band, die sich so kurzfristig bereit erklärt habe, mitzumachen. Schließlich waren nur drei Wochen und eine richtige Probe Zeit, um das Lied entsprechend zu Arrangieren und den Auftritt vorzubereiten. „Den Spaß und die Harmonie, die wir hatten, das war echt beeindruckend.“

Bleiben wird den Musikern neben dem Titel Närrischer Ohrwurm auch die gleichnamige kleine Plastikskulptur, quasi der Oscar der Fasnetslieder. „Der steht zur Zeit bei mir daheim“, sagt Herkommer. Er soll künftig im Probelokal der „Aulendorfer“ einen Platz finden. „Dann kommen wir einmal im Monat vorbei und schauen, ob er noch da ist.“

Bericht: Schwäbische Zeitung Lokalausgabe Bad Waldsee 05.03.2019
Text: Paulina Stumm
2 Fotos: SWR/Alexander Kluge  
1 Foto: Julia Kramer

 

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Aulendorfer Band gewinnt „Närrischen Ohrwurm“

Die Band „EMB² & Die Aulendorfer“ haben den „Närrischen Ohrwurm 2019“ gewonnen. Wie der veranstaltende SWR mitteilt, belegt die heimische Band den ersten Platz beim Fastnachtshit-Wettbewerb des SWR Fernsehens.

Die Teilnehmer aus Aulendorf beim „Närrischen Ohrwurm“. (Foto: SWR/Alexander Kluge.)

Ingesamt acht Kandidaten standen am Fastnachtssonntag ab 16 Uhr zur Wahl des „Närrischen Ohrwurms 2019“. Gesiegt haben am Ende der zweistündigen Live-Sendung, die von Sonja Faber-Schrecklein moderiert wurde, „EMB² & Die Aulendorfer“ mit ihrem Song „Aulendorf zur Fasnetzeit“, heißt es in der Pressemitteilung. Auf Platz zwei landeten „Die Kellerspatzen und Freunde“ aus Engen und Platz drei belegte „Friedel Kehrer – a Bronnweiler Weib“ aus Reutlingen-Bronnweiler. Voraussetzung für die Teilnahme seien auch bei der 12. Ausgabe des „Närrischen Ohrwurms“ eingängige, fastnächtliche und handgemachte Stücke gewesen – Coversongs waren ausgeschlossen. In der Abstimmungspause gab es ein Wiedersehen mit den Vorjahressiegern, der „Peng Gang“ aus Lauchringen und ihrem Hit „Salli, Salli“.

Promi-Jury entschied erstmals mit

Zum ersten Mal in der Geschichte des „Närrischen Ohrwurms“ durfte die Promi-Jury die närrischen Hits nicht nur fachkundig kommentieren, sondern auch bewerten, geht aus der Pressemeldung hervor. Sängerin und Musikerin Alexandra Hofmann, Musiker und Comedian Sven Hieronymus und Sänger und Entertainer Hansy Vogt hätten jeweils Punkte vergeben und die Vorauswahl für das Publikum getroffen. Von den acht Bands, die am Wettbewerb teilnahmen, kamen die fünf Fastnachtsmusikanten mit den meisten Punkten in die Endrunde, in der dann das Publikums gefragt war. Via TED stimmten die Gäste in der Stadthalle Singen und die Fernsehzuschauer Zuhause ab. Die Preise für die Sieger sind ein professionell hergestelltes Musikvideo, eine CD-Produktion in den Tonstudios des SWR und ein Profi-Fotoshooting.

Bericht: Schwäbische Zeitung Lokalausgabe Bad Waldsee 04.03.2019
Text: SZ

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Fröhliche Mischung zwischen Aulendorfer Zoo und Narrenzünften

König von Tannhausen bringt den Aulendorfern Königswetter zum Narrensprung mit

90 Minuten lang sind Hexen, Hudelemale, Räubergesindel und selbstverständlich die Aulendorfer Tradtitionsmasken Tschore und Rätsch, Fetzle, Schnörkele sowie die Eckhexen durch die Aulendorfer Hauptstraße gezogen. Dazwischen krächzte, blökte, wieherte und grunzte der diesjährige bunte Zoo aus der Aulendorfer Ortsfasnet zur Freude des Publikums.

Die Hexenliesel vom Pfannenstiel aus Ravensburg baut großartige Pyramiden.

