Aulendorf ist in die Hochfasnet gestartet

Narrenlochsucher waren erfolgreich – Virtuelle Videos trösten ein klein wenig über Corona hinweg

Bereits am Mittwochabend haben unzählige Aulendorfer mit der virtuellen Maskenbeschwörung am Hexeneck den traditionellen Start in die Fasnet miterlebt. So ein Glück, dass es Aufzeichnungen gibt, die das Brauchtum der Ortsfasnet festgehalten haben und so in diesem Jahr virtuell für Gänsehauteffekt sorgen können.

Welch Aulendorfer Narr wäre nicht bewegt, von den Worten des Burggrafen: „Ihr Masken alle miteinand – Gelöst sei wieder Euer Bann! Seid alle uns heut‘ hier willkommen – der erste Tanz sei aufgenommen!“ Das dumpfe Tönen des Schnörkeles- Geschells, das liebliche Klingen des Fetzle-Stabes, das gurrende Spiel der Eckhexen mit dem Publikum, all das, kombiniert mit den Klängen des Fanfarenzugs und dem vom Maskenmeister entzündeten Feuer, all das lässt jedem Aulendorfer Narren einen Fasnets-Schauer über den Rücken laufen. Und wie jedes Jahr hat die Hexenwagengruppe dafür gesorgt, dass die Straßen mit Fasnetsbändeln, von Herkommers genäht, geschmückt wurden und damit ein Stück Normalität im Städtchen einkehren konnte. So brauchten die Narren auch nicht bange sein, die Zunft sorgte dafür, dass auf dem Schlossplatz der Narrenbaum aufgestellt wurde. Allerdings wurde das Wahrzeichen der Fasnet heuer ohne Zuschauer, ganz im Stillen und bereits am Vortag, von der Firma Heydt zusammen mit dem Betriebshof gestellt. Das alljährlich notwendige Prozedere der Narrenlochsucher bekamen die Besucher, wie könnte es auch anders sein, per Video nachgeliefert. Nachdem diese an vielen Orten in der Stadt vergebens gesucht hatten, wurden sie, wie alljährlich auf dem Schlossplatz fündig.

Auf dem Wochenmarkt verbreitet Anna Szabo Fröhlichkeit mit ihrem Gruß „I wünsch‘ a glückselige Fasnet“

Und so staunten am Gumpigen Donnerstag viele Wochenmarktbesucher über den bereits aufgestellten, wunderschön gerade gewachsenen Aulendorfer Narrenbaum. Marktfrau Anna Szabo stand als fleißiges Bienchen verkleidet in ihrem Marktwagen und gab den Käufern zu ihrem Einkauf ein fröhliches „Ich wünsch ihnen no a glückselige Fasnet“ mit auf den Weg. Auch in der Schnörkelesbäckerei Leser war Fasnetsmusik angesagt und das Fasnetsgebäck in Form von Schnörkele, Hexenbrot oder Berlinern wurde von „bunt verkleideten Froileins“ an den Mann oder die Frau gebracht. Weniger verkleidungsbereit waren die Bürger unterwegs, nur hi und da wärmte vereinzelt ein bunter Aulendorfer Narrenschal bei Temperaturen von Minus 8 Grad ein Mäschkerle. Ein Originalkostüm war, zumindest bis zur Mittagszeit des Gumpigen, nirgendwo zu entdecken, obwohl dies, allerdings ohne Originalmaske, erlaubt gewesen wäre.

Die Clowns Gabi Meschenmoser (links) und Margit Angele bringen Freude ins Städtle mit Schöpfkelle und Zange.

Einzig Margit Angele, ihres Zeichens als Clown mütterlicherseits in die allererste Clowngruppe Aulendorfs hineingeboren, begab sich mit Cousine Gabi Meschenmoscher, die schon seit den 80ern als Clown mit dabei ist, auf Tour. Coronakonform, versteht sich. „Wir wollen weder uns, der Narrenzunft, geschweige denn anderen Menschen Probleme bereiten“, erklärten die beiden unisono. Und wenn man die fröhlichen Gestalten so betrachtet,mit genügend Sicherheitsabstand, einer FFP2-Maske im Gesicht und Süßigkeiten, die mittels einer langen Schöpfkelle oder Zange gereicht werden können, dann spürt man, mit wie viel Verantwortungsbewusstsein die Zwei unterwegs sind. Da dieses Jahr ganz schön verrückt ist, verteilen sie heuer zusätzlich zu den Süßigkeiten ausnahmsweise auch Schnörkele. Diese bringen sie anderen Clowns ihrer Gruppe an die Haustüre, um ihnen eine Freude zu bereiten. „Alle Schnörkele haben wir einzeln verpacken lassen, damit ja nichts passieren kann und wir überreichen sie auf Abstand coronakonform mit der Zange“, versprechen die Beiden. Am Besten an der Fasnet 2021 sei das Abschminken: Maske runter und fertig. Und doch freuen sie sich unendlich aufs nächste Jahr, einschließlich Abschminken!

Bericht: Schwäbische Zeitung Lokalausgabe Bad Waldsee 12.02.2021
Text und Foto: Claudia Buchmüller

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