Beeindruckendes Piratenschiff vom Narrenverein Ringenbach.

„Und was wäre die Fasnet ohne Musik?“ fragte Moderator Michael Weißenrieder und betonte es immer wieder, damit dem Publikum die Bedeutung der vielen Kapellen, Fanfarenzüge und Lumpenkapellen ins Bewusstsein gerufen wurde. Klar war auf jeden Fall, dass dank der kurzweiligen Moderation und den geselligen Narrenmärschen die gute Laune bestens bedient wurde. Nachdem die Zuschauerreihen schon recht früh die gesamte Hauptstraße säumten, startete der Umzug bei strahlendem Sonnenschein mit der Kißlegger Narrenzunft Hudelemale. Ihre Hudelmusik spielte den Narrenmarsch und alle schunkelten mit. Wirklich alle, also Zunfträte, Hudelemale, Weißenrieder und das Publikum links und rechts des Weges. Aus der Heimat von Bürgermeister Matthias Burth kam der Narrenverein Ringgenbach mit seinen Bachpiraten, die ein imposantes Schiff durch die Hauptstraße manövrierten. Die Räuberbande der Schwarze Veri Zunft mit den orange-schwarzen Hexenlieseln und den neckischen Krattlern waren mobil und trieben ihren Schabernack mit denZuschauern.

Premiere in Aulendorf: Die Griesebigger aus Kressbronn mit der Kirsche im Mund.

Premiere in Aulendorf feierte die Griesebigger Zunft aus Kressbronn, die mit Narrenkomitee und Garde angereist waren, dazu noch die bunten Griesebigger: Eine Maske die sich an die gefräßigen Staren anlehnt, die den Bauern die Kirschen – eben die Griesen – wegschnappen. Ebenfalls vom Bodensee, namentlich aus Langenargen, kam die Narrenzunft D´Dammglonker mit einer Hexenschar, die eine Leiter für die oberen Stockwerke dabei hatte. Nochmals richtig farbenfroh ist die kleine Abordnung der Wiler Rhy Waggis Clique aus Weil am Rhein mit ihrem urigen Holzfasswägele.

Akrobatische Hexen

Farbenfroh die Wiler Rhy Waggis aus Weil am Rhein.

Befreundete Narrenzünfte aus der unmittelbaren Nähe gehören natürlich in jedem Jahr dazu. Nicht weit hatte es die Narrengilde aus Otterswang, die ihre Guggamusik Spots dabei hatte. Aus Bad Schussenried war die Narrenzunft mit den Grimmigen Riedteufeln und akrobatischen Hexen aus Roppertsweiler gekommen. Immer einen beeindruckender Auftritt haben die Indianer aus Ebersbach- Musbach, deren Häuptling und seine Squaw auf dem Pferd daher reiten. Beim markerschütternden Ibitscha, ibitscha – tscha, tscha, tscha uh verschwendet man gern mal einen Gedanken an die Kindertage. Ein kleines bissel gruselig sind dagegen die Bomser Kellergoischter, die auch noch mit einer Hexengruppe aufwarteten. Burggraf Andreas I wurde am Umzug durch Kai Bebendorf vertreten, damit es im närrischen Hofstaat keine Lücken gab. Denn Andreas Herkommer hatte seinen großen Auftritt am Sonntagnachmittag beim Närrischen Ohrwurm des SWR.

Bericht: Schwäbische Zeitung Lokalausgabe Bad Waldsee 04.03.2019
Text und Fotos: Dietmar Hermanutz

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Narren stellen bei Kaiserwetter ihren Baum

Auf dem Aulendorfer Schlossplatz steppt der Bär – Schülerbefreiung am Morgen

Bei herrlichem Kaiserwetter und frühlingshaften Temperaturen hat Aulendorf am Donnerstag die Ortsfasnet gefeiert. Sonnenschein, blauer Himmel, beste Stimmung und fröhliches Beisammensein prägten den Gumpigen. Los ging der Tag mit der Schülerbefreiung am Morgen und dem anschließenden Aufstellen des Narrenbaums auf dem Schlossplatz – nicht nur für Kinder eine Gaudi.

Gefangen genommen und abgeführt: Grundschulrektor Oliver Trzeciok.

Einen wunderschönen und beeindruckenden Kranz gab es vor dem Stellen für den Narrenbaum.

Kleine Feen, Prinzessinnen, Clowns und – getreu dem zoologischen Fasnetsmotto – eine bunte Tierwelt bestehend aus Löwen, Pfauen, Tigern, farbenfrohen Vögeln, Schafen oder Zebras tummelten sich um kurz vor 10 an und in der Grundschule. Sie wurden Zeugen, wie die Narren, unter anderem begleitet von der Original Aulendorfer Krachkapelle, den Fasnetsladern sowie der erstmals teilnehmenden Lumpenkapelle Schindelbach-Zollenreute, das Schulhaus stürmten und Rektor Oliver Trzeciok gefesselt abführten. Nicht fehlen durften die Kanonenschläge auf dem Schulhof, bevor der Umzug Richtung Schlossplatz begann.

 

Wo ist bloß das Narrenloch? Und, oh Schreck, es ist nicht tief genug! Der „Bohrbär“ musste ran – mit Unterstützung klappte es besser.

Helden der Kinder waren auf dem Umzugsweg die Schwellköpfe, die aus den 1950er-Jahren stammen und bereits im vergangenen Jahr eine Wiederbelebung erfuhren. Sie verteilten entlang der Straße und auch von Hausdächern und aus geöffneten Fenstern herab Gutsle und Brezeln an die Kinder – was für ein leckerer Spaß.

Angekommen am Schlossplatz empfing der stellvertretende Zunftmeister Flo Angele humorvoll die närrische Schar und Burggraf Andreas I. (Andreas Herkommer) forderte die Zimmermänner auf, den Narrenbaum zu stellen. Doch, oh Schreck, wo ist das Loch für den Baum? Ein klarer Fall für die Narrenlochsucher, die jedoch ihrerseits erst vom „Narrenlochsucher- Sucher“ Flo Angele gemeinsam mit den Kindern gefunden werden mussten.

Erstmals dabei: die Lumpenkapelle Schindelbach-Zollenreute.

Als die Sucher gefunden waren, machten sie sich ans Werk und wurden nach einer Weile auch fündig. Doch das entdeckte Narrenbaumloch war nicht tief genug. Also suchten Angele und die Kinder den Bohrbär. „Bohrbääär!“ ertönte es aus den Kinderkehlen. Als das nichts half, erschallten Rufe nach „Himbääär!“ und „Brombääär!“. Der Trick funktionierte: Endlich war er gefunden, und als der Bär mit Hilfe der Grundschüler das Loch gebohrt hatte, machten sich die Zimmermänner mit dem Narrenbaumstellen ans Werk. Das gelang nicht sofort, in mehreren Etappen wuchteten die  Zimmermänner den Baum in die Höhe – dazwischen sorgten die Schalmeien, Schulband, Lumpen- und Krachkapellen für Stimmung.

Wie schwer ist der Burggraf? Das galt es beim Aufwiegen mit Gummibärchen herauszufinden.

Dann war es geschafft, der Stamm passte prima ins Loch und die närrische Schar tanzte ausgelassen um den Baum, bevor sich der Burggraf in seinen Polstersessel begab, um mit Gummibärchen aufgewogen zu werden. Erneut ein süß-leckeres Spektakel für die begeisterten Kinder. Zum Abschluss des Vormittags konnten sie dann noch Landjäger einsammeln, die die Schwellköpfe vom Schlossbalkon herunter warfen.
Ha, ha, ha, jo was saisch au!

 

 

Bericht: Schwäbische Zeitung Lokalausgabe Bad Waldsee 01.03.2019
Text und Fotos: Karin Kiesel

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Masken sind vom Bann befreit

Mit dem Tanz ums Feuer und dem Rathaussturm geht es in die närrischen Tage

Es ist der Moment, den viele Freunde der Aulendorfer Fasnet herbei sehnen: der ausgelassene Tanz der frisch befreiten Aulendorfer Masken um das lodernde Feuer. Am Mittwochabend ist es soweit gewesen. Mehrere hunderte Zuschauer hatten sich am Hexeneck eingefunden, um die Maskenbeschwörung mitzuerleben. Sie gehört mit ihren Figuren genauso zum Brauchtum der Aulendorfer Narrenzunft wie der anschließende Sturm aufs Rathaus samt Übernahme der Amts- und Schlüsselgewalt und der närrischen Regierungserklärung. Unter den Klängen der Stadtkapelle und des Fanfarenzugs haben die Narren die Regentschaft übernommen und damit die Hochfasnet eingeläutet.

Der Maskenmeister ruft die Masken herbei.

Es ist gerade 19 Uhr, die Kirchenglocken mischen sich mit Trommelschlägen und den Fanfaren, da zieht der Hofstaat in der anbrechenden Nacht auf den abgesperrten Platz unterhalb des Schlosses, um den sich die Zuschauer drängen: der Burggraf Andreas I (Andreas Herkommer), in Begleitung seines Hofstaats, des Zunftmeisters und den Hohen Räten.

Extra aus Rottweil angereist

Das ist es, worauf auch ein extra für diesen Abend aus Rottweil angereistes Ehepaar gewartet hat. Die beiden haben ganz vorne am Absperrzaun in erster Reihe einen Platz ergattert. „Mein Mann kommt aus Ebersbach und hat immer von diesem Abend geschwärmt“, sagt sie, 33 Jahre sei er nicht mehr hier gewesen. Und dann beginnt das Spiel beginnt.

Die befreiten Masken tanzen um das Feuer.

Der Burggraf verlangt nach dem Maskenmeister, dieser möge die „guten alten Geister“ beschwören. Der lässt sich nicht lange bitten: „Ha, ha, ha, das mach‘ ich gern, für meinen Burggraf, meinen Herrn! Gleich nimmt der Zauber seinen Lauf – ich befehl‘, Nacht, tu dich auf!“ In schwarzem Umhang und mit spitzem Hut tritt der Maskenmeister (Michael Weißenrieder) auf und entzündet mit einer Fackel in der Mitte des Platzes ein loderndes Feuer, bevor er nach und nach die Masken zu sich ruft.

Als erstes schleichen die Eckhexen herbei, umrunden den Platz und verleihen der Szenerie eine unheimliche
Atmosphäre. Mit weiteren Beschwörungsformeln und allerlei buntem Zauber im Feuer ruft der  Maskenmeister auch Tschore und Rätsch, Schnörkele und die Fetzle herbei. Ein Jahr ist seit ihrer Verbannung vergangen, nun löst der Maskenmeister den Bann und Freude bricht sich Bahn; unter die Klänge des Aulendorfer Narrenmarschs mischen sich die schellenden Glocken der Schnörkele, die zusammen mit den anderen Masken im Rund ums Feuer tanzen.

Dem Rottweiler Ehepaar gefällt es sehr – und auch die Eckhexe, die sich mit ihr einen kurzen Schabernack erlaubt, kann am Gesamteindruck nichts ändern. „Es gibt nichts vergleichbares“, sagt er. Doch bei der Befreiung des Masken alleine bleibt es nicht, sie wollen mehr, streben danach, „die Macht des Regierens“ zu erlangen.

Der Hofnarr verliest die närrische Regierungserklärung.

In Begleitung der frisch befreiten Masken ziehen Burggraf und Gefolge sodann zum Sturm aufs Rathaus. Ganz so einfach ist die Macht allerdings nicht zu haben. Die lauernden Hexen werden von der Schlossgarde vor dem Schlossportal in Schach gehalten, Bürgermeister (Matthias Burth) und Gemeinderat weigern sich, die Macht abzugeben. Alles Verhandeln endet schließlich in der närrischen Eroberung des Rathauses, Maskenmeister und Eckhexen stürmen den Marmorsaal, das Stadtoberhaupt muss sich geschlagen geben. Vom Schlossbalkon aus verkündet er dem vor dem Schloss zuschauenden Volk seinen Rücktritt, übergibt dem Burggrafen den symbolischen Schlüssel zur Stadt und lässt sich den Strohhut aufsetzen.

„Von dieser Stund’ an bis Aschermittwoch gilt die Narrenfreiheit in Aulendorf“, lässt der Zeremonienmeister (Jürgen Müller) verlauten. Was genau das bedeutet – und wo die Grenzen verlaufen, verließt er in der Proklamation vom Balkon herab gleich mit. Der Zunftmeister und seine Räte gestalten die Tage, wachen aber auch darüber, „dass nichts Unehrenhaftes und Schlechtes, Anstößiges und Sittenwidriges geschehen wird.“ Es folgt die erste Amtshandlung, das Verlesen der närrischen Regierungserklärung.

 

Bericht: Schwäbische Zeitung Lokalausgabe Bad Waldsee 28.02.2019
Text und Fotos: Paulina Stumm

